Prada: Shitstorm nach Rassismus-Vorwürfen

Julia Weiß
Freie Journalistin

Niedlich sollen Pradas Fantasie-Tierchen wohl sein. Doch sie erinnern viele an eine rassistische Darstellungs-Methode und sorgen nun für Empörung.

Prada löste eine Welle der Entrüstung aus (Bild: AP)

Das italienische Luxus-Label Prada will nach Protesten verschiedene Accessoires aus seinem Sortiment nehmen. Der Konzern führt ein affenartiges Maskottchen, das mit seinen wulstigen Lippen viele an das “Blackface”, das Karikieren schwarzer Menschen, erinnert. Viele empfinden das als rassistisch.

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Die Anwältin Chinchere Ezie sah die Maskottchen in der Auslage eines Prada-Stores in Manhattan und war entsetzt. Sie arbeitet bei der NGO namens “Center for Constitutional Rights” (deutsch: “Zentrum für Verfassungsrechte”). Später postete sie, dass sie den Laden betreten und einen Mitarbeiter konfrontiert habe.

“Als ich nachfragte, ob ihnen bewusst sei, dass sie ihren Laden mit der Bildsprache von Blackface versehen hatte, erhielt ich mit überraschender Freimütigkeit die Antwort, dass sich ein schwarzer Mitarbeiter bereits über Blackface bei Prada beschwert habe, aber er arbeite nun nicht mehr hier.”

Nicht nur Ezie stießen die Prada-Maskottchen auf. Auch andere sahen Parallelen zu rassistischen Darstellungen.


Dieser Account schrieb:

“Viele vergleichen ‘Otto”, eine Weiterentwicklung von Pradas ältestem Affen-Maskottchen, mit ‘Little Sambo’, einer Kinderbuch-Figur von 1899, die den Stil der Blackface-Karikaturen verkörperte. Solche übertriebenen Stereotypen verbreiteten Rassismus damals unverhohlen, doch die Nachwirkungen dieser Bildsprache beeinflussen noch heute, wie wir Rassismus verorten.”

Prada reagierte schnell auf die Vorwürfe im Netz und twitterte:


“Wir bei Prada verabscheuen rassistische Bildsprache. Die Pradamalia sind Fantasie-Glücksbringer, zusammengesetzt aus Elementen aus unserem Oeuvre. Sie sind fiktive Wesen ohne beabsichtigten Bezug zur realen Welt, geschweige denn Blackface. Wir verabscheuden jede Form von Rassismus und rassistischer Bildsprache. Wir werden alle umstrittenen Figuren aus unseren Schaufenstern und unserem Vertrieb nehmen.”

Chinchere Eziee hatte kurz vor ihrem Schaufensterbummel das “National Museum of African American History and Culture” in Washington besucht. Auf Facebook schrieb sie, dass sie verblüfft von der Ähnlichkeit der Maskottchen mit Museums-Exponaten zum Thema Blackface gewesen sei und “vor Wut gezittert” habe.

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“Geschichte darf sich nicht ständig wiederholen. Das schwarze Amerika verdient etwas Besseres. Und wir verlangen etwa Besseres”, erklärte Ezie. Ihr Post ging sofort viral.

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