Netto erntet Shitstorm für "Nackte Tatsache“-Kampagne

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Als “eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit“ hat auch Netto die Flut an Plastik mittlerweile erkannt, zu der Supermärkte und Discounter mit ihren zahlreichen Verpackungen beitragen. Um das zu vermeiden, bietet Netto Obst und Gemüse unverpackt an und hat darum die Kampagne “Nackte Tatsache“ gestartet. Mit der Art und Weise, wie diese umgesetzt wird, hat sich der Discounter aber keinen Gefallen getan.

Mit einer neuen Kampagne ist Netto vielen Nutzern zu weit gegangen (Bild: Getty Images)

Die Assoziation von unverpackt zu nackt ist ziemlich naheliegend. Überraschend aber ist, dass die Werbefachleute von Netto dieses Konzept auf den kleinstmöglichen Nenner brachten und sich für eine Werbung entschieden, bei der man sich in Sachen Sexismus um Jahrzehnte in die Vergangenheit katapultiert fühlt:

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Dass auch ein nackter Mann dabei ist, macht die Aktion nicht sinnvoller

“Bis zu 100 unverpackte Artikel – der Umwelt zuliebe“ verspricht zum Beispiel ein Plakat, auf dem sich eine nackte Frau je eine Paprika vor die Brüste hält. Der Blick des Models legt zumindest nahe, dass wenigstens ihm die Unsinnigkeit der Aktion durchaus bewusst war. Ein anderes Modell bemüht Äpfel als Brustbedeckung. Dass Netto auch ein männliches Modell engagiert hat, das seinen Penis mit einem Kopfsalat bedeckt, macht die Sache auch nicht besser. Sexismus funktioniert schließlich in beide Richtungen.

Viele Social-Media-User waren einigermaßen fassungslos über die Werbekampagne und äußerten ihren Unmut in zahlreichen Tweets wie diesen:

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Gute Idee, schlechte Umsetzung

Auf der hauseigenen Homepage schreibt Netto, mit der Aktion nicht nur Plastikmüll zu bekämpfen, sondern auch noch ein anderes Ziel zu verfolgen: “Mit unverpacktem Obst und Gemüse setzt sich Netto auch gegen Lebensmittelverschwendung ein und möchte so seine Kunden dazu anregen, gezielt die benötigte Menge an Obst und Gemüse zu kaufen.” Im Sortiment fänden Kunden mehr als 100 unverpackte Obst und Gemüse, die man in ein wiederverwendbares Mehrwegnetz packen könne. Eine an sich gute Idee, die vor Netto auch schon andere Lebensmittelmärkte wie zum Beispiel Edeka hatten, und die man weit besser hätte verkaufen können.

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