Mysteriöse Kokosnuss per Post verschickt

Johannes Giesler
Freier Autor
Viele Kokosnüsse, die von Moloka’i aus in die ganze Welt verschickt werden, sind wunderschön und bunt bemalt. Bei der Post liegen extra Buntstifte bereit. Foto: Symbolbild / gettyimages / Westend61

Die Oper von San Diego bekommt eine Kokosnuss per Post geschickt. Ohne Absender, ohne Nachricht. Was aber steckt dahinter? Eine kleine Spurensuche.

„Wir bekommen doch die seltsamsten Dinge per Post geschickt…“ Diesen kurzen Satz hat das Opernhaus im kalifornischen San Diego vor einer Woche auf Facebook geschrieben und dazu ein Bild der ominösen Sendung geteilt: eine Kokosnuss. Darauf steht in dicken, schwarzen Lettern einfach nur die Zieladresse: „SD Opera, 233 A Street, San Diego 92101“. Darunter zieht sich außerdem noch ein breiter Gürtel Briefmarken über die gelbliche Steinfrucht.

Fast so unterhaltsam wie das Kokosnuss-Paket selbst sind zudem die Kommentare unter dem Facebook-Beitrag. So schreibt eine Nutzerin: „Ob so wohl jemand Saison-Tickets bei euch bestellen will?“ Eine andere fragt: „Ob da wer versucht, euch zu sagen, dass ihr hohle Nüsse seid?“ Dann fragt noch eine dritte Person: „Was aber ist denn nun die Geschichte dahinter? Es muss doch eine geben?“

Bis zu 3.000 Kokosnüsse pro Jahr

Gute Frage! Ein Hinweis auf die Antwort liefert der Postaufkleber, der ebenfalls auf der Kokosnuss klebt: „Molokai Coconut 593“. Moloka’i ist eine hawaiianische Hauptinsel, von der Touristen einen ganz besonderen Urlaubsgruß verschicken können. Wer auf „Tripadvisor“ schaut, der bekommt als höchstbewertete Sehenswürdigkeit dort, es gibt immerhin 22 auf der kleinen Insel, das Postamt in Ho’olehua genannt. Und dort wird das „Post-a-Nut“-Programm angeboten.

Laut dem „San Diego Union Tribune“, der zuerst über die mysteriöse Kokosnuss der städtischen Oper berichtet hat, kann man von Ho‘olehua aus seit bereits 28 Jahren hawaiianische Kokosnüsse in die ganze Welt versenden. Das Programm habe demnach maßgeblich geholfen, den Tourismus in Ho’olehua zu beleben und ausreichend Umsatz zu generieren, damit die Postfiliale bis heute bestehen bleiben kann. Wie es der Zufall so will, ist gerade auch noch ein Mitarbeiter der Oper auf Hawaii – laut dem Tribune ist sein Name Darin Dietz, ein Veranstaltungs-Koordinator. Doch eine Bestätigung steht hier noch aus.

Nur eine verrückte Post-Sendung unter vielen

Daher zurück zu den Kokosnüssen: Die werden samt und sonders von hawaiianischen Einheimischen gespendet, erklärt Roxann Tancayo im Interview. Sie arbeitet für das Post-a-Nut-Programm und hält in ihrer Postfiliale zahlreiche Buntstifte bereit, damit jede Kokosnuss vor dem Versand individuell gestaltet werden kann. Mittlerweile werden so ungefähr 3.000 Kokosnüsse in die ganze Welt verschickt, vornehmlich nach Europa und Japan, erklärt sie. Touristen müssten nur noch den Versand bezahlen, der je nach Gewicht umgerechnet zwischen zwölf und 22 Euro koste. Bis die harten Urlaubsgrüße an ihr Ziel gelangten, vergingen bis zu zwei Wochen.

Zwar hat sich noch niemand als Absender der Kokosnuss zu erkennen gegeben, dafür thront sie jetzt – für jeden Gast sichtbar – in der Lobby der Oper. Nebst anderen kuriosen Postsendungen, wie etwa einer Sammlung sämtlicher Opernprogramme aller Spielzeiten aus den vergangenen 35 Jahren, außerdem Schallplatten und CDs, eine teure Espressomaschine und Kaffeebohnen.