"Paperclipping“: Das hat es mit dem Dating-Trend auf sich

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Vergessen sind Ghosting, Benching und Breadcrumbing: Der neueste Dating-Trend heißt Paperclipping. Was es damit auf sich hat und warum er besonders nervig ist.

Paperclipping ist das neue Dating (Symbolbild: Getty Images)

Erinnert sich noch jemand an Karl Klammer? Genau, das war doch diese nervige, animierte Büroklammer, die vor Urzeiten als virtueller Assistent der Microsoft-Office-Programme immer wieder urplötzlich auf dem Bildschirm aufpoppte, wild winkte und Sprechblasen mit wahllos wirkenden Vorschlägen um sich warf – meistens dann, wenn man am wenigsten damit rechnete.

Karl Klammer, der in der englischsprachigen Version “Clippy“ (von “paperclip“ für Büroklammer) hieß, wurde mit Einführung von Windows XP aus guten Gründen standardmäßig deaktiviert und später komplett entfernt. Doch vergessen ist der hüpfende Clip bis heute nicht. Sonst hätte er es schließlich nicht geschafft, einem aktuellen Dating-Trend zu seinem Namen zu verhelfen.

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“Paperclipping“ beschreibt im modernen Dating-Leben die Unart, nach langer Zeit des Nicht-Meldens, des Desinteresses und Abtauchens plötzlich wieder – per Facebook-Nachricht oder im Whatsapp-Chat – auf der Bildfläche zu erscheinen und sich erneut ins Gedächtnis des einstigen Date-Partners zu rufen, ganz so, als ob nichts gewesen wäre. So ärgerlich – besonders weil der einst Zurückgelassene und jetzt wieder Kontaktierte vor so vielen Fragen steht: Antworte ich jetzt darauf? Warum kommt er/sie ausgerechnet jetzt an? Warum hat er/sie sich überhaupt so viel Zeit gelassen? Gebe ich der Sache noch eine Chance?

Dem Trend den Namen gegeben hat Samantha Rothenberg, die als Illustratorin mit dem Pseudonym VioletClair erfolgreich ist und auf Instagram gängige Dating- und Beziehungsprobleme unter die Lupe nimmt. Ihr Post mit der Unterschrift “Wer erinnert sich noch an Clippy? Naja, er ist wieder da, um sicherzugehen, dass du ihn nicht vergisst!“ zeigt drei Sprechblasen mit den folgenden Aussagen: “Manchmal tauche ich ohne Grund auf. Wie jetzt“, “Ehrlich gesagt bin ich geschädigt, habe Schuppen und bin nicht sonderlich interessiert an dir” und “Aber ich will nicht, dass du vergisst, dass ich existiere!“

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Rothenbergs Post sammelte innerhalb einer Woche über 14.000 Likes und mehr als 300 zustimmende Kommentare. Ganz offensichtlich ist “Paperclipping“ also wirklich ein Thema – wenn auch eines der besonders unangenehmen Sorte. Was also tun, wenn sich mal wieder ein Ex-Date aus dem Untergrund meldet? Eigentlich ist es ganz einfach: gar nichts – es sei denn, man hat nichts dagegen, dem Gegenüber zu einem kostenlosen Ego-Boost zu verhelfen (warum sonst sollte er sich melden?) oder man ist an einem “Booty Call“, einer schnellen Nummer ohne Verpflichtungen interessiert. Sich Gedanken zu machen, warum sich der oder die andere jetzt meldet und wie man darauf nur reagieren sollte, sind ebenso unnötig – denn wenn wirklich Liebe in der Luft wäre, wäre er/sie ja von Vornherein am Ball geblieben.

Samantha Rothenberg hat die einzig richtige Reaktion auf Paperclippers und andere Verflossene im Bild festgehalten. “Ruhe in Frieden – meine Anziehung dir gegenüber“ sagt die Illustration:

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