Rotlicht und Stofftiere: Gefährliche Wohnzimmerdeko im LKW

Moritz Piehler
Freier Autor
Das Foto der Polizei zeigt von innen, wie gemütlich sich der Trucker in seinem Führerhäuschen eingerichtet hatte. (Bild: Cheshire HGV Cops)

LKW-Fahrer sind oft und lange weit weg vom eigenen Zuhause. Kein Wunder, dass sie es sich in ihren Fahrzeugen gemütlich machen wollen. Ein Lastwagenfahrer, den die englische Polizei jetzt auf der M6 vor Manchester anhielt, hatte es allerdings ein wenig übertrieben.

Auf der M6 bei Sandbach im englischen County Cheshire glaubten die Autobahnpolizisten ihren Augen kaum, als der Truck an ihnen vorbei rauschte. Die Windschutzscheibe des LKWs war derart zugestopft mit Deko-Artikeln, dass der Fahrer kaum noch zu sehen war. Die Streife hielt das Fahrzeug an und machte Aufnahmen des Führerhäuschens. Der Fahrer hatte offensichtlich versucht, sich richtig heimelig einzurichten. Neben einem Schal und mehreren Deko-Volants, von denen Quasten herabbaumelten, fanden die Beamten zwei rot erleuchtete Lufterfrischer und einen Stoffvogel vor. Direkt neben dem Lenkrad waren dazu noch ein GPS-Bildschirm und eine Handyhalterung angebracht. Auf dem Bild, das über den Twitter-Account der Cheshire HGV Cops gepostet wurde, lässt sich gut erahnen, wie eingeschränkt das Sichtfeld des Fahrers gewesen sein muss, als er gut 50 Kilometer vor Manchester angehalten wurde.

Es war nicht das erste Mal, dass britische Polizisten einen übereifrigen Dekorateur von der Straße holen mussten. Nachdem es die Geschichte in den Radiosender BBC2 geschafft hatte, legte die Polizei aus Cheshire noch einmal nach. In einem zweiten Tweet zeigten sie Beispiele von weiteren Lastwagen, die nicht ganz verkehrssicher ausstaffiert waren. In typisch britischem Humor betitelten sie die Fotoserie, in der unter anderem eine höchst unzufrieden dreinschauende Katze in einem Führerhäuschen auftaucht, wie folgt: “Die meisten Fahrzeuge sind völlig regelkonform, dennoch gibt es bei einigen Raum zur Verbesserung.”

In der Polizeimeldung zu dem Vorfall heißt es dagegen nur trocken: “Der Fahrer wurde angezeigt und mit einem Bußgeld belegt.” In der Regel kostet dieser Verstoß gegen die englische Straßenverkehrsordnung 100 Pfund, also etwa 117 Euro. Selbst Aufkleber, die auf der Windschutzscheibe im Sichtfeld angebracht sind, können bereits für ein Bußgeld ausreichen. Fahrern, die dieses nicht akzeptieren und dann vor Gericht anfechten, droht eine zehnmal so hohe Strafe, dazu müssen sie mit drei Punkten im Verkehrsstrafsystem rechnen, ähnlich wie in Deutschland. In England wurden die Regeln noch einmal deutlich verschärft, nachdem es vor elf Jahren einen tödlichen Unfall gegeben hatte, bei dem ein Taxifahrer einen Fußgänger überfahren hatte. An seinem Rückspiegel hingen zwei Stoffwürfel und zwei Duftbäume, die ihm die Sicht versperrten.

Auch in Deutschland gilt: Die Frontscheibe und die vorderen Seitenscheiben dürfen nicht bedeckt sein. Allerdings sieht der Strafenkatalog relativ geringe Bußgelder von fünf bis fünfzehn Euro für eine Sichtbeschränkung vor. Es wird jedoch deutlich schärfer geahndet, wenn ein entsprechend ausstaffiertes Fahrzeug in einen Unfall verwickelt ist.