Neue Studie besagt: Vitaminpräparate sind Geldverschwendung

Verschwendest du dein Geld für Vitamin- und Mineralstoffpräparate? (Foto: Getty Images)

Viele Leute haben einen Vorrat an Vitamin- und Mineralstoffpräparaten im Badezimmerschrank stehen. Laut dem Branchenverband für verantwortungsvolle Ernährung nehmen fast 70 % der Menschen Nahrungsergänzungsmittel ein. Nahrungsergänzungsmittel sind im Zuge des Gesundheits- und „Wellness“-Trends immer beliebter geworden und sind heute eine $ 32 Mrd. (28,5 Mrd. €) schwere Branche.

Aber helfen sie tatsächlich? Mehrere Studien ergaben, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und einem längeren Leben gibt. Und jetzt belegt eine große neue Studie, die in der Fachzeitschrift Annals of International Medicine veröffentlicht wurde, dass die Mehrzahl der Präparate weder das Leben verlängert, noch das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme verringert.

Um herauszufinden, ob die Ernährung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln gesünder ist, analysierten die Forscher 277 randomisierte klinische Studien, die 16 Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel untersucht hatten. Außerdem berücksichtigten sie acht Ernährungsweisen, die mit einer verringerten Sterblichkeit und verminderten Herzproblemen – von koronaren Herzerkrankungen bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkten – in Verbindung gebracht werden. Insgesamt umfassten die Studien Daten von fast einer Million Menschen weltweit.

Science Daily schrieb: „Es gab keinen Zusammenhang zwischen der Mehrheit der Nahrungsergänzungsmittel – darunter Multivitaminpräparate, Selen, Vitamin A, Vitamin B5, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin D allein, Calcium allein und Eisen – und einem erhöhten oder verringerten Todesrisiko oder der Herzgesundheit.“

„Zum Zweck der primären Prävention hat die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln keinen Einfluss auf die Gesamtmortalität oder den Tod aufgrund einer Herzerkrankung“, erklärt Prashan Vaishnava, Kardiologe am The Mount Sinai Krankenhaus, Yahoo Lifestyle. Er war an der Studie nicht beteiligt.

Auch wenn der Effekt als “niedrig” eingestuft wurde, so fand die Studie doch heraus, dass die Einnahme von Omega-3-fettsäurehaltigen Nahrungsergänzungsmitteln das Herzinfarktrisiko um 8 Prozent und das Risiko für eine koronare Herzerkrankung um 7 Prozent senkte. Die Studie zeigte auch, dass die Einnahme von Folsäurepräparaten das Risiko eines Schlaganfalls um 20 Prozent verringerte.

Es gibt ein paar bedeutende Ausnahmen – besonders für schwangere Frauen, die zusätzlich Folsäure und Eisen einnehmen müssen und für Personen, die erwiesenermaßen unter Vitamin- oder Mineralstoffmangel leiden. „Wenn ein Mikronährstoffmangel bekannt ist, dann ist es angebracht, Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen“, sagt Vaishnava. Mit anderen Worten: Höre jetzt nicht wegen dieser Studie auf, deine Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen, wenn sie von einem Arzt oder Ernährungsberater verschrieben wurden.

Meagan Moyer, Direktorin für klinische Ernährung am Stanford Gesundheitszentrum, erklärt Yahoo Lifestyle: „Wenn jemand mit einem ausführlichen Laborbericht zu mir kommen würde, der einen Eisenmangel nachweist, dann würde ich sagen ‚Nimm ein Eiseenpräparat‘. Aber ich würde demjenigen auch nahelegen, mehr Lebensmittel mit diesem bestimmten Vitamin oder Mineralstoff zu essen. Unsere Körper verarbeiten Vitamine und Mineralstoffe, die wir über die Nahrung aufnehmen, immer sehr viel besser als Nahrungsergänzungsmittel.“

Moyer fügt hinzu, dass die Lebensmittelbehörde nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel und dessen Wirkung überprüft. Deshalb sollte man eine hochwertige Marke wählen, die tatsächlich die auf dem Etikett angegebenen Inhaltsstoffe und Dosierung enthält. Sie empfiehlt, auf das Gütesiegel auf dem Label des Präparates zu achten. „Es gibt eine Drittorganisation, die die Qualität des Produktes untersucht und es analysiert“, sagt sie.

Und nur, weil Vitamin- und Mineralstoffpräparate nicht verschreibungspflichtig sind, heißt das noch lange nicht, dass sie sicher sind. Vaishnava betont: „Es ist wichtig, zu verstehen, dass Nahrungsergänzungsmittel gefährlich sein können, da es zu Wechselwirkungen mit Medikamenten kommen kann – zumindest bei Herzmedikamenten. Viele Patienten nehmen Blutverdünnungsmittel und diese sind für ihre Wechselwirkung mit anderen Medikamenten bekannt. Deshalb sind wir sehr vorsichtig damit, was Patienten einnehmen.“

Wie kann man also länger und gesünder leben? Gesunde Ernährung ist das Stichwort. Wie Moyer betont: „Man kann eine ungesunde Ernährung nicht mit Nahrungsergänzungsmittel ausbessern. Das ist diese ‚Tablette und alles wird gut‘-Mentalität, die wir in Bezug auf Gesundheit und Medizin haben.“

Die Meta-Analyse untersuchte auch Ernährungsweisen, die die Gesundheit verbessern können. Sie ergab, dass vor allem weniger Salz das Sterberisiko senkte. „Aber das ist bereits bekannt“, betont Vaishnava. „Das reduziert das Risiko der Gesamtmortalität und die kardiovaskuläre Mortalität bei Bluthochdruckpatienten.“

Fazit: Wer sich gesund und ausgewogen ernährt und keinen Nährstoffmangel hat, braucht keine Vitamin- und Mineralstoffpräparate einzunehmen.

Rachel Grumman Bender