Fashionweek – Hunger Games Reloaded

 Wie jedes halbe Jahr steht eine neue Fashionweek vor der Tür. Redakteure, Blogger und irgendwelche, mit Botox vollgepumpten, Z-Promis, die eigentlich niemand so recht kennt und/oder eingeladen hat, drehen durch. Es wird geplant ohne Ende – welches Outfit zieht man an, wie oft zieht man sich um? Alles zwischen 15 und 23 mal ist realistisch, übrigens.

Fakt ist: In Paris musst du für die Frontrow mindestens eine wichtige Kolumnistin oder Modejournalistin sein. Oder wenigstens ein Kind eines Promi-Models, was mit Rockstars rummacht. In Berlin reicht es allerdings schon, Rapper XY angeklagt zu haben, dass er dich geschwängert hat und das dann bei Britt auszudiskutieren. Auch wird die Dschungelcamp-Prominenz gerne gesehen.

Aber nur, weil es in Deutschland vielleicht an „echter Prominenz“ etwas mangelt (die wirklichen Sahneschnitten wie Matthias Schweighöfer oder Elyas M’Barek lassen sich ja leider nicht blicken), so mangelt es doch nicht an guten Designern und Shows. Lena Hoschek, Dawid Tomaszewski, Rebekka Ruetz und Holy Ghost sind nur eine kleine Auswahl, auf die wir uns freuen können.

Du bist, was du isst

Allerdings ist es eher nicht so, dass sich dort viele für die gezeigte Laufstegmode interessieren – viel eher interessieren sie sich dafür, dass andere (Presse und Co) sich dafür interessiere, dass SIE sich dafür interessieren. Sehen und gesehen werden, du bist, was du isst (iss bloß nicht dort, dann wirst du bestimmt verbannt und darfst nie wieder hin!), du wirst, was du trinkst (trink bloß viel dort!).

Selbstinszenierung ist das, was auf der Fashionweek am meisten zählt, was vor allem schade ist für die Designer, die sich ja wirklich Mühe geben, jede Saison aufs Neue. Und am Ende sitzen da nur irgendwelche rosenlose Bachelorkandidatinnen, die gelangweilt ihre Lippen nachziehen, weil der nächste Moderator von einer Promizeitung vorbeigelaufen kommt.

Auch Blogger gehen nicht nur einfach zur Fashionweek, sondern bringen sich ihren eigenen Fotografen mit und steigen zwei Eckstraßen vor dem Fashionweek Zelt aus, um dann noch von genügend Menschen gesehen und fotografiert zu werden. Es gilt: Wer von den Streetstylefotografen beachtet und bei VOGUE online und Co veröffentlicht wird, ist erfolgreich. Danach posten sie dann alle fleißig „Sänk you for seee featureee, Vogue/Elle/Instyle/Whatevuur“ und kriegen zwei Aufträge mehr als sonst. Über sie wird geredet, geurteilt, alle kämpfen gegeneinander, wer hat den besten Stil, während sie lachend nebeneinander und Arm in Arm hergehen, ein Zufallsschnappschuss, der 45min braucht und zuhause vor dem Spiegel geübt wurde - die Tribute von Prada.

Modezirkus und Berlinballermann

Der Begriff „Modezirkus“ ist passend gewählt, wenn alle sich zum Affen machen. Es ist ein bisschen wie Ballerman in Berlin, nur mit Champagner und Chanel. Es wird viel getrunken und viel gefeiert - vor allem sich selbst.
Wenn man dann noch auf einen Absacker ins Soho House geht, weil man immer jemanden kennt, der Zugang dazu hat (das ist in etwa wie der Himmel, nur als Hölle: DU kommst hier nisch rein!), hat man es geschafft: Man ist endlich wichtig.

Aber hey, so gemein muss man nicht sein: Es gibt tatsächlich viele Events und Messen, die sich lohnen. Menschen, die sich Mühe geben. Sich nicht mitreißen lassen vom „Wer ist wichtiger-Bingo“. Und Free Food ist nie verkehrt, oder? Man muss es dann auch nur wirklich essen.

Was passiert, wenn die Fashionweek vorbei ist, könnt ihr hier lesen.