Rihanna: Ist ihr China-Cover “Kulturelle Aneignung“?

Antonia Wallner
Freie Autorin

Sängerin und Beauty-Unternehmerin Rihanna zeigte sich kürzlich im landestypischen Prunkstil auf dem Cover von Harper’s Bazaar China. Doch ihr chinesischer Look kam nicht bei allen Fans gut an. Der Vorwurf? Die Amerikanerin würde “kulturelle Aneignung“ begehen.

Sängerin Rihanna wird im Netz für ihr letztes Vogue-Cover kritisiert. (Bild: Getty Images)


Mit den Fans ist es schon ein Kreuz. Da präsentiert Rihanna stolz ihr neuestes Fotoshooting für die chinesische Harper’s Bazaar, und statt Bewunderung und Applaus schreien viele empört “kulturelle Aneignung“.

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Woher kommt der Ärger der Fans?

Grund ist Riris Outfit auf dem Cover und alle Styles, die sie in der Fotostrecke der Vogue trägt. Denn die sind - Überraschung - alle im chinesischen Stil mit auffälligen Frisuren, Kleidern, die stark an einen Kimono erinnern - ein Gewand, das nicht nur in Japan, sondern auch China zur traditionellen Kleidung gehört - und typischem Schmuck und Accessoires wie etwa Fächer und Drachen. Zur Erinnerung: Es ist die Harper’s Bazaar China.

Die Fans halten es für extrem verwerflich, dass sich die amerikanische Sängerin als Chinesin auf dem August-Cover präsentiert. Denn das ist sie ja schließlich nicht, also läuft der ganze Titel und die Fotostrecke unter Heuchelei und besagtem kulturellem Klau.

Rihanna wurde von chinesischem Team gestylt

Als Vergleich führen die Kritiker zwei andere kulturelle Verfehlungen an, nämlich die von Kim Kardashian und Kendall Jenner. Erstere wollte ihre neue Shapewear “Kimono“ nennen, die zweite zeigte sich auf einem Magazincover mit einer afroartigen Frisur.

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“Warum darf Kim Kardashian ihre Kollektion nicht Kimono nennen, aber Rihanna darf sich so angezogen auf dem Cover präsentieren? Das fühlt sich für mich nicht richtig an“, heißt es dazu etwa in den Kommentaren zum Bild.

“Ich liebe Rihanna aber so etwas ist kulturelle Aneignung, sorry“, meint ein anderer Fan.

Auf Twitter merkte ein hingegen Nutzer an, dass Rihanna ausschließlich von einem chinesischen Team gestylt wurde:

“Rihannas Shooting ist absolut keine kulturelle Aneignung. Das ganze Team dahinter (Stylisten, Fotografen, Editoren) waren Chinesinnen und Chinesen.“

Kulturelle Aneignung: Der Vorwurf ist für Rihanna nicht neu

Die Sängerin musste sich schon vor ihrem Harper’s-Bazaar-Cover mit derartiger Kritik auseinandersetzen. Damals war es das Cover der arabischen Vogue, das sie im arabischen Stil mit einer Krone auf dem Kopf zeigte – eine Hommage an die ägyptische Königin Nefertiti aus dem 13. Jahrhundert. “Kulturelle Aneignung“, da Rihanna weder arabisch noch eine Königin in diesem Sinne sei, meinten die Fans.

Was ist eigentlich “kulturelle Aneignung“?

Der Begriff “Cultural Appropriation“ ist tatsächlich nicht ganz einfach in unsere Sprache zu übersetzen. Im Prinzip versteht man darunter die Adaption von fremder Kultur oder Kulturgütern, mit denen man selbst nichts gemein hat. Laut der US-Juraprofessorin Susan Scafidi ist kulturelle Aneignung eine “unerlaubte Wegnahme geistigen Eigentums, traditionellen Wissens oder kultureller Artefakte“.

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