Neue IG-Metall-Chefin: Schleichende Deindustrialisierung stoppen

FRANKFURT (dpa-AFX) -Die neue IG-Metall-Chefin Christiane Benner hat ihre Amtszeit mit Angriffen auf die Bundesregierung eröffnet. Auf dem Gewerkschaftstag in Frankfurt verlangte sie mehr Unterstützung der Mobilitätswende sowie das Ende der Schuldenbremse, die wichtige Zukunftsinvestitionen verhindere. "Wir brauchen keine Bremser, wir brauchen Ermöglicher in den Ministerien, denn unsere Arbeitsplätze hängen daran", sagte die Chefin der größten Einzelgewerkschaft am Dienstag.

Wichtigstes Ziel der IG Metall sei es, die schleichende Deindustrialisierung Deutschlands zu stoppen, rief Benner den Delegierten zu. "Rechnerisch geht der Wandel gut aus. Es gäbe genug Arbeitsplätze in der grünen Industrie", betonte sie mit Blick auf den klimagerechten Umbau der Industrie und die Umbrüche durch Digitalisierung. Wer Arbeitsplätze einfach ins Ausland verlagere, mache es sich zu einfach und treibe Menschen in die Perspektivlosigkeit.

Die IG-Metall-Chefin verlangte eine entschlossene Industriepolitik mit stärkeren öffentlichen Investitionen und mehr strategischer Mitbestimmung für die Beschäftigten. Bei der Elektromobilität müsse die staatliche Förderung unter anderem an große Wertschöpfungsanteile in Europa gebunden werden, wie dies auch in den USA und erst recht in China geschehe.

Benner rief die Mitglieder ihrer Organisation auf, sich weiter für die Beschäftigten einzusetzen und neue Betriebe gewerkschaftlich zu erschließen. Dies verband Benner mit einer Kampfansage an Tesla US88160R1014-Chef Elon Musk, in dessen Autofabrik in Grünheide sich kürzlich mehr als tausend Beschäftigte zur IG Metall bekannt hätten. "Wir lassen keine gewerkschaftsfreien Zonen zu. Nicht einmal auf dem Mars, Elon Musk!"

Benner war am Montag mit 96,4 Prozent als erste Frau in der Gewerkschaftsgeschichte zur Vorsitzenden der IG Metall gewählt worden. Mehrfach betonte sie in ihrer Rede den Teamgedanken und holte am Schluss unter tosendem Applaus die übrigen vier Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands auf die Bühne. Am Nachmittag wurde Bundeskanzler Olaf Scholz in der Frankfurter Messehalle erwartet.