Zu oft Opfer oder selbst schuld: Maria Furtwängler will das Bild von Frauen im Film ändern

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Schauspielerin Maria Furtwängler, die als Kommissarin Charlotte Lindholm viele Fans hat, wirkte beim neuen 'Tatort' erstmals auch als Produzentin und sprach im Interview über wichtige Verbesserungsideen.

Maria Furtwängler (55) war am Sonntag (26. Dezember) im neuen Tatort 'Alles kommt zurück' nicht nur in der Hauptrolle der Kommissarin Charlotte Lindholm zu sehen, sondern wirkte auch als Produzentin mit. Die weibliche Perspektive wird in Filmen allzu oft vernachlässigt, betonte sie im Interview.

Maria Furtwängler kennt die Angst

"Es gehört zu den Erfahrungen jeder Frau, nachts Ängste zu haben. Ich habe in meiner Jugend auch unangenehme Sachen erlebt. Diese Ängste sind sehr real", betonte Maria Furtwängler im Gespräch mit 't-online'. "Dann heißt es, Frauen seien selbst schuld, wenn sie nachts allein unterwegs sind, da müsse man ja mit dem Schlimmsten rechnen. In Filmen wird oft suggeriert, dass Frauen Übergriffe provozieren aufgrund ihrer Leichtsinnigkeit. Die Selbstverständlichkeit, mit der so was hingenommen wird, ist erstaunlich."

Allzu oft würden Geschichten in Film und Fernsehen aus der männlichen Sicht erzählt. Dabei sollten Männer auch die weibliche Perspektive kennenlernen – das sagt Maria Furtwängler vor allem jenen Männern, die seit der #MeToo-Bewegung Angst vor falschen Beschuldigungen haben: "In meinen Augen ist es vollkommen in Ordnung", bekräftigte sie. "Für uns ist die Erfahrung, sich nachts draußen oder im verlassenen Parkhaus zu fürchten, selbstverständlich. Darüber macht sich aber kaum jemand Gedanken. Deshalb möchte ich diesen Männern im Grunde nur zurufen: Willkommen in unserer Realität."

Frauen als Opfer und Rache-Motiv

Als problematisch beschreibt sie, dass Gewalt gegen Frauen allzu häufig gezeigt wird: "Dabei ist diese Darstellung oft gar nicht notwendig für die Geschichte, sondern wird für ein bisschen Spannungsaufbau missbraucht. Zudem wird Gewalt gegen Frauen häufig zu Beginn eines Films gezeigt, um den traurigen Mann zu rechtfertigen, der auf die Vendetta geht, um sich zu rächen. Anfangs wird erzählt, die Frau ist entführt, ermordet oder vergewaltigt worden – und jetzt erzählen wir die Heldengeschichte von ihm", erklärte Maria Furtwängler. Die Rolle der Frau würde auf das Opfersein reduziert, und das sollte sich ändern.

Eine ausgewogene Besetzung mit genügend weiblichen Rollen sei ein weiterer Punkt. Zwar könne es auch mal Filme mit überwiegend oder ausschließlich männlichen Hauptrollen geben, aber diese zu produzieren, wäre für sie nicht interessant. Es gebe viele Wege, um andere Realitäten zu zeigen: "Wichtig ist, nicht unbewusst Klischees zu bedienen. Eine unserer Hauptrollen, die ursprünglich als Mann gedacht war, haben wir dann mit einer Frau besetzt", sagte Maria Furtwängler dem 'Redaktionsnetzwerk Deutschland'.

Bild: Tobias Hase/picture-alliance/Cover Images

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