Nordsyrien: Rückzug internationaler Helfer verschärft humanitäre Krise

Bewohner von Serêkanîyê flüchten vor den türkischen Angriffen auf die Stadt (Bild: Reuters/Rodi Said)

Die ohnehin katastrophale humanitäre Situation in Nordsyrien droht sich weiter zu verschlechtern, nachdem sich internationale Helfer zurückziehen mussten.

Nachdem die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ein Beistandsabkommen mit der Assad-Regierung gegen die türkische Invasion geschlossen haben, zogen sämtliche in der Region vertretenen internationalen Hilfsorganisationen ihre Mitarbeiter ab. Die meisten Projekte werden seitdem von lokalen Mitarbeitern weitergeführt. Für die ausländischen Helfer, die bisher mit der Genehmigung der kurdischen Selbstverwaltung vor Ort waren, stellen die Regierungstruppen zunächst ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko dar.

“Es ist nicht abzusehen wie sich die Streitkräfte Assads gegenüber ausländischen Angehörigen internationaler Organisationen verhalten werden”, heißt es etwa in einer Mitteilung der deutschen Hilfsorganisation CADUS. Man sei jedoch bereit, die Arbeit in Nordsyrien wieder aufzunehmen, sobald die Situation es zulasse.

Damit bleibt mit dem Kurdischen Roten Halbmond (Heyva Sor A Kurd) derzeit nur eine einzige Organisation, die vor Ort Nothilfe leistet. In einem Statement warnt Heyva Sor vor der angespannten Versorgungslage. Die Unterstützung für die Flüchtlingslager in der Region sei nun extrem eingeschränkt, die Zusammenarbeit der örtlichen Organisationen mit den Vereinten Nationen schlecht koordiniert.

Zudem wirft Heyva Sor den türkischen Truppen den gezielten Beschuss von Krankenwagen und medizinischen Einrichtungen vor. Die Türkei erkenne sie nicht als humanitäre Organisation an. Insbesondere warnt Heyva Sor angesichts herannahender Truppen vor einem möglichen Angriff auf ein Krankenhaus bei Tal Tamr. Die Organisation fordert, die Arbeit internationaler Helfer wieder zu ermöglichen und eine internationale Intervention gegen die türkische Offensive.

Nach Angaben der Selbstverwaltung sind mittlerweile 275.000 Menschen vor dem türkischen Angriffskrieg auf der Flucht. Dazu kommen zahlreiche Geflüchtete aus früheren Phasen des Syrienkonflikts und Zehntausende Vertriebene aus den ehemaligen IS-Hochburgen, die wegen ihrer Nähe zur der Terrormiliz in bewachten Lagern untergebracht waren und nun zunehmend selbst zum Sicherheitsrisiko werden.