Nicht alles nur Schall und Rauch: Fünf Argumente, Hanf als Nutzpflanze zu etablieren

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Seine Befürworter preisen Hanf längst nicht mehr nur für den psychoaktiven Wirkstoff von Marihuana. Auch im Baugewerbe, in der Mode und der Lebensmittelbranche wird die Nutz- und Zierpflanze gewinnbringend und innovativ eingesetzt – und das auch noch ganz legal. Fünf Argumente von Hanf-Fans für den verstärkten Einsatz einer der ältesten Gewächse der Erde.

Hanf ist eine Pflanze, die sich auf vielfache Art und Weise einsetzen lässt – und auch beim Umweltschutz hilft. (Bild: Getty Images)

1. Hanf hilft mit beim Umweltschutz

Hanf bindet auf Grund seines schnellen Wachstums viermal so viel klimaschädliches CO2 wie Bäume und benötigt weder künstliches Pflanzenschutzmittel noch besonderen Dünger. Gleichzeitig zieht die robuste Pflanze Giftstoffe und sogar radioaktive Chemikalien aus dem Boden und trägt so dazu bei, beispielsweise durch Pestizide verseuchte Anbauflächen zu entgiften. Auch gegen die Abholzung könnte Hanf seinen Teil beitragen: Aus einem Hektar Hanf kann so viel Papier hergestellt werden wie aus vier Hektar Wald.

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2. Wunderbaustoff Hanf

Der harte, holzige Hanfstamm enthält ein vielseitiges Inneres: Hanffasern sind leicht, reißfest und wasserabweisend, noch dazu schwer entflammbar. Deswegen wurden sie jahrhundertelang als Seile und Segel für Schiffe verwendet. Auch im Hausbau können die schimmel- und schädlingsfreien Hanfstoffe von Fasern bis Blätter, von Samen bis Schäben verwertet werden: Baustoffe wie Hanfbeton sowie die Verwendung als Dämmung oder Leichtbauplatten sind beliebt, zudem speichert Hanf in Verbindung mit Kalk Wärme. Ein biologischer Baustoff mit extralanger Lebensdauer: Hanf wird eine Haltbarkeit von rund 500 Jahren nachgesagt.

3. Hanf ist das wahre Superfood

Flachs und Chia gelten als Superfood, dabei enthalten Hanfsamen weitaus mehr Nährstoffe. Vitamin A, B, D und E, dazu Mineralien, Proteine und Fettsäuren: Eine Handvoll Samen im Müsli schmeckt gut und tut Gutes für den Körper. Außerdem soll Hanf antibakteriell und entzündungshemmend wirken. Und wer auf der Suche nach Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren ist, wird beim Hanföl fündig – es wird dank dessen hohen Gehalts als eines der gesündesten Pflanzenöle überhaupt gehandelt.

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4. Hanf – eine Alternative zu Kunststoff und Stahl

Henry Ford wird nachgesagt, Anfang der 1940er ein extraleichtes Auto aus unter anderem Sojabohnen und Hanf gebaut zu haben, das Aufprallen sogar besser standhielt als Stahl. Auch für Kunststoffe auf Erdölbasis könnte Hanf mit seinem hohen Gehalt an Cellulose eine Gefahr werden. Hanf als nachhaltigere Wahl wäre biologisch abbaubar, nicht schädlich und außerdem lange haltbar. Schade, dass weder Hanf als Stahl- noch als Kunststoffersatz bislang in Serie ging.

5. Hanf ist absolut tragbar

Vorbei sind die Zeiten der kratzigen Hanfgeldbeutel mit dem ungelenk eingestickten grünen Hanfblatt: Längst sind Hanftextilien so stylish und tragbar wie Baumwollkleidung. Letzteren gegenüber hat Hanf sogar einige ganz schön smarte Vorteile: Es absorbiert UV-Strahlen weit besser, wirkt temperaturausgleichend und enthält keine Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln. Und das Beste daran: Ein Kilo Hanf benötigt vom Anbau bis zur Ernte im Vergleich mit Baumwolle nur ein Viertel der Wassermenge.

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