Polizei bittet um Mithilfe: Wer erkennt diese Männer?

Phantombild: Polizei (Fall: Vanessa Wardelmann aus dem Jahr 1992)

Die Polizei ruft in Aktenzeichen XY zur Mithilfe auf: Zwei Phantombilder aus dem Jahr 1993 zeigen den möglichen Täter oder einen wichtigen Zeugen im Fall von zwei ermordeten Prostituierten.

Weiß die Polizei nicht weiter, fragt sie die Öffentlichkeit. Ist die Fahndung dringend, werden Informationen schnell und an alle Medien rausgegeben, wie etwa im Fall des Berliner Rolltreppen-Treters. Handelt es sich hingegen um sogenannte Cold Cases – ältere Ermittlungen, die trotz längerer Dauer keine Ergebnisse erbracht haben – hat sich vor allem ein Medium etabliert, um die Öffentlichkeit einzuspannen: „Aktenzeichen XY“.

Eine besonders „erfolgreiche“ Ausgabe war laut der Münchner „tz“ die Live-Sendung vom vergangenen Mittwoch. Laut eines Beamten des Landeskriminalamt Münchens, Alfred Hettmer, gab es bereits im Laufe der Sendung vielversprechende Reaktionen.

Im Falle eines Raubüberfalls konnte laut tz ein Anrufer sogar einen konkreten Namen nennen. Einsatzkräfte hätten sich laut Ermittler Hettmer noch im Laufe der Sendung auf den Weg gemacht, den Hinweis zu überprüfen. Auch im Falle eines Raubüberfalls auf ein junges Paar habe ein Zuschauer einen konkreten namentlichen Hinweis geben können.

Ein Serientäter, dessen Taten 26 und 27 Jahre zurückliegen

Der wohl wichtigste Fall des Abends war aber ein Fahndungsaufruf zu zwei Morden an Prostituierten, die vor 26 und 27 Jahren verübt worden waren.

Im Laufe der Sendung wurden erstmals zwei Phantombilder veröffentlicht, die aus dem Mai 1993 stammen. Die Veröffentlichung hatte vor kurzem die Staatsanwaltschaft Stade beim zuständigen Amtsgericht bewirkt. Eine Sprecherin der Polizeiinspektion Cuxhaven sagte damals zu dem Schritt: „Wir möchten alle uns zur Verfügung stehenden Optionen nutzen und erhoffen uns insbesondere durch heutige Möglichkeiten des Verbreitens in sozialen Netzwerken, möglichst viele potenzielle Zeuginnen und Zeugen zu erreichen.“

Bei den veröffentlichten Bildern könnte es sich um zwei verschiedene Männer, jeweils im Alter von ungefähr 30 Jahren, handeln oder aber um denselben. Unsicher ist zudem, ob die Bilder Täter oder Zeugen zeigen. Aber: Der Unbekannte hat, beziehungsweise die beiden Unbekannten haben, sich kurz vor dem Verbrechen nach den späteren Opfern erkundigt.

Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit erhofft sich die Polizei nun neue Hinweise – vor allem von Frauen, die im Zeitraum der Verbrechen ebenfalls in Bremerhaven, wie beiden Opfer, als Prostituierte gearbeitet haben. Namen von Freiern oder deren sexuelle Vorlieben, jedes Detail könnte zu neuen Spuren führen.

Phantombild: Polizei (Fall: Anja Witt aus dem Jahr 1993)

Und tatsächlich: Am Ende der Sendung sagte Ermittler Hettmer laut tz: „Es gab eine Vielzahl von Antworten. Es gab auch Anrufe, die sich auf die Phantombilder gemeldet haben. Im Fall des zweiten Phantombilds hatte sich ein Anrufer gemeldet, der sehr konkrete Hinweise geben konnte.“ Weiter erklärte Hettmer, es werde sich nun zeigen, ob sich der Fall nochmal in eine komplett andere Richtung drehen werde. Er schließt mit den Worten: „Eine sehr interessante Geschichte.“

Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten

Die nahm einen allerdings traurigen Anfang am 26. September 1992, damals wurde die Leiche der 22-jährigen Vanessa Wardelmann, 13 Kilometer südlich von Bremerhaven, gefunden. Am 9. Mai 1993 wurde etwa 100 Kilometer entfernt, bei Verden, die Leiche von Anja Witt entdeckt. Die Leiche der damals 26-Jährigen Witt war nackt, es wird daher vermutet, dass der Täter die Kleidung mitgenommen hat. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden, weil beiden Frauen der Mund mit Leukoplast zugeklebt worden war. Die Rede ist von einem möglichen Serientäter. Einem Mann, der laut Ermittlern aus dem regionalen Umfeld stammen soll. Unscheinbar könne er sein, ein Nachbar oder Ehemann, dessen „Neigungen gar nicht aufgefallen sein müssen“.

Das Presseportal der Polizeiinspektion Cuxhaven liefert noch detaillierte Hinweise für eine Verbindung zwischen den Morden: Demnach gebe es DNA-Spuren an beiden Tatorten, der Täter suchte sich zudem junge Frauen als Opfer aus, die auf dem Straßenstrich in der Van-Heukelum-Straße in Bremerhaven arbeiteten. Beide Frauen wurden erdrosselt, die Fundorte der Leichen befinden sich im Bereich der Autobahn 27, beide Frauen wurden mit fünf-Zentimeter-breitem Leukoplast geknebelt.

Beide Opfer waren zudem heroinabhängig, sie arbeiteten auf dem Straßenstrich in Bremerhaven-Lehe. Deswegen ermittelt die Polizei in zwei Richtungen: Handelt es sich um ein Sexualverbrechen oder hatten Anja Witt und Vanessa Wardelmann Drogenschulden?

Polizei-Kontakt für Hinweise

Wer Angaben zu den abgebildeten Männern machen kann, wird gebeten, sich an die Polizeiinspektion Cuxhaven zu wenden: 0049 (0) 4721 573 200.

Auch potenzielle Zeugen aus dem Umfeld der Familie, dem Freundeskreis, der Arbeit oder Nachbarschaft werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden, wenn sie zu den tatrelevanten Zeiten Veränderungen bei ihrem Verwandten, Freund, Kollegen, Nachbarn oder ähnlichen bemerkt haben. Es ist davon auszugehen, dass der Täter die Berichterstattung aufmerksam verfolgt hat.

Die Polizeidirektion Oldenburg hat für entscheidende Hinweise, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung der beziehungsweise des Täters führen, eine Belohnung von bis zu 5.000 Euro ausgesetzt.