Nestlé braucht neue Wasserquellen – und will in die Lagunen Floridas

Antonia Wallner
Freie Autorin

Nestlés Geschäftspraktiken stehen immer wieder scharf in der Kritik. Besonders im Umgang mit Wasser und Quellen erzürnt der Schweizer Konzern regelmäßig Umweltschützer und lokale Gemeinden. Jetzt will Nestlé die Lagunen in Florida schröpfen.

Insgesamt 48 Wassermarken vertreibt Nestlé weltweit. darunter etwa Pure Life, Vittel und San Pellegrino. (Bild: Getty Images)

Wasser ist für Nestlé ein lukratives Business. Insgesamt 48 Wassermarken vertreiben die Schweizer weltweit, darunter bekannte Namen wie San Pellegrino, Volvic oder Pure Life. Kein Wunder also, dass der Konzern ständig auf der Suche nach neuen Quellen ist, um seinen Bedarf an Wasser zu decken.

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Fündig wurde der Schweizer Konzern jetzt in Florida. Laut dem britischen “Guardian“ will Nestlé die Pumprechte für den Park Ginnie Springs erwerben, der in der Nähe des Santa Fe River im Lagunengebiet Floridas liegt.

Über vier Millionen Liter pro Tag aus Ginnie Springs

Aus den Quellen des Parks will das Unternehmen mehr als vier Millionen Liter täglich abpumpen und anschließend in Flaschen abgefüllt verkaufen. Der “Guardian“ berichtet, dass Nestlé bereits eine Abfüllanlage gekauft und aufgerüstet habe – obwohl über den Antrag der Pumprechte noch gar nicht entschieden ist. Der Konzern ist wohl ziemlich siegessicher.

Die Lagune im Park Ginnie Springs ist ein sensibles Ökosystem. (Bild: Getty Images)

Umweltschützer protestieren gegen die Pläne

Dabei sind Umweltschützer entschieden dagegen. Sie befürchten, dass die Pläne dem sensiblen Ökosystem des Flusses wie auch der Quellen schaden könnten. Die würden eine tägliche Entnahme von über vier Millionen Litern nicht verkraften, befürchten sie. Vor Nestlé hatte nämlich bereits die lokale Wassermarke “Seven Springs“ in Ginnie Springs abgepumpt, und zwar “nur“ eine Million Liter Wasser pro Tag. Davon müsse sich das Gebiet immer noch erholen.

In der Vergangenheit hatte Nestlé vor allem in Frankreich für massiven Protest gesorgt, weil durch die Pumpaktivitäten des Unternehmens der Grundwasserspiegel sank.

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Für die Umweltschützerin Merrillee Malwitz-Jipson von der Santa Fe River Incorporation ist schon ein Liter Wasser, der abgepumpt wird, zu viel: "Jedes bisschen gesundes Süßwasser, das aus unserem Grundwasser fließt, ist notwendig, um unsere Ökosysteme intakt zu halten, damit es eine Fülle von Fischen, Reptilien, Mikroorganismen und Wasservögeln gibt", meinte sie der Zeitung "Newsweek". "Es ist nicht möglich, Millionen Liter Wasser zu entnehmen und keine Auswirkungen zu haben."

Nestlé versteht die Aufregung nicht

Für Nestlé ist das Ganze ein Missverständnis. Das Unternehmen betont, dass sie bei ihren Geschäften auf Nachhaltigkeit Wert legen und daher keineswegs Interesse daran hätten, Ginnie Springs zu schaden. Was das Wasser angeht, wolle der Konzern nicht die öffentlichen Bestände abpumpen, sondern von einer privaten Firma die Rechte kaufen. Dabei werde sich Nestlé "immer streng an die in der Erlaubnis gesetzten Grenzen" halten, sagte ein Sprecher dem "Guardian". Über den Antrag wird voraussichtlich im November entschieden.

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