Nachgerechnet: Es braucht nicht viel Geld zum Glück

Tomas Soucek
Freier Autor

Es ist eine Binsenweisheit, die uns trösten soll: Geld allein macht nicht glücklich. Damit beruhigen wir uns immer selbst, wenn es bei den Gehaltsverhandlungen mal wieder nicht so gelaufen ist, wie wir es uns erhofft haben. Zwei Wissenschaftler haben nachgerechnet und herausgefunden, wie viel Geld es wirklich braucht, um glücklich zu sein. Und es ist gar nicht so viel, wie man meinen könnte.

Geld ist nicht alles, hat Oma schon gesagt. Und sie hatte recht. (Bild: Getty Images)

Gehen wir erst einmal vom gegenteiligen Fall aus: Hat man monatlich zu wenig Geld in der Tasche, macht man sich Sorgen. Weil man die Miete nicht zahlen oder keinen Cent für später zurücklegen kann. Oder weil man sich nicht das leisten kann, was sich Freunde und Bekannte gönnen. In dieser Situation sinkt unser Glücksempfinden deutlich. Geld macht eben vieles möglich: Wir können uns damit Dinge leisten, reisen, ausgehen und so weiter.

Auf der anderen Seite ist ein hohes Gehalt kein Garant dafür, glücklicher zu sein. Denn wer sehr viel verdient, trägt meist auch sehr viel Verantwortung und arbeitet deutlich mehr. Mit dem Ergebnis, weniger Freizeit zu haben. Und das schlägt aufs Gemüt. Klar ist also: Geld hat sehr wohl Einfluss auf unser Empfinden. Aber wie viel Geld braucht man, um zufrieden und glücklich zu sein?

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Nobelpreisträger rechnet nach

Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann und Ökonom Angus Deaton aus Amerika haben nachgerechnet. Das erstaunliche, aber auch nachvollziehbare Ergebnis: Wer sein Gehalt von 15.000 auf 30.000 Euro verdoppeln kann, ist sehr glücklich. Eine erneute Verdoppelung mache auch glücklich, doch schon deutlich weniger als beim Sprung zuvor. Und wer 120.000 Euro verdient, ist dann nicht mehr messbar glücklicher.

Die Forscher haben für dieses Phänomen folgende Erklärung: Ab einer gewissen Einkommensschwelle bleibt häufig das Privatleben auf der Strecke. Geld mag zwar im Überfluss vorhanden sein, aber Zeit zum Leben und Genießen bleibt kaum noch. Die Glückshormone werden seltener ausgeschüttet.

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Dieses Phänomen wurde in einer weiteren schwedisch-amerikanischen Studie auch bei Lottogewinnern nachgewiesen: Das anfängliche Glücksgefühl über den Gewinn nutzt sich schnell ab, nach ein bis zwei Jahren bleibt davon nichts mehr übrig.

Die Moral von der Geschichte: Das Streben nach Geld macht nicht wirklich glücklich. Vielmehr erfreuen uns die Bindung zu anderen Menschen, Selbstbestimmung und Freiheit. Und diese Dinge sind bekanntlich nicht mit Geld zu kaufen.

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