Plusdental blamiert sich mit 131-Millionen-Exit

Die Plusdental-Führungsspitze: Lukas Brosseder, Eva-Maria Meijnen und Peter Baumgart. (v.l.)
Die Plusdental-Führungsspitze: Lukas Brosseder, Eva-Maria Meijnen und Peter Baumgart. (v.l.)

Das Berliner Zahnschienen-Startup Plusdental ist an einen Medizintechnikkonzern aus der Schweiz verkauft worden. Wie die Straumann Group mitteilte, plant der Konzern die vollständige Mehrheit an Plusdental zu übernehmen. Der Deal steht noch unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden. Für das Startup zahlt Straumann laut Mitteilung insgesamt 135 Millionen Schweizer Franken – umgerechnet rund 131 Millionen Euro.

Von außen betrachtet erscheint die Kaufsumme allerdings wie ein Schlag ins Gesicht der Verantwortlichen bei Plusdental. Noch im März 2021 hatte das Unternehmen großspurig eine Milliardenbewertung in Aussicht gestellt: „Wir sind auf dem besten Weg Deutschlands erstes Unicorn zu werden, das von einer Frau geführt wird“, sagte Plusdental-Co-CEO Eva-Maria Meijnen damals im Gespräch mit Gründerszene. „Spätestens“ dieses Jahr sollte es soweit sein, so Meijnen.

Prominenter Fußballer gab Geld

Kurz zuvor hatte das Startup von Investoren noch 35 Millionen Euro erhalten – unter anderem vom ehemaligen Fußballweltmeister Mario Götze. Von offizieller Seite hieß es damals, Plusdental sei bei der Finanzierungsrunde mit einer mittleren, dreistelligen Millionensumme bewertet worden. Seit Gründung des Unternehmens 2017 waren rund 83 Millionen Euro von Investoren geflossen.

An rund zehn Startups hat sich Fußballprofi Mario Götze schon beteiligt. Plusdental könnte sein erster großer Erfolg werden.
An rund zehn Startups hat sich Fußballprofi Mario Götze schon beteiligt. Plusdental könnte sein erster großer Erfolg werden.

Plusdental vertreibt durchsichtige Zahnschienen, die Erwachsenen innerhalb weniger Monate zu gerade Zähnen verhelfen sollen. Zunächst müssen Kunden dafür einen Abdruck ihres Gebisses bei einem kooperierenden Zahnarzt anfertigen lassen. Anschließend produziert Plusdental eine passende Zahnschiene im eigenen Labor in Berlin und schickt dem Kunden diese per Post zu. Laut Co-CEO Meijnen plante das Startup für 2021 mit „deutlich über“ 100 Millionen Euro Umsatz.

Wenige Monate später: Massenentlassungen

Dass das Geschäftsjahr ganz offensichtlich in die verkehrte Richtung lief, zeigte sich dann wenige Monate später. Im September 2021 entließ Plusdental nach Gründerszene-Informationen mehr als 60 Angestellte und damit zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Als Grund für die Entlassungen gab das Startup Umsatzeinbußen aufgrund der Corona-Pandemie an. Die aufgehobenen Restriktionen in Kombination mit der Urlaubs- und Ferienzeit im Sommer hätten sich negativ auf das Geschäft ausgewirkt. In der Folge habe man das Geschäft in einigen Bereichen reduzieren müssen.

Dennoch kündigte das Startup an, in anderen Ländern weiter expandieren zu wollen. Auch eine großangelegte TV-Kampagne mit Entertainer und Promi Bruce Darnell brachte man auf den Weg. Von Erfolg gekrönt waren diese Maßnahmen offenbar nicht. Anders jedenfalls ist der Exit-Erlös zu der deutlich reduzierten Bewertung kaum zu erklären. Nachfragen von Gründerszene dazu wich das Unternehmen aus. Nur so viel: Gemeinsam mit dem neuen Eigentümer wolle man die Vision, die Zahnmedizin zu digitalisieren, nun „noch schneller“ vorantreiben.

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