Rassismusvorwurf bei der "Vogue": Magazin entschuldigt sich für Kendall Jenners Afro

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Die zweitjüngste der Kardashian-Jenner-Schwestern hat eine Modelkarriere eingeschlagen. In der Mode ist das Spiel mit Kultur und Überzeichnung üblich. (Bild: FRANCOIS GUILLOT/AFP/Getty Images)

Die “Vogue” hat sich entschuldigt: Nachdem Kendall Jenner das Cover der amerikanischen Ausgabe mit einem Haarstyling zierte, das viele an eine traditionell afroamerikanische Frisur erinnerte, musste sich die “Vogue” erklären.

Die weiblichen Vertreter des Kardashian-Jenner-Clans können von Vorwürfen über sogenannte “Cultural Appropriation” (zu deutsch etwa: “sich eine fremde Kultur unterwürfig machen”) ein Lied singen. Zu Beginn des Jahres wurde Kylie Jenner, die von “Forbes” zur jüngsten Selfmade-Millionärin gekürt wurde, unterstellt, sie hätte ihr Geld nur auf Grundlage von Ausbeutung der afroamerikanischen Kultur gemacht: ihre aufgespritzten Lippen, die ausladenden Kurven, der Selbstbräuner – für viele Stimmen online war klar, dass das nur das Erfolgsrezept einer nicht-afroamerikanischen Frau sein könne.

Online-Stimmen bestrafen “Cultural Appropriation” rigoros

Davor wurden Kylie und ihre Schwester Kendall beschuldigt, sich der chinesischen Kultur unangebracht angenommen zu haben: Unter ihrem Label “Kendall + Kylie” präsentierten sie eine Handtasche, die nach einer chinesischen “Take out Box” aussah, in der man üblicherweise seine gebratenen Nudeln oder Eierreis zum Mitnehmen bekommt. Zuletzt gerieten sie mit ihrem Label aufgrund eines Instagram-Posts unter Beschuss: Im Foto zeigte sich ein Model mit einem 130-Euro-teuren Karohemd, das viele an die “Chola-Kultur” erinnerte. Sie steht als Bezeichnung der Traditionen für Menschen mit gemischter europäischer und indigener Abstammung. Und wer erinnert sich nicht mehr an Kim Kardashians Bo-Derek-Flechtzöpfe?


“Kendall Jenners neuester Fehltritt. Ich schwöre, das Nesthäkchen genießt es, afroamerikanische Menschen zu verärgern. Ich kann es kaum erwarten, wie sie sich entschuldigt, warum sie einen Afro für dieses Shooting trug.”


“Hey, kurze Frage: Warum hat ‘Vogue’ Kendall Jenner in einen Afro gesteckt, anstatt ein schwarzes Modell zu buchen?”


“Warum bucht ihr nicht einfach ein schwarzes Model?????? BUCHSTÄBLICH ALLE VON DIESEN SCHWARZEN UND ANDEREN FARBIGEN MODELS SIND SO GUT WIE ODER WAHRSCHEINLICH BESSER ALS KENDALL, DAS IST NICHT NUR EINE GEGENREAKTION, ES IST F A K T!!!”

Den jüngsten kulturellen Fauxpas – zumindest nach Meinungen vieler Online-Leser – begann allerdings Kendall Jenner, als sie für die “Vogue” mit Haaren posierte, die zu einem Afro gestylt waren. Einige fragten sich, warum das Modemagazin dann nicht einfach gleich ein afroamerikanisches Modell für den Shoot buchte. Der Verlag Condé Nast sah sich gezwungen, eine Erklärung abzugeben: “Das Bild soll eine Neuauflage der romantischen Edwardian-/Gibson-Girl-Frisur sein, die zum Gefühl des Outfits von ‘Brock Collection’ passte, und auch der voluminösen Haarstyles der 60er- und frühen 70er-Jahre. Wir entschuldigen uns, wenn es anders rüberkam als von uns gedacht. Wir wollten damit niemanden beleidigen.” Es taten sich online auch Stimmen auf, die die “Vogue” verteidigten und sich gegen Vorwürfe der “Cultural Appropriation” stellten: “Diese ganze Vogue-Kendall-Jenner-Sache nervt mich. Schon mal von italienischen Afros gehört? Oder von jüdischen Afros? Afroamerikanische Menschen besitzen nicht die alleinigen Rechte, toupiertes lockiges Haar zu tragen. Hört auf, zu versuchen, alles zu einer Debatte zu machen”, äußerte sich eine Twitter-Userin.

Nach Frisuren und Mode sind nun auch Rezepte rassistisch

Doch die Kardashians sind nicht die einzigen Prominenten, denen “Cultural Appropriation” vorgeworfen wurde. “Punchy Jerk Rice”, das neueste Lieblingsgericht des Fernsehkochs Jamie Oliver fanden viele unangebracht, weil es an ein traditionelles Rezept der karibischen Küche erinnerte. Und schon im Juli hatte Zac Efron viele Fans verärgert, nachdem er sein neues, mit Dreadlocks geschmücktes Haar gezeigt hatte.