Reiseziele: Die aktuellen Warnungen des Auswärtigen Amts und was sie bedeuten

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Dass sich ein Land wie Syrien aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen derzeit nicht gerade als Urlaubsregion anbietet, sagt Reisenden der gesunde Menschenverstand. Doch auch klassische Ferienländer und Sehnsuchtsorte für Traveller werden zurzeit vom Auswärtigen Amt mit Sicherheitshinweisen oder gar dem Appell "Reisewarnung" versehen. Was das genau bedeutet, ob man sich daran halten muss und vor welchen Urlaubsländern ganz aktuell gewarnt wird.

Für die Philippinen hat das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung verhängt. (Bild: Getty Images)

Hoffentlich jeder Urlauber hat sich vor Antritt einer Reise schon mal auf der Website des Auswärtigen Amts informiert – hier werden von Seiten der Bundesregierung wichtige Hinweise und Warnungen bezüglich Sicherheit, Gesundheit, Bewegungsfreiheit und dergleichen ausgesprochen. Doch was bedeutet das genau?

Sicherheitshinweise machen, so das Auswärtige Amt, "auf besondere Risiken für Reisende und im Ausland lebende Deutsche aufmerksam. Sie können die Empfehlung enthalten, auf Reisen zu verzichten oder sie einzuschränken". Eventuell wird innerhalb dieser Sicherheitshinweise von "nicht unbedingt erforderlichen" oder "allen" Reisen abgeraten.

Reisewarnungen sind dringlicher als Sicherheitshinweise: Sie enthalten "einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, Reisen in ein Land oder in eine Region eines Landes zu unterlassen." Reisewarnungen werden selten und nur dann ausgesprochen, wenn "aufgrund einer akuten Gefahr für Leib und Leben vor Reisen in ein Land oder in eine bestimmte Region eines Landes gewarnt werden muss." Deutsche, die im entsprechenden Land leben, werden nach einer Reisewarnung gegebenenfalls zur Ausreise aufgefordert.

Natürlich liegt bei allen Warnungen die Durchführung einer Reise allein in der Verantwortung des Reisenden. Das Auswärtige Amt rät allerdings dringend, die in den Reise- und Sicherheitshinweisen und Reisewarnungen enthaltenen Empfehlungen zu beachten und immer einen Auslands-Krankenversicherungsschutz mit Rückholversicherung abzuschließen. Die Reise in ein als nicht sicher eingestuftes Land kann im Ernstfall teuer werden: "Kosten für erforderlich werdende Hilfsmaßnahmen durch die Auslandsvertretungen werden Ihnen entsprechend den Vorschriften des Konsulargesetzes in Rechnung gestellt", heißt es von Seiten des Auswärtigen Amts.

Aktuelle Sicherheitshinweise und Reisewarnungen

In Katalonien kommt es derzeit immer wieder zu groß angelegten Protesten mit zum Teil gewaltsamen Auseinandersetzungen. (Bild: Getty Images)

Spanien

Die innenpolitische Lage in Katalonien, insbesondere in Barcelona ist angespannt. So informiert das Auswärtige Amt ganz aktuell: "Seit der Verkündung der Urteile im Prozess gegen zwölf katalanische Unabhängigkeitsunterstützer am 14. Oktober 2019 kommt es zu groß angelegten Protesten mit zum Teil gewaltsamen Auseinandersetzungen, die auch zu Straßen- und Autobahnblockaden führen können." Die Empfehlung des Amts für Reisende in Katalonien lautet, Demonstrationen und größere Menschenansammlungen zu meiden und sich regelmäßig über die lokalen Medien und bei der Stadtverwaltung von Barcelona über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. Von einer Reise in die Region abgeraten wird allerdings nicht.

Türkei

Vor Reisen in die Türkei wird grundsätzlich nicht gewarnt, doch die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts werden regelmäßig aktualisiert und verschärft – aktuell wegen der Militäroperation der Türkei in Nordost-Syrien, weshalb von Reisen in die entsprechenden Grenzgebiete dringend abgeraten wird. "Mit einer erhöhten Gefahr von Anschlägen in der gesamten Türkei muss gerechnet werden", heißt es außerdem auf der Website des Auswärtigen Amts. Ein weiterer Faktor, der die Türkei zum unsicheren Reiseland für Deutsche machen könnte, ist die Tatsache, dass "seit Anfang 2017 […] vermehrt deutsche Staatsangehörige willkürlich festgenommen, mit einer Ausreisesperre belegt oder ihnen […] die Einreise in die Türkei verweigert" werden.

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Oft werden den verdächtigten Personen Verbindungen oder Sympathien zu in der Türkei als terroristisch eingestuften Organisationen nachgesagt. Das Auswärtige Amt empfiehlt dazu unter anderem: "Seien Sie sich bewusst, dass regierungskritische Äußerungen in sozialen Medien, auch wenn sie länger zurückliegen, aber auch das Teilen oder ‚Liken’ eines fremden Beitrags, Anlass für strafrechtliche Maßnahmen der türkischen Sicherheitsbehörden sein können. Dabei können auch nichtöffentliche Kommentare durch anonyme Denunziation an türkische Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet worden sein."

Von unbegleiteten, individuellen Ausflügen in Ägypten, beispielsweise zum Berg Sinai wird derzeit dringend abgeraten. (Bild: Getty Images)

Ägypten

Das Auswärtige Amt spricht aktuell für Teile des Landes eine Reisewarnung aus. Demnach wird vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel, das Grenzgebiet zu Israel, dem Sudan und Libyen sowie in entlegene Gebiete der Sahara gewarnt. Der Terrorismus in Ägypten ist weiterhin frappant, die Anschläge richten sich meist gegen ägyptische Sicherheitsbehörden, vereinzelt aber auch gegen ausländische Staatsbürger. Der schon 2017 verhängte Ausnahmezustand wurde seither alle drei Monate verlängert.

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Ägypten als Urlaubsziel mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten verbucht entsprechende Einschränkungen, führt das Auswärtige Amt aus: "Im Süden der Sinai-Halbinsel, das Gouvernorat Südsinai mit den Küstenorten Sharm el-Sheikh, Dahab, Nuweiba und Taba am Roten Meer, wird von unbegleiteten, individuellen Ausflügen und Überlandfahrten abgeraten. Dies gilt insbesondere auch für Fahrten zum Katharinen-Kloster und zum Berg Sinai." Die Empfehlung des Auswärtigen Amts für Touristen lautet unter anderem, die Hinweise von Hotels und Reiseveranstaltern zu beachten und "Tauch- und Schnorchel-Touren, und Bergwanderungen sowie Ausflüge in die Wüste nur in hierfür lizenzierter ortsansässiger Begleitung" zu machen.

Übrigens können kritische Äußerungen über Ägypten auch auf Facebook und Co. als strafbare Beleidigung und Diffamierung Ägyptens angesehen werden. Das Auswärtige Amt gibt an, dass bei Kontrollen eine Durchsuchung nach solchen Kommentaren durchaus möglich ist.

Chile

Chile gilt als Sehnsuchtsort vieler Traveller – Valparaíso als "Perle des Pazifiks" und die Cerros von Santiago sind vielbesucht. Doch aktuell sind nach schweren Unruhen über Valparaíso, Concepción und große Teile von Santiagos der Notstand verhängt. "Weitere Ausschreitungen auch in größeren Städten des Landes sind nicht auszuschließen", schreibt das Auswärtige Amt in seinen aktuellen Hinweisen. Aufgrund der Ausrufung des Notstands kommt es demnach zu Einschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit, u.a. durch Ausgangssperren.

Guatemala

Eine ähnliche Situation bietet sich in zahlreichen Regionen im Nordosten des zentralamerikanischen Staats, wo der im September ausgerufene vorübergehende Ausnahmezustand im Oktober nochmals verlängert wurde. Unter anderem für die Provinzen Izabal, Alta Verapaz, Zacapa, El Progreso, Baja Verapaz und Petén weist das Auswärtige Amt auf verstärkte Kontrollen, Straßensperrungen und eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit bis hin zu nächtlichen Ausgangssperren hin.

Indonesien

Das Auswärtige Amt rät aktuell von "nicht unbedingt erforderlichen Reisen" in die Provinzen Papua und West-Papua ab. Grund sind die zum Teil gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in den Provinzen, die weiter andauern können. "Derzeit besteht eine vollständige Unterbrechung des Internets in den beiden Provinzen", heißt es dazu auf der Website des Auswärtigen Amts. Auch verschiedene Teile Jakartas sind von Demonstrationen und teils gewaltsamen Ausschreitungen betroffen. Das Auswärtige Amt rät, sich über die lokalen Medien zu informieren und keinesfalls Foto-, Film- und Tonaufnahmen von Demos und größeren Menschenansammlungen zu machen.

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Philippinen

Auch für den bei Individualreisenden so beliebten Inselstaat hat das Auswärtige Amt eine Teilreisewarnung ausgesprochen. Betroffen ist etwa die Insel Mindanao, wo die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf für Entführungen und Ermordungen verantwortlich ist und dabei besonders auf ausländische Entführungsopfer zielt.

Auf Mindanao gilt bis mindestens Ende 2019 Kriegsrecht: "Diese Maßnahme beinhaltet u.a. Ausgangssperren, militärische Kontrollposten sowie die Aussetzung bestimmter Bürgerrechte, z.B. des Rechts auf unverzügliche gerichtliche Überprüfung von Inhaftierungen." Auch zahlreiche andere Regionen sind von der Teilreisewarnung betroffen, so unter anderem die Davao-Region, die Inseln des Sulu-Archipels und – das ist besonders für Rucksackreisende interessant – Süd-Palawan mit Ausnahme von Puerto Princesa.

Auch abseits des Terrorismus sind die Philippinen mit großer Vorsicht zu genießen: Verantwortlich dafür ist die sehr aggressive Politik der Behörden gegen Drogen, die viele Todesopfer fordert. "Nach Regierungsangaben kamen bis April 2019 bei Polizeieinsätzen über 6.000 Personen ums Leben, Nichtregierungsorganisationen und andere Beobachter liegt die Zahl der Todesopfer weit höher, bei bis zu 30.000", so das Auswärtige Amt, das auf seiner Website außerdem warnt: "Es besteht stets die Gefahr, ‚zur falschen Zeit am falschen Ort’ zu sein und in Schusswechsel zu geraten." Die Empfehlung des Auswärtigen Amts lautet: "Seien Sie im gesamten Land besonders vorsichtig und meiden Sie jeden Kontakt mit Drogen und Personen, die mit Drogen handeln."

Das rät das Auswärtige Amt allen Reisenden – unabhängig vom Reiseziel:

Information ist alles – auch wenn das Reiseland als sicher eingeschätzt ist. Besonders bei Reisen außerhalb der EU ist es demnach wichtig, sich vor Reiseantritt regelmäßig auf den Seiten des Auswärtigen Amts über aktuelle Vorkommnisse zu informieren und sich gegebenenfalls die Kontaktdaten der deutschen Vertretungen vor Ort zu notieren. Außerdem ist allen Reisenden ein "sicherheitsbewusstes und situationsgerechtes Verhalten" vor Ort angeraten. Dazu gehört auch, lokale Medien zu verfolgen und "verdächtige Vorgänge (unbeaufsichtigte Gepäckstücke in Flughäfen oder Bahnhöfen, verdächtiges Verhalten von Personen o.ä.) den örtlichen Polizei- oder Sicherheitsbehörden [zu] melden."

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