“Ich war noch niemals in New York”: Interview mit Sarah Schütz zum Todestag von Udo Jürgens

Am 21. Dezember gedenkt nicht nur die musikalische Welt dem Ausnahmekünstler Udo Jürgens. Zum ersten Todestag des Sängers haben wir die Schauspielerin Sarah Schütz zum Interview getroffen. Sie singt derzeit am Deutschen Theater in München in dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ die größten Hits von Udo Jürgens:

Wohl jeder teilt etwas mit den Songs von Udo Jürgens, was sind deine Kindheitserinnerungen?
Ich erinnere mich an viele Nachmittage, an denen ich im Dachgeschoss unseres Hauses mit meinen Geschwistern die Schallplatten von Udo Jürgens gehört habe. Wir konnten alle Texte auswendig und haben zusammen „Griechischer Wein“ oder „Siebzehn Jahr blondes Jahr“ gesungen. Ich habe diese Zeit mit dem Plattenspieler geliebt. „Ich wünsch’ dir Liebe ohne Leiden“ macht mir heute immer noch eine Gänsehaut. Ja und später in der Disco durfte Udo auf den Schlagerpartys nicht fehlen.

Bevor du ein Teil der Musical-Familie von “Ich war noch niemals in New York“ wurdest, hat dich da etwas mit Udo Jürgens und seinen Songs verbunden?
Ganz bewusst habe ich mich mit Udo Jürgens und seiner Musik beschäftigt, nachdem ich von der Ausschreibung für das Musical erfahren habe. Ich habe mir CDs angehört und Youtube-Videos von seinen Konzerten angeguckt, wobei ich seine TV-Geburtstagsfeier zum 80. ganz besonders inspirierend fand.

Gab es die eine oder andere musikalische Überraschung für dich als du die Hauptrolle übernommen hast?
Oh ja, Lieder wie „Was wichtig ist“ und „Ich weiß, was ich will“ kannte ich vorher gar nicht. Und gerade diese Songs sind mir seit der Show sehr ans Herz gewachsen, weil sie so leidenschaftlich sind und einen tief berühren. Das liegt natürlich auch an der fantastischen Arbeit von Michael Reed, der mit seiner besonderen Art Lieder zu orchestrieren dem Musical richtiges Hollywood Flair verliehen hat. Ganz Großartig!

Welcher Song aus “Ich war noch niemals in New York” bedeutet dir am meisten und warum?
Zwei Songs empfinde ich als ganz besonders, weil sie Schlüsselmomente in der Show sind und mich selbst immer wieder zum Nachdenken anregen. In „Ich weiß, was ich will“ fängt Lisa an, endlich ihren Gefühlen zu vertrauen und in „Was wichtig ist“ lässt sie ihr Leben Revue passieren und erkennt, was die eigentlichen Werte des Lebens sind. Ich mag diese Lieder besonders, weil ich merke, dass das Publikum besonders emotional auf sie reagiert.

Ich war noch niemals in New York - stimmt oder stimmt nicht?
Stimmt zum Glück nicht! Während meines Studiums bin ich mit meiner besten Freundin zum ersten Mal in New York gewesen – und das gleich für einen Monat. Es war das Unglaublichste, was ich bis dato erlebt hatte! Die Stadt hatte ein Tempo, in dem ich mich sofort zuhause gefühlt habe. Wir haben uns Broadway Shows angesehen, Tanzklassen genommen und ich habe bei Open Calls vorgesungen. Wahnsinn! Da in New York wusste ich genau, das will ich machen. Auch wenn wir in einem Hostel mit winzigem Zimmer und Stockbett gehaust haben, Käse-Nachos in schmuddeligen Hinterhöfen essen mussten und mit irgendwelchen Unbekannten in Bars gefeiert haben. Es war grandios!
Letztes Silvester bin ich dann erneut nach New York, um zu feiern, dass ich diese tolle Rolle bekommen habe. Ich hatte überall Flashbacks. Es war toll!

Wie emotional ist die Stimmung hinter und auf der Bühne um die Weihnachtszeit?
Weihnachten geht es sehr emotional zu hinter der Bühne. Die lieben Masken- und Kostümmädels schmücken die Garderobe festlich und wir gehen zusammen auf den Weihnachtsmarkt, trinken Glühwein und bemalen Keramik. Auf unserer Weihnachtsfeier wurden wir lecker bekocht und konnten uns schon auf Zuhause einstellen. Alle freuen sich zu ihren Familie zu fahren, wenn auch nur für einen Tag, denn wir spielen natürlich auch an den Feiertagen. Aber auf der Bühne gilt: The show must go on, egal was dich privat umtreibt.

Deine Lieblingsszene aus dem Musical „Ich war noch niemals in New York”?
Den Übergang am Ende in den Song „Heute beginnt der Rest deines Lebens“ finde ich inhaltlich und musikalisch besonders bewegend. Wenn wir alle zusammen auf der Bühne stehen, Lisa Axel zurückgewinnt und das gesamte Ensemble einen zarten chorischen Teppich bildet, wird’s einem warm ums Herz.

Über welche deiner kleinen Pannen, wenn es denn eine gab, würde Udo Jürgens am meisten schmunzeln?
Kleine Pannen gibt es natürlich immer mal wieder, obwohl das ganze Ensemble lange und hart probt, damit sie nicht passieren. Zum Glück bekommt das Publikum diese Patzer meistens gar nicht mit. Udo Jürgens war ein Perfektionist und hat viel Leidenschaft in das Musical investiert. Er hätte sicherlich jede Kleinigkeit gesehen, so wie den Moment, in dem Karim, der den Axel spielt, und ich während des Singens einfach anfangen mussten zu lachen. Ich könnte mir vorstellen, dass er bei so viel Freude zweier Menschen geschmunzelt hätte.

Ein Musical, in dem du gern die Hauptrolle spielen möchtest?
Starke dramatische Rollen interessieren mich. Die Elphaba in „Wicked“ oder die Diane in „Next to normal“ würden mich gesanglich wie inhaltlich ansprechen: Elphaba kämpft für die Gerechtigkeit und Diane um ihren Verstand und ihr Kind. Aber über Musical hinaus kann ich mir vorstellen, in Richtung Film oder Fernsehen zu gehen. Das wäre eine Herausforderung ganz anderer Art, der ich mich gerne stellen würde.

Bilder: Eventpress Stage, Steffi Henn