Alles zu Nahrungsergänzungsmitteln: Welche sind sinnvoll, welche nutzlos?

Carolin Klar
Freie Autorin für Yahoo Style
Nahrungsergänzungsmittel sind laut Experten nur etwas für bestimmte Personengruppen. (Getty Images / iStock / Antonio Diaz)

Vitamine, Eisen, Magnesium – sollte man seine Ernährung mit Präparaten ergänzen? Die kurze Antwort darauf lautet: Nur in Rücksprache mit dem Arzt.

Es gibt Substanzen, die der Körper braucht, die er jedoch nicht selbst herstellen kann. Zu diesen sogenannten essenziellen Stoffen – es sind 47 an der Zahl – gehören zum Beispiel Vitamine wie Vitamin C und Folsäure, Spurenelemente wie Eisen und Jod, Mineralstoffe wie Magnesium und Kalzium, Aminosäuren wie Lysin sowie die Fettsäuren Omega-3 und Omega-6. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Vitamine, Nährstoffe und Mineralien, die er benötigt.

Immer erst den Arzt konsultieren

Zugegeben: Es ist nicht leicht, sich ausgewogen zu ernähren. Eine Blutuntersuchung beim Arzt zeigt, ob ein Mangel vorliegt, der behoben werden sollte. Es ist dringend davon abzuraten, Präparate einzunehmen, ohne ein Blutbild gemacht zu haben. Denn Nahrungsergänzungsmittel, die ohne Indikation genommen werden, können der Gesundheit schaden. Ein Eisenüberschuss beispielsweise kann sich in den Organen ablagern und Schäden in Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangdrüse oder den Gelenken zur Folge haben. Vitamin E wird mit Lungenkrebs in Verbindung gebracht. Zu viel Kalzium im Blut erhöht das Herzinfarktrisiko. Und über längere Zeit hochdosiertes Vitamin B6 oder B12 erhöht das Lungenkrebsrisiko bei Männern.

Egal ob vorbeugend oder bei Beschwerden: Die Blutwerte müssen vor und während der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kontrolliert werden. Der Arzt kann zudem Empfehlungen für Supplemente geben und berücksichtigt mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Eine Ernährungsumstellung zur Verbesserung der Blutwerte sollte das Ziel oder zumindest Teil der Maßnahmen sein.

Welche Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein?

Eisen: Erschöpfung, Antriebslosigkeit sowie Appetitmangel bei älteren Menschen können auf einen Eisenmangel hindeuten. Hauptrisikogruppe für eine Eisenunterversorgung sind Frauen wegen des Blutverlusts während der Menstruation. Vegetarier sind ebenfalls oft von Eisenmangel betroffen, denn das Eisen aus pflanzlichen Rohstoffen wird vom Darm schlechter aufgenommen.

Folsäure: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erreichen Deutsche die empfohlene Tageszufuhr an Folat nicht. Die DGE empfiehlt daher eine Zufuhr, und es gibt extra Speisesalz, das mit Folsäure angereichert ist. Für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch ist Folsäure besonders wichtig, um Fehlbildungen beim Kind zu verhindern. Sie haben einen erhöhten Bedarf.

Bei der Zufuhr ist aber trotzdem Vorsicht geboten: Das wasserlösliche B-Vitamin kann bei einer Überdosierung zu Nebenwirkungen wie Depressionen, Übelkeit und Störungen des Magen-Darm-Traktes führen und in hohen Mengen eingenommen die Entwicklung von Krebsvorstufen des Darms in bösartige Tumore beschleunigen.

Vitamin D: Viele haben zu wenig von dem „Sonnenvitamin“, das der Körper mit Hilfe von UV-Licht bildet – vor allem im Winter. Laut Robert-Koch-Institut sind es 60 Prozent der Deutschen. Ein Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko für Arthrose und Osteoporose.

Jod: Das Spurenelement unterstützt unter anderem die Schilddrüsenfunktion und die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Es gibt mit Jod angereichertes Speisesalz und auch in Wurst und Käse steckt jodhaltiges Salz – ein Jodmangel in Deutschland ist dadurch selten. In der Schwangerschaft jedoch ist der Jodbedarf erhöht.

Omega-3: Veganer können leicht einen Omega-3-Mangel bekommen, da sie auf tierische Produkte verzichten – und gerade in diesen steckt der Nährstoff. Zudem können beispielsweise bei Herz-Kreislauf-Krankheiten und dem Risiko einer Gefäßverkalkung Omega-3-Fettsäuren vorsorglich eingenommen werden.

Selen: Das Spurenelement ist gut für die Haargesundheit und fördert die Wundheilung. Die Selensupplementierung wird oft älteren Menschen empfohlen.

Vitamin B12: Starke Kopfschmerzen und Schwindel können auf einen Vitamin-B-12-Mangel hindeuten. Veganern fällt es durch ihre rein pflanzliche Ernährung meist schwer, allein durch Lebensmittel den Vitamin-B12 Bedarf zu decken. Und auch wer regelmäßig blutverdünnende Medikamente, das Antidiabetikum Metformin oder Magensäurehemmer nimmt, sollte seine Werte im Blick haben.

Auch freiverkäufliche Präparate sollte man nur in Rücksprache mit dem Arzt nehmen. (Getty Images / Yulia Reznikov)

Wann Nahrungsergänzungsmittel nutzlos und sogar schädlich sind

Für jemanden, der keinen nachgewiesenen Mangel hat, ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überflüssig. Eine langfristige Einnahme ohne Rücksprache mit dem Arzt ist sogar risikoreich, warnen Experten.

Einzeln eingenommen sind viele der Pillen und Pulver wirkungslos, bringen also nichts zur Vorbeugung oder Gesundherhaltung – immerhin muss man sagen. Nahrungsergänzungsmittel können nämlich auch schaden. Oft überschreiten die Hersteller die empfohlenen Höchstdosen. Präparate mit unterschiedlichen Vitaminen und Nährstoffen können außerdem zu unerwünschten Interaktionen untereinander führen. Als kritisch haben sich beispielsweise Vitamin-D-Kalzium-Kombipräparate erwiesen – in Kombination eingenommen können Vitamin D und Kalzium das Schlaganfallrisiko erhöhen. Das ergaben mindestens zwanzig Studien.

Manche Nähr- oder Mineralstoffe hätten eine vorbeugende Wirkung, wirken aber nicht aufgrund der Darreichungsform der Supplemente. Dies wurde beispielsweise für die Vitamine A und K, Magnesium und Zink festgestellt. Sie bringen einer Studie zufolge nichts, wenn sie als Pillen und Kapseln genommen werden.

Wie gut die Präparate aufgenommen werden, hängt neben ihrer Darreichungsform auch von ihrer Hochwertigkeit ab – und von der Einnahme. Zum Beispiel wird Eisen mit Vitamin C besser verwertet. Deshalb sollte man ein Glas Orangensaft dazu trinken. Vitamin D hingegen ist fettlöslich. Wer Supplemente nimmt, sollte auf jeden Fall genauer nachfragen und wissen, wie die Aufnahme optimiert werden kann.

Fazit

Nahrungsergänzungsmittel sind nur für bestimmte Personengruppen geeignet. Je nach Ernährungsgewohnheit, Lebensstil, Lebensphase und Gesundheitszustand können sie eine sinnvolle Ergänzung sein. In der Schwangerschaft und bei chronischen Krankheiten zum Beispiel, oder im Alter. Ältere Menschen bewegen sich meist weniger und die Umwandlungsprozesse im Körper sind bei ihnen langsamer. Bei altersbedingter Makuladegeneration und zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen können Supplemente nützlich sein. Sportler wiederum verlieren beim Schwitzen Mineralstoffe und beanspruchen ihre Muskulatur stärker – daraus ergibt sich oft ein höherer Bedarf an Mineralstoffen wie Magnesium. Hoher Alkoholkonsum und Rauchen erhöhen dagegen den Vitaminbedarf.

Experten betonen auch: Nahrungsergänzungsmittel können eine schlechte Ernährung nicht komplett ausgleichen. Bei einer Unterversorgung mit gewissen Nährstoffen ist es wichtig, die Essgewohnheiten umzustellen. Man sollte sich also als erstes Fragen und erkundigen: In welchen Lebensmitteln stecken die Vitamine, Nährstoffe und Mineralien, die mein Körper braucht oder nachweislich vermisst?