Model Nyakim Gatwech: Vom Flüchtling zur ”Queen of Dark“

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Ihre Eltern flüchteten einst aus dem Südsudan, heute ist Nyakim Gatwech ein gefragtes Model. Der Weg dahin war hart, denn außerhalb ihrer Heimat wurde Gatwech wegen ihrer auffallend dunklen Haut oft angefeindet. Mittlerweile hat sie nicht nur gelernt, mit dem alltäglichen Rassismus umzugehen, sondern ist auch ein Vorbild in Sachen Diversität.

Nyakim Gatwechs ist in der Modeszene als „Queen of Dark“ bekannt. (Bild: Getty Images)

Nyakim Gatwechs Haut ist schwarz, tiefschwarz. In der Modelszene ist sie deshalb als ”Queen of Dark“ bekannt, die für die New York Fashion Week ebenso gebucht wird wie für große Marken wie Calvin Klein oder L'Oreal.

Knapp 600.000 Abonnenten hat die 26-Jährige auf Instagram – und die lieben sie gerade dafür, dass sie aus der Masse hervorsticht.

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Ein Vorbild für junge Mädchen

Heute ist das Model stolz auf ihr Aussehen und hat das Selbstbewusstsein, sich für Diversität und gegen Ausgrenzung einzusetzen. Im Interview mit der ”Cosmopolitan“ antwortete sie auf die Frage, welches das schönste Kompliment gewesen sei, das sie jemals bekommen hätte, es sei ein Brief eines jungen Mädchens gewesen. Dieses hätte ihr geschrieben: ”Ich bin stolz darauf, das dunkelste Mädchen im Raum zu sein – deinetwegen habe ich erst angefangen, mich selbst zu lieben.“ Mehr als das wolle sie nicht erreichen, sagte das Model.

In der Schule war sie eine Außenseiterin

Denn wie schwer es sein kann, sich selbst zu akzeptieren und zu lieben, wenn man wie sie aus der Masse hervorsticht, weiß Gatwech genau. Als Kind sudanesischer Flüchtlinge, die schließlich in die USA kamen, erfuhr sie jahrelange Ausgrenzung durch ihre Mitschüler. Die Jugendlichen machten sich über ihre dunkle Haut lustig und mieden sie etwa beim Mittagessen.

Doch dann kam die Wende in ihrem Leben durch einen Zufall: Ein Bekannter, der Design studierte, fragte die damals 17-Jährige, ob sie eine seiner Kreationen auf der Fashion Show der Universität präsentieren könne. So lief sie also das erste Mal über den Laufsteg, genoss das Gefühl und fand heraus, dass die Menschen positiv auf ihre Erscheinung reagierten.

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Rassismus gehört noch immer zu ihrem Alltag

Dabei ist es nicht so, dass Rassismus heute keine Rolle mehr in ihrem Leben spielen würde. So wurde Gatwech einmal von einem Taxifahrer gefragt, ob sie ihre Haut für 10.000 Dollar bleichen lassen würde. Der dann völlig verblüfft war, als sie dies verneinte.

”Negative Reaktionen auf mich berühren mich heute nicht mehr im selben Ausmaß, wie früher“, sagte sie diesbezüglich in einem Interview.” Über manche könne sie sogar lachen. Es gebe sogar Menschen, die ihr sagten, sie hätte nur deswegen so viele Follower, weil die Leute Mitleid mit ihr hätten. Dabei gäbe es Millionen Menschen, die sie für wunderschön hielten und ihr positives Feedback gäben. Ein gutes Gefühl, das aber nicht so wichtig ist, wie ihre geänderte Einstellung sich selbst gegenüber.

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