Prinzessin Amalia, Prinzessin Estelle + Co.: Ehe für alle? Königshäuser sind in Erklärungsnot

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Erst hieß es, Prinzessin Amalia dürfe keine Frau heiraten, was für ordentlich Aufruhr sorgte. Nachdem dies verneint wurde, kamen die anderen europäischen Königshäuser in Erklärungsnot. Manche Antworten überraschten dabei – negativ.

Prinzessin Amalia (Mitte) mit ihren Eltern König Willem-Alexander und Königin Máxima
Prinzessin Amalia (Mitte) mit ihren Eltern König Willem-Alexander und Königin Máxima

Darf der royale Thronfolger-Nachwuchs gleichgeschlechtlich heiraten oder darf er nicht? Mit dieser Grundsatzdebatte sahen sich zuletzt zahlreiche europäische Königshäuser beschäftigt – und mussten Frage und Antwort stehen. Dabei kamen einige in Erklärungsnot, was die Frage aufwirft: Wie divers sind die Monarchien eigentlich wirklich?

Royale Thronfolger:innen Europas und die Frage nach der Ehe für alle

Alles begann Ende September 2021 mit einer Aussage des niederländischen Politikers Peter Rehwinkel, 57. In einem Interview anlässlich seiner Buchveröffentlichung "Amalia – De plicht roept" (dt.: "Amalia – Die Pflicht ruft") behauptete er laut der Tageszeitung "NRC Handelsblad", dass die niederländische Thronfolgerin – falls sie es wollen würde – niemals eine Frau heiraten dürfe.

Wenige Wochen später, am 12. Oktober, sah der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, 54, sich gezwungen, in einer schriftlichen Stellungnahme, die auf der Regierungswebsite veröffentlicht wurde, für Klarheit zu schaffen.

Kurzum: Amalia darf heiraten, wen sie möchte, ein Aber gibt es dennoch: Die Erbfolge sei dann nicht gesichert. Die heutigen pluralen Lebensformen stünden laut Rutte im "Spannungsverhältnis zu dem in der Verfassung verankerten geschlossenen System der Thronfolge", das vorsieht, dass der oder die Erstgeborene des Königs oder der Königin an erster Stelle der Thronfolge stehen würden. Für diesen Fall erwägt der Ministerpräsident eine Sonderlösung; der Einzelfall müsse dann geprüft werden.

Die "Antworten" der belgischen, norwegischen, spanischen und dänischen Königshäuser

Ein klares Nein sieht anders aus, ein klares Ja aber auch. Das überrascht nicht wirklich, denn die Verfassungen der gesamten europäischen Monarchie wurden teils seit etlichen und, teils auch seit hunderten von Jahren nicht überarbeitet und angepasst. Wieso auch, es gab keinen Bedarf – bisher. Manche Königshäuser schweigen bis heute, manche wollten sich nicht äußern, manche taten es aber doch. Hier ein Überblick.

1. Prinzessin Elisabeth von Belgien: Die Politik bezieht Stellung

Vermutlich aufgrund der Nähe beider Länder gab es die ersten Äußerungen aus Belgien bezüglich der royalen Frage nach der Ehe für alle. Doch nicht der Palast meldete sich zu Wort, sondern Jogchum Vrielink, Professor für Diskriminierungsrecht. Im Gespräch mit dem Radio-1-Programm "Nieuwe feiten" (auf Deutsch: Neue Fakten), erklärte er, dass für Prinzessin Elisabeth, 20, "keine Vorschrift bezüglich des Geschlechts des Ehepartners" gebe würde.

Daher könne "der Kronprinz oder die Kronprinzessin seit der Öffnung der Ehe auch jemanden gleichen Geschlechts heiraten." Auch der belgische Premierminister Alexander De Croo, 45, bestätigt diesen Sachverhalt gegenüber der Tageszeitung "Het Laatste Nieuws" offiziell.

2. Prinzessin Ingrid Alexandra von Norwegen: Der Palast antwortet gründlich

Im Gegensatz zu Belgien ist der norwegische Hof ein offenes Buch. Auf die Frage des Online-Magazins "KK", ob Prinzessin Ingrid Alexandra, 17, heiraten dürfe, wen sie wolle, sagt Palastsprecherin Guri Varpe: "Homophilie wird in der Verfassung nicht behandelt, und es gibt keine rechtlichen Vorschriften darüber, wenn der Thronerbe heiraten darf. Es ist nur die Thronfolge geregelt."

Doch hier greift wieder dasselbe mögliche Problem wie in den Niederlanden – und womöglich auch in Belgien: die Frage nach den fehlenden Nachkommen. Varpe meint: "Falls ein Regent kinderlos stirbt - gleichgültig, aus welchem Grund - geht der Thron an den Nächsten in der Thronfolge". Demnach wäre – im Falle einer gleichgeschlechtlichen Ehe – Ingrid Alexandra außen vor und Prinz Sverre Magnus, 15, würde als nächster Thronfolger nachrücken.

3. Prinzessin Leonor von Spanien: viele Gesetzeslücken

Wie steht es um Spaniens Thronfolgerin Prinzessin Leonor, 16, und ihre Partnerwahl? Fakt ist laut Radiosender "Onda Cero": Das Verfassungsgericht entschied 2012, dass das Gesetz über die gleichgeschlechtliche Ehe in vollem Umfang verfassungsgemäß sei. Leonor könnte also eine Frau heiraten. Aber in dem Fall müsste das Protokoll angepasst werden, um die Behandlung der Ehefrau des Monarchen neu zu definieren. Das Königliche Dekret von 1987, das 2014 geändert wurde, bestätigt, dass "der Gemahl der Königin die Würde eines Prinzen erhält".

Antonio Torres del Moral, ein renommierter Verfassungsrechtler, warnt in "El Mundo" sogar, dass es ernsthafte rechtliche Probleme geben könnte, wenn Leonor eine Frau heiraten wollen würde. Die Verfassung ist in "männlichen" Begriffen und in einem "männlichen" Geist geschrieben, sagt er. Sogar Männer haben noch immer Vorrang in der Thronfolge. Die Gesetzgeber haben sich also (noch) nicht mit der Frage befasst.

Ein Vorteil: Verfassungsrechtler seien sich einig, dass in der spanischen Verfassung nichts über Kinder aus einer ehelichen oder nicht ehelichen Beziehung geschrieben steht. Das kann dazu führen, dass Leonors Kinder, falls sie adoptiert wurden oder aus künstlicher Befruchtung stammen, das volle Erbrecht hätten.

4. Prinz Christian von Dänemark: Der Hof hält sich bedeckt

Was wäre, wenn Prinz Christian, 16, einen Mann lieben und heiraten wollen würde? Der Hof wollte sich zu dieser Frage nicht äußern, die Regierung hat bisher ebenfalls nichts dazu gesagt. Royal-Experte Lars Hovbakke Sörensen glaubt nicht, dass der dänische Thronfolger leicht die Zustimmung des Königshauses oder der Regierung bekäme, sagte er zur Boulevardzeitung "BT". Hpvbakke Sörensen glaubt, dass es "eine große Diskussion in der Politik, in der Gesellschaft und im Königshaus geben" würde. Das Königshaus sei konservativer und traditioneller als die meisten Menschen in der Bevölkerung. Ob es im Fall der Fälle wirklich so ist, wie der Royal-Experte darstellt, bleibt abzuwarten.

5. Prinzessin Estelle von Schweden: Hof gibt Stellungnahme ab

Sie ist erst neun Jahre alt, doch früher oder später wird sich auch Prinzessin Estelle einmal verlieben – vielleicht ja in eine Frau? Für das schwedische Königshaus wäre das kein Problem, doch der Teufel steckt – wie sooft – im Detail. Der Palast schreibt in einer Stellungnahme laut der Zeitung "Aftonbladet":

"In der Thronfolgeordnung steht geschrieben, dass ein Prinz oder eine Prinzessin, um in der Thronfolge bleiben zu können, die Zustimmung der Regierung für die Hochzeit braucht. Die Thronfolgeordnung ist noch aus einer alten Zeit, aber heutzutage heiraten ja Menschen mit gleichem Geschlecht."

Es heißt zwar nicht, dass Estelle ihren Platz in der Thronfolge aufgeben muss, aber sie benötigt die "Zustimmung der Regierung und des Königs", schreibt der Hof. Würde die Zustimmung nicht erfolgen, könnte Estelle immer noch heiraten, wen sie wollte, fällt dann aber aus der Thronfolge.

Verwendete Quellen: nrc.nl, hln.be, bt.dk, elmundo.es, aftonbladet.se, Dana Press

VIDEO: Royale Großmütter - das sind die wahren Heldinnen der Königshäuser

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