So wirkt sich ein No-Deal-Brexit auf die britische Modebranche aus

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Schon im Januar hatte das British Fashion Council vor den wirtschaftlichen Konsequenzen eines No-Deal-Brexits für die lokale Modebranche gewarnt. Kurz vor der London Fashion Week legte die Organisation nun noch mal nach und präsentierte erschreckende Zahlen.

Die britische Modeindustrie muss sich warm anziehen, sollte ein No-Deal-Brexit beschlossen werden (Bild: Getty Images)

London gilt als eine der Mode-Metropolen der Welt - doch wird es das auch nach dem No-Deal-Brexit, der im Moment als wahrscheinlich gilt, noch sein? Mit welchen Stolpersteinen die britische Fashion-Branche zukünftig zu kämpfen haben könnte, wurde nun wieder in Erinnerung gerufen.

Zwischen 850 und 900 Millionen britischen Pfund (umgerechnet etwa 932 bis 986 Millionen Euro) könnte ein Brexit ohne Einigung die britische Modeindustrie kosten – pro Jahr! Diese drastischen Zahlen präsentierte das British Fashion Council (BFC), eine renommierte gemeinnützige Organisation, die seit Jahrzehnten britische Modedesigner fördert und unter anderem die London Fashion Week ins Leben rief.

Zwei Wochen vor Beginn der legendären Modewoche werden die Warnungen des BFC damit eindringlicher. Die Schätzung des finanziellen Schadens basiert, so ein Bericht des “Independent“ auf seiner Website, auf Exportzahlen von 2018, denen zufolge bei Einhaltung der Regeln der WTO die jährlichen Zollkosten für Einzelhändler und Modedesigner explodieren würden.

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Die Bedeutung der Modeindustrie für die britische Wirtschaft ist enorm: Laut BFC beschäftigt die Branche fast so viele Menschen wie der Finanzsektor und hat einen Wert von 32 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 35 Milliarden Euro. "Wir fordern die Regierung nachdrücklich auf, mit der EU ein Abkommen zu schließen, das ein gesundes und stetiges Wachstum der Modebranche garantiert", zitiert Independent.co.uk die Erklärung des BFC. Unter anderem werden im Schreiben auch Finanzmittel gefordert, die den britischen Designer helfen sollen, durch Handelsabkommen im Ausland wettbewerbsfähig zu bleiben.

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Das British Fashion Council, das von der renommierten Branchen-Expertin Caroline Rush geleitet wird, hatte einen Brexit ohne Einigung mit der EU bereits im Januar als Szenario beschrieben, “das um jeden Preis vermieden werden sollte“.

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Es hieß weiter: “Eine No-Deal-Situation wird zu keiner Übergangszeit führen, und bei einer Branche, in der es sich überwiegend um kleine und mittelständische Unternehmen handelt, würden wir Schwierigkeiten haben, mit den Handelsrealitäten fertig zu werden, die sich daraus ergeben würden.“

Schon die Unsicherheiten zwischen den Referenden und während der Regierungskrise hätten demnach zu Verdienstausfällen bei Designern und Herstellern geführt, weil von internationaler Seite weniger Bestellungen aufgegeben und Waren an den Grenzen aufgehalten worden seien.

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