Online-Pornos: Facebook und Google schauen mit

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Anonym Pornos gucken? Wer wirklich noch dachte, dass dies in Zeiten des Internets möglich sei, wird nun eines Besseren belehrt. Denn so gut wie alle Websites mit pornografischem Inhalt geben die Nutzungsdaten an Dritte weiter. Und davor schützt auch der Inkognito-Modus nicht.

Beim Surfen mancher Websites würden sich die Nutzer gerne alleine wähnen (Symbolbild: Getty Images)

Eine US-Studie der Cornell University in New York hat sich jetzt damit befasst, wie privat Internet-Nutzer wirklich auf Porno-Websites surfen können. Die Antwort: Auch auf jenen Seiten, auf denen sich jeder gerne unbeobachtet fühlen würde, ist man nicht vor sogenanntem Tracking durch Werbeunternehmen sicher.

93 Prozent der 22.484 Porno-Seiten greifen demnach mit Tracking-Tools Nutzungsdaten ab und geben diese an Dritte weiter.

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Vorwiegend werden die Daten mit Tracking-Cookies (Dateien, die beim Besuch der Seite auf den Rechner der Nutzer geladen werden) oder Tracking-Pixeln (winzige Grafiken, anhand derer nachgewiesen werden kann, wer welche Seite besucht hat) abgegriffen. Die bleiben indes auch vom Inkognito-Modus unberührt, der lediglich die Browser-History sauber hält.

Facebook und Google schauen mit

Im Durchschnitt sind es sieben Abnehmer, an die diese Tracking-Daten weitergegeben werden, darunter Erotik-Werbefirmen wie das spanische Unternehmen Exoclick. Zu den häufigsten Trackern gehören der Studie zufolge jedoch auch Konzerne wie Facebook oder Google.

Was die mit den Daten machen, ist nicht bekannt. Gegenüber der “New York Times” verneinten beide Unternehmen, sie für Werbezwecke zu nutzen.

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“Wir erlauben keine Google Ads auf Seiten mit Erwachseneninhalt und verbieten personalisierte Werbung, die auf den sexuellen Vorlieben eines Users oder damit zusammenhängenden Online-Aktivitäten basiert”, teilte eine Sprecherin von Google der Zeitung mit. Dennoch waren Google-Tracker auf 74 Prozent der getesteten Websites zu finden.

Die Autoren der Studie warnen vor einem “grundlegend irreführenden Gefühl der Sicherheit”, das viele Nutzer von pornografischen Websites hätten und kritisierten zugleich das Vorgehen dieser Seiten. “Die Tatsache, dass Seiten mit Erwachseneninhalt ganz ähnliche Tracking-Mechanismen anwenden wie zum Beispiel ein Online-Shop sollte ein Warnsignal sein”, sagte Elena Maris, die an der Studie beteiligt war. Hier gehe es nicht um die Wahl eines schönen Pullovers, sondern um höchst persönliche Informationen.

Nur 17 Prozent der Porno-Websites übertragen die Daten ihrer Nutzer übrigens verschlüsselt – wer ihnen also sonst noch virtuell über die Schulter schaut, ist kaum absehbar.

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