Plastik-Asphalt: Schottisches Unternehmen macht aus Kunststoffabfall Straßenbelag

Johannes Giesler
Freier Autor

Geniale Idee: Ein schottisches Unternehmen recycelt Plastikmüll und macht daraus einen besseren Straßenbelag als Asphalt.

Als Toby McCartney sah, wie indische Straßenarbeiter Schlaglöcher mit Plasikmüll stopften, kam ihm die Idee zu seinem Plastik-Asphalt. Foto: Symbolbild / gettyimages / Peter Dazeley

Auf den ersten Blick zeigt das Foto eine gewöhnliche asphaltierte Straße: Dunkelgrau, noch etwas rau, wie Straßen anfangs eben beschaffen sind, bis sie von zahllosen Autoreifen glattgewalzt werden. Und doch ist diese Straße auf dem Twitter-Foto des schottischen Unternehmens MacRebur besonders: Sie besteht aus Plastik. Vor kurzem wurde die Straße in Südafrika eingeweiht.

Aus Müll Nützliches machen

Inspiriert zu seiner Idee, das weltweite Plastikproblem proaktiv anzugehen, wurde Geschäftsführer und Ingenieur Toby McCartney laut Boredpanda auf zwei Wegen: Erstens durch seine Tochter. Die habe sich immer große Sorgen gemacht über den vielen Plastikmüll in den Meeren. Und zweitens durch einen Aufenthalt in Indien. Da habe er gesehen, wie Straßenarbeiter Schlaglöcher mit Plastikmüll stopften, ihn mit Diesel übergossen und anzündeten.

Zu der Zeit arbeitete McCartney, so steht es auf der Webseite seines Unternehmens, bei einer Wohltätigkeitsorganisation. Deren Ziel war es, Menschen, die in Indien auf Mülldeponien wiederverwertbare Gegenstände sammelten, zu unterstützen. Deren Credo, aus Müll Nützliches zu machen, hat er sich mittlerweile selbst angeeignet.

Nur den Prozess, auf offener Straße Plastik zu verbrennen, wollte er verfeinern. Dazu tat er sich im April 2016 mit zwei Freunden zusammen: Gordon Reid und Nick Burnett. Gemeinsam gründeten sie ihr Unternehmen und begannen die Suche nach der perfekten Formel für ihren Plastik-Asphalt.

Doppelt umweltfreudlich

Dafür verwenden sie heute gewerblichen und privaten Plastikmüll und stellen daraus ein feines Granulat her – mit einer Stückgröße von unter fünf Millimetern. Das Granulat wird mit einem „Aktivator“, die geheime und patentierte Zutat des Unternehmens, vermischt. Diesen sogenannten MacRebur-Mix erhalten Asphaltproduzenten und -produzentinnen. Die ersetzen damit beim Straßenbau dann einen Teil Bitumen, das ist ein schwarzes klebriges Kohlenwasserstoff-Gemisch. Gewöhnlicher Asphalt besteht aus Stein, der von eben diesem Bitumen zusammengehalten wird. Durch den Einsatz des MacRebur-Mixes wird also nicht nur Plastikmüll einem zweiten Leben zugeführt, sondern auch der Einsatz des fossilen Bitumens reduziert.

Gleichzeitig sind die Plastik-Straßen äußert belastbar und langlebig. Laut einem Interview, das McCartney CNN in der Entwicklungszeit seines Plastik-Asphalts vor zwei Jahren gab, seien seine Plastik-Straßen 60 Prozent belastbarer als konventionelle Beläge und würden in Labortests bis zu dreimal länger halten. Er sagte: „Wir mussten fünf- bis sechshundert Polymermischungen ausprobieren, bis wir unser Produkt gefunden haben. Kunststoff ist ein großartiges Produkt. Es hält lange. Das ist ein Problem, wenn es Müll ist. Nicht aber, wenn wir wollen, dass es lange hält.“

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