Mutter dokumentiert die Folgen ihres Streiks im Haushalt

Ann-Catherin Karg
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 5 Min.

In ihrem Gleichstellungsbericht hielt die Bundesregierung 2019 fest, dass Frauen pro Tag rund 52 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden als Männer. Die Pandemie hat diesen "Gender Care Gap" noch vergrößert. Um genau das sichtbar zu machen, hat eine Mutter auf Twitter gezeigt, was passierte, als sie aufhörte zu waschen, putzen und aufzuräumen.

Eine Twitter-Userin schrieb über den Boykott der Hausarbeit und ihre Tweets sind viral geworden. (Symbolbild: Getty Images)
Wie groß muss der Berg Schmutzgeschirr werden, bevor sich ein anderes Familienmitglied als die Mutter seiner annimmt? Eine Twitter-Userin machte das Experiment (Symbolbild: Getty Images)

Im Lockdown sind viele Familien großteils auf die eigenen vier Wände zurückgeworfen, in denen rund um die Uhr Arbeit anfällt: Sind alle zuhause, wird alles schneller schmutzig, dauernd hat jemand Hunger, braucht Hilfe bei den Hausaufgaben, das Klopapier geht ständig alle und das Chaos kann jederzeit vollends ausbrechen.

Studie: Frauen arbeiten fast die Häfte der Zeit unbezahlt

Wie verschiedene Umfragen und Studien zeigen, sind es noch immer meist die Frauen, die das Mehr an unbezahlter Care-Arbeit abfangen. Von Gleichberechtigung ist auch im 21. Jahrhundert noch keine Spur und so manches Familienmitglied dürfte sich nicht einmal darüber bewusst sein.

Ich bin raus!

Zeit, genau das zu ändern, dachte sich eine Twitter-Userin namens "Miss Potkin". Sie beschloss, fortan nicht mehr alle anfallenden Aufgaben quasi selbstverständlich selbst zu übernehmen. Und dann schaute sie einfach zu, was passierte, und hielt auch ihre Follower auf dem Laufenden.

In einem ersten Tweet erklärte sie, sie hätte vor zwei Tagen aufgehört, das Geschirr abzuwaschen. Sie sei das ewige Abwaschen vor allem deswegen leid, weil sie schon für die Zubereitung der Speisen sorge. Zu diesem Zeitpunkt stapelte sich schon ein beachtlicher Geschirrberg in der Küche und es drohte ein Mangel an Geschirr und Besteck. "Wer wird wohl zuerst blinzeln?", fragte Miss Potkin und gab die Antwort gleich selbst: "Ich nicht."

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Phase eins: Ignorieren

Einen Tag später gab es zuhause keine sauberen Schüsseln und Löffel mehr. "Niemand spricht über den Berg in der Küche, aber ich kann ihre Gehirne arbeiten hören", schrieb die Mutter über die anderen Familienmitglieder und fügte an, sie werde den Geschirrspüler nicht anschalten.

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Kurz darauf zeichnete sich dann doch ein Lichtblick am Horizont ab: Der Müll wurde "nach 965 Tagen" heruntergebracht. Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten: Anstatt abzuspülen, benutzte der Vater der Familie einen Babylöffel und füllte seinen Tee in die "Not-Tasse".

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Schmutzwäsche, so weit das Auge reicht

Inzwischen türmte sich auch die Wäsche der Familie auf überall in der Wohnung verteilten Häufchen. Das Feeling zur Lage: "ein bisschen postapokalyptisch."

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Corona trifft Frauen härter: Noch mehr unbezahlte Arbeit zu Hause

Während die Wäsche vor sich hin muffelte, stand in der Küche eine Pfanne mit einer alten Wurst darin, die bereits die Farbe zu wechseln begann. Dazu war auf einer Toilette das letzte Klopapier verbraucht worden, ohne dass es ersetzt worden wäre. "Alle, die daran denken, benutzen seitdem die andere Toilette. Alle, die das nicht tun … helfe ihnen Gott", kommentierte Miss Potkin.

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"Warum?"

Kurze Zeit später ein weiterer Fortschritt: Miss Potkins Mann kratzte nicht nur eine Schüssel mit hart gewordenen Müsliresten aus, sondern stellte das Geschirr auch in den Geschirrspüler. Obwohl voll, wurde dieser aber nicht eingeschaltet:

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Die Frage nach dem "Warum?" ließ die Mutter ähnlich aufgewühlt zurück wie Harry Potter nach der wenig erfreulichen Begegnung mit einem Dementor:

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Fazit: Geht doch

Auf wundersame Weise kehrten dann aber nach und nach Toilettenrollen in ihr angestammtes Habitat zurück, und nach dem Gebrauch des letzten sauberen Messers wurde auch der Geschirrspüler eingeschaltet:

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Nach diesen Erfahrungen samt sichtbarer Lernkurve war Miss Potkin schließlich bereit, den Streik zu beenden und zog ein Fazit, mit dem sie vielen Menschen aus der Seele sprechen dürfte: "Ihr werdet gute Tage haben, schlechte Tage, und viele S*** drauf-Tage, aber Menschen mögen es nicht, als selbstverständlich betrachtet zu werden, vor allem von denen, die sie am meisten lieben."

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