Peinlicher BVB-Rückfall - wie konnte das passieren?

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.

Die völlig unerwartete Niederlage gegen den bislang sieglosen 1. FC Köln machte BVB-Trainer Lucien Favre sprachlos.

"Ich bin natürlich tief enttäuscht. Du verlierst zuhause gegen Köln, aber ja ...", sagte Favre bei Sky und ließ den Halbsatz mit einem Schulterzucken unvollendet stehen.

Seine Mannschaft rutschte durch die peinliche 1:2 (0:1)-Niederlage gegen die Kölner auf Platz drei in der Tabelle ab und verfiel dabei phasenweise in überwunden geglaubte alte Muster. Trotz drückender Überlegenheit genügte den Gästen eine zwei Mal nahezu exakt gleich aufgeführte Eckenvariante, um nicht unverdient drei Punkte zu entführen. (Spielplan der Bundesliga)

Der CHECK24 Doppelpass mit Benedikt Höwedes und Steffen Freund am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

Kölner Ecken decken Defensivprobleme des BVB auf

"Das war eine einstudierte Standardsituation, die wir eigentlich im Vorfeld angeschaut haben, aber heute aus irgendeinem Grund nicht verteidigen konnten", haderte Torhüter Roman Bürki in der ARD.

Zunächst verlängerte in der 9. Minute der Ex-Dortmunder Marius Wolf eine Ecke von Ondrej Duda am kurzen Pfosten auf Ellyes Skhiri, der sich im Rücken von Thomas Meunier und Emre Can davongestohlen hatte und aus drei Metern locker einschob. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

In Minute 60 erfolgte die Kopie, nur mit dem Unterschied, dass Skhiri diesmal Mats Hummels und Marco Reus entwischte und kurz vor der Torlinie auch noch die Zeit hatte, den Ball anzunehmen.

"Grundsätzlich gilt natürlich, dass wir Manndeckung spielen, und da muss man bei seinem Mann sein", erklärte Felix Passlack.

BVB-Trainer Favre: Tore "natürlich schwer zu akzeptieren"

Und Favre? "Natürlich müssen wir das analysieren", sagte der Schweizer. Zwei solche Tore seien "natürlich schwer zu akzeptieren".

Die Dortmunder Anfälligkeit bei Standards ist keineswegs neu: Fünf der neun Saisongegentore fielen nach ruhendem Ball.

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Doch auch in der zuletzt so viel gelobten Offensive lief es gegen Köln nicht rund. Wie vor einer Woche beim 5:2 gegen Hertha BSC lag der BVB auch gegen Köln zur Pause 0:1 hinten. Während Tormaschine Erling Haaland in Berlin in den zweiten 45 Minuten den Motor anwarf, kam der Norweger gegen Köln nicht wirklich ins Rollen.

Goalgetter Haaland glücklos

Nur sieben Ballkontakte und nur ein Torschuss war seine überschaubare Bilanz vor der Pause. Zwar steigerte er sich im zweiten Durchgang wie das gesamte Team, aber seine vergebene Riesenchance zum Ausgleich in der Nachspielzeit, als er wenige Meter vor dem leeren Tor den Ball nicht voll traf, stand sinnbildlich für einen missglückten Dortmunder Nachmittag.

"Wir haben ein wenig unsere Geduld verloren, wir haben manchmal überhastet gespielt", klagte Favre und prangerte das fehlende Tempo im Passspiel an. "Wir hatten zu wenig konkrete Torchancen, haben manchmal zu langsam gespielt. Es hat die Bewegung gefehlt."

Die Kölner Mannschaft lief fast neun Kilometer mehr als die Dortmunder und präsentierte sich vor allem in der Schlussphase in den Zweikämpfen giftiger, auch wenn der BVB mit 51 Prozent gewonnener Duelle am Ende knapp die Nase vorne hatte.

Dass unterm Strich bei 65 Prozent Ballbesitz und doppelt so vielen Torschüssen (14:7) nur ein Anschlusstor durch Thorgan Hazard heraussprang, ist für die Dortmunder Ansprüche zu wenig.

Sancho unauffällig - Brandt und Reus auf Formsuche

Der zuletzt überzeugende Jadon Sancho konnte - abgesehen von einem Lattenschuss nach wenigen Minuten - seinen Aufwärtstrend nicht bestätigen und verdribbelte sich allzu häufig. Auch Kapitän Marco Reus und Julian Brandt laufen aktuell ihrer Topform hinterher.

"Er hat super Talent", sagte Favre über Brandt, der in der 67. Minute für den überzeugenden Youssoufa Moukoko Platz machte. "Er sucht seine richtige Position im System. Ich finde, er war nicht schlecht. Es war meine Entscheidung, zu wechseln. Er war nicht top, aber er war nicht schlecht."

Dass man insgesamt den Gegner nach den zuletzt souveränen Auftritten gegen Hertha und in der Champions League gegen den FC Brügge vermeintlich auf die leichte Schulter genommen hat, wollte Favre aber nicht so stehen lassen.

"Wir haben Respekt gehabt", sagte der BVB-Coach. "Sie haben einfach gut gespielt und wir haben nicht so gut gespielt. Einfach so!"

Gegen Lazio Rom in der Champions League am Mittwoch (Champions League: Borussia Dortmund - Lazio Rom, Mittwoch 21 Uhr im LIVETICKER) und bei Eintracht Frankfurt am Samstag, benötigt der BVB jedenfalls wieder bessere Leistungen, um die Ziele in der Königsklasse und in der Bundesliga nicht zu gefährden.