Nicht einmal Glückskekse bleiben von Werbung verschont

Die Tage, in denen sich Glückskekse den Fängen des Kapitalismus tapfer erwehren konnten, sind endgültig gezählt: Die kleinen Kekse bieten jetzt nicht mehr nur willkürliche Weisheiten, sondern auch Werbung.

Glückskekse versorgen uns mit kleinen, nutzlosen Weisheiten - und künftig auch mit Werbung (Bild: Getty Images)

Schon mal einen Glückskeks geöffnet und die viele ungenutzte Werbefläche lamentiert? Nein? Dann fehlt es dir offensichtlich an Geschäftstüchtigkeit. Denn ein New Yorker Unternehmer hatte exakt diese Idee und hat sie prompt in die Tat umgesetzt. In vielen New Yorker China-Restaurants finden entgeisterte Gäste deshalb nun winzige Werbeanzeigen auf der Rückseite ihres glückbringenden Spruchs.


“Ich habe einen Traum”

Ausgedacht haben sich die Anzeigen die New Yorker Unternehmer Matt Williams und Shawn Porat. “Uns ist aufgefallen, dass die Rückseite der Papierschnipsel leer ist und dachten uns: ‘Das ist eine großartige Gelegenheit’”, sagte Williams der “New York Post”. Kurzerhand gründeten sie OpenFortune und akquirieren seitdem fleißig Firmen, die ihre Werbung über das Medium Keks verbreiten wollen.

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Die Restaurants erhalten die Glückskekse günstiger oder umsonst, weswegen OpenFortune nach eigenen Angaben bereits mit 45 Prozent aller chinesischen Restaurants in den USA zusammenarbeitet. Und dabei soll es laut Williams nicht bleiben: “Das ist unser Traum: Dass niemand mehr einen Keks ohne Werbeanzeige bekommt.”

Neu ist die Idee nicht

Verständlicherweise sind die Menschen nicht gerade begeistert über die kapitalistisch verseuchten Glückskekse. “Nichts ist mehr einfach nur schön und unschuldig”, motzt eine Twitter-Userin, die eine Anzeige für Kaugummi auf der Rückseite ihres Spruchs fand. “Wir können nicht mal mehr ein Glückskeks ohne Werbung haben. Was für eine Welt”, monierte ein anderer.

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Doch ganz neu ist die Praxis, die kleinen Süßigkeiten für Werbezwecke zu nutzen, tatsächlich nicht. Schon Robert F. Kennedy sah in den kleinen Spruchbändern genau die richtige Größe für politische Slogans und nutzte sie für seine Kampagne für die Präsidentschaftswahl im Jahr 1968. Und auch Firmen wie der kurzlebige eBay-Tochter half.com haben in den vergangenen Jahren immer wieder Werbung via Glückskeks geschaltet.

Wie sollen wir zukünftig ohne solche Botschaften über die Runden kommen? (Bild: ddp images)

Sollte sich das Phänomen Glückskeks-Reklame - ganz so wie Williams es sich erträumt - tatsächlich verbreiten, dürften die kleinen Sprüche zukünftig wohl eher ungelesen im Müll statt am Kühlschrank oder im Geldbeutel landen.

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