"Potenziell ruiniert": YouTube warnt Musiker im Tantiemenstreit

teleschau
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YouTube warnt davor, dass die Forderung nach mehr Tantiemen für die Künstler nach hinten losgehen könnte.  (Bild: 2019 Getty Images/Sean Gallup)
YouTube warnt davor, dass die Forderung nach mehr Tantiemen für die Künstler nach hinten losgehen könnte. (Bild: 2019 Getty Images/Sean Gallup)

Im Streit um eine strengere Gesetzgebung im Umgang mit Musikrechten hat YouTube vor etwaigen negativen Auswirkungen für die Künstler gewarnt.

Seit Langem wird den Betreibern der Videoplattform YouTube vorgeworfen, von ihren Webeeinnahmen zu wenig an die Urheber von Musikvideos abzutreten. In Großbritannien ist dieses Thema nun erneut durch eine entsprechende Untersuchung aufgekommen, die der Ausschuss für Digitales, Kultur, Medien und Sport (Digital, Culture, Media and Sport Select Committee, DCMS) kürzlich durchgeführt hatte. Demnach erhalten viele Künstler nach wie vor nur einen Hungerlohn an digitalen Tantiemen, was angesichts der Abrufzahlen höchst ungerecht erscheint. Dies geht aus einem entsprechenden Artikel der britischen Zeitung "The Guardian" hervor.

Tatsächlich würden 70 Prozent der Künstler, die bei Universal Music unter Vetrag stehen, über YouTube angehört werden. Das teilte David Joseph, der britische Geschäftsführer des Labels, bereits Anfang Januar mit. Die entsprechenden Tantiemen betrügen allerdings nur fünf Prozent der Einnahmen des Unternehmens.

Guy Garvey, Frontmann der Band Elbow, bangt um die nächste Generation Bands. (Bild: Kevin Westenberg / Universal)
Guy Garvey, Frontmann der Band Elbow, bangt um die nächste Generation Bands. (Bild: Kevin Westenberg / Universal)

"Mehr Geld in den Topf der Schöpfer"

Während die Künstler bislang nur einen Anteil aus den Werbeeinnahmen bekommen, hofft die Musikindustrie auf neue Gesetze der Europäischen Union: Demnach könnten Streaminganbieter wie YouTube oder Spotify künftig dazu gezwungen werden, im Voraus eine gewisse Gebühr für die Nutzung der Lizenzen zu bezahlen. Nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU werde dieses Gesetz nun allerdings nicht umgesetzt, heißt es weiter. Gleichzeitig sei die britische Regierung allerdings bemüht, "sicherzustellen, dass mehr Geld in den Topf der Schöpfer zurückfließe".

YouTube räumte gegenüber dem DCMS-Ausschuss ein, dass die Musikindustrie mit über 500 Stunden Videoinhalten, die jede Minute hochgeladen würden, ab Januar 2020 zwölf Millionen Dollar an Tantiemen erhalten habe. Bis 2025, prophezeite das Unternehmen weiter, könne YouTube alle anderen Bezugsquellen, inklusive Spotify, überholt haben.

"Rechteinhaberschaft oft unklar"

Eine strengere Gesetzgebung, sagte YouTube weiter, sei unter Umständen so schwer einzuhalten, dass die Plattform im Zweifelsfall sogar Musikinhalte sperren müsste, um eine Rechtsverletzung zu vermeiden. Für Künstler und deren Labels könne dies mitunter zu noch größeren Einbußen führen und dazu, dass ihr Geschäft auf der Plattform "potenziell ruiniert" werde. "Vor allem in der Musikindustrie sind die Daten über die Rechteinhaberschaft oft unklar", erklärte das Unternehmen weiter. Schon in der Vergangenheit habe deshalb die Gefahr eines "Over-Blocking" bestanden.

Für seine Untersuchung hatte der DCMS-Ausschuss auch einige Stimmen von Künstlern gehört: Der Frontman der Band Elbow, Guy Garvey, drückte dabei die Sorge aus, dass die nächste Generation von Bands verloren gehen könne, weil Dienste wie Spotify oder Apple ihren Kunden zu wenig berechnen würden.