Premier League plant eigenes "Netflix" - Trend auch für die Bundesliga?

Ben Barthmann
Sports Editor

Die Premier League plant laut Angaben von Geschäftsführer Richard Masters einen eigenen Streaming-Dienst im Stile von “Netflix”. Ähnliches geht beim FC Barcelona vor - folgt die Bundesliga dem Trend?

Der FC Liverpool ist eines der Zugpferde der Premier League. (Bild: Getty Images)

Bis Ende der Saison 2021/22 bleibt alles so, wie es ist. Dann aber könnte sich für Fußball-Fans und insbesondere Fans der englischen Premier League einiges ändern. Wie Masters gegenüber britischen Medien bestätigte, setzt sich die Liga mit einer tiefgreifenden Änderung der TV-Übertragung auseinander.

Masters zufolge plant die Premier League eine eigene Vermarktung. Vorbei wären die Zeiten, in denen die Spiele über externe Anbieter wie Amazon, BT Sport, Sky oder DAZN den Weg zum Kunden gefunden hätten. Fortan würde die Premier League sich selbst auf eigenen Kanälen übertragen.

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Als Vergleich gilt das Streaming-Portal “Netflix”, auf dem Serien und Filme für einen Monatsbeitrag gestreamt werden können. Live-Übertragungen, Wiederholungen und Highlights der Spiele oder auch Beiträge rund um die Klubs könnten direkt bei “Premflix” zu sehen sein.

Auch der FC Barcelona werkelt am eigenen Streaming-Dienst

Diese Idee ist bei weitem nicht neu. Schon 2019 soll sich die Premier League laut Masters damit beschäftigt haben, entschied sich aber letztlich dagegen. Der FC Barcelona machte erst kürzlich öffentlich, selbst über eine derartige Plattform nachzudenken. Die Katalanen wollen zum Start insbesondere Spiele aus der Jugend und dem Frauen-Fußball übertragen, die Profis könnten folgen.

Dahinter steht - natürlich - ein ökonomischer Gedanke. Aktuell verdient die Premier League laut Guardian etwa 4,5 Milliarden Pfund (5,3 Milliarden Euro) pro Jahr. Mit einer direkten Vermarktung, so zumindest die Theorie, könnten die Einnahmen weiter gesteigert werden. Dazu hätte die Premier League mehr Einfluss auf die Präsentation und das eigene Image.

Masters gab allerdings auch an, dass eine Mischung aus beiden Modellen möglich wäre.

Die Bundesliga bleibt klassisch - bis mindestens 2025

Die Bundesliga derweil scheint noch keine derartigen Pläne vorliegen zu haben. Die Rechte für die kommenden Jahre werden bald vergeben, aktuell wird von einem Zweikampf zwischen Sky und DAZN ausgegangen. DFL-Boss Christian Seifert gab zuletzt an, dass die Liga mehr auf Streaming-Diensten laufen könnte - das brachte auch Netflix und Amazon ins Gespräch. Eigene Pläne scheint es derzeit nicht zu geben.

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Die Übertragungsrechte werden Anfang 2020 vorerst für 2021 bis 2025 ausgegeben, deshalb wären der DFL lange vertraglich die Hände gebunden.

Zeitgleich will die DFL wieder öfter ins Free-TV. Während es in Großbritannien üblich ist, dass Fußball ausschließlich im Pay-TV läuft, hat sich in Deutschland gezeigt, dass nur ein kleinerer Anteil der Fans bereit ist, für ein Abonnement der Bundesliga-Spiele aufzukommen.