ROUNDUP: US-Notenbank lässt weitere Zinserhöhungen offen

WASHINGTON (dpa-AFX) -Die US-Notenbank Federal Reserve signalisiert, dass sie am Ende ihrer steilen Serie von Preiserhöhungen angekommen sein könnte. Sie ließ den Leitzins bei der zweiten Entscheidung in Folge unverändert. Notenbankchef Jerome Powell bekräftigte zwar abermals, dass weitere Anhebungen möglich seien, um die weiterhin hohe Inflation zu bändigen. Doch zugleich sagte er, allmählich werde das Risiko, die Geldpolitik zu sehr zu verschärfen, ähnlich hoch, wie zu wenig zu unternehmen. In den vergangenen eineinhalb Jahren sei man eher nur besorgt gewesen, die Zinsen nicht schnell genug zu erhöhen.

Der Leitzins bleibt damit in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent - dem höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Powell betonte zugleich, dass die Frage von Zinssenkungen sich aktuell nicht stelle. Die Federal Reserve frage sich eher, ob sie weiter erhöhen sollte. Man habe aber noch nichts zu künftigen Zinsschritten entschieden. Powell verwies darauf, dass es bis dahin neue Daten zum Arbeitsmarkt und zur Inflation geben werde.

Die Federal Reserve (Fed) hatte den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation innerhalb von 16 Monaten elf Mal angehoben - zuletzt im Juli um 0,25 Prozentpunkte. Es ist eine der schnellsten und schärfsten Zinsanhebungsperioden in ihrer Geschichte.

Die Notenbanker legten dann im September aber eine Pause ein - so wie zuvor schon im Juni. Mit der Entscheidung vom Mittwoch ist es das erste Mal seit Anfang vergangenen Jahres, dass die Fed den Leitzins bei zwei Sitzungen nacheinander unverändert lässt.

Die Federal Reserve wägt bei ihren Entscheidungen zwischen dem Inflationsrisiko und der Gefahr einer zu starken Abkühlung der Konjunktur ab. Höhere Zinsen bremsen den Preisanstieg - aber auch die Verbraucherausgaben, die die tragende Säule der US-Wirtschaft sind. Denn damit wird es unter anderem teurer, Häuser oder Autos auf Kredit zu kaufen.

Seit März 2022 hob die Fed den Leitzins um mehr als fünf Prozentpunkte an. Die rasante Inflation war unter anderem vom Anstieg der Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst worden. Powell bekräftigte, dass es weiterhin ein zentrales Ziel der Fed sei, die Teuerung langfristig auf die Marke von zwei Prozent zu bringen. Hohe Inflation höhle die Kaufkraft aus und schade den Verbrauchern, sagte er.

Jüngste Wirtschaftsdaten zeigten, dass die Inflation zwar weiter höher als von der Fed angepeilt ist, sich aber abschwächt - und das Wirtschaftswachstum zugleich hoch ist. Das ist aus Sicht einiger Experten eine eher ungewöhnliche Situation. Powell nannte die US-Wirtschaft "überraschend robust". Dass man Fortschritte im Kampf gegen die Inflation ohne einen für Zinsanhebungen üblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit erzielt habe, sei ein "historisch ungewöhnliches Ergebnis".

Die Erholung der Wirtschaft von der Corona-Pandemie habe neue Faktoren ins Spiel gebracht, was diesen wirtschaftlichen Zyklus einzigartig mache, sagte Powell. Die Menschen gäben weiter Geld aus, betonte er. Es seien viele neue Jobs geschaffen worden, die frei verfügbaren Einkommen stiegen, das steigere auch die Ausgaben, was weitere Arbeitsplätze finanziere.

Ungeachtet der hohen Zinsen stieg das Bruttoinlandsprodukt im Sommer im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet um 4,9 Prozent. Das war das stärkste Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft seit sieben Quartalen. Volkswirte hatten im Schnitt nur ein Wachstum um 4,5 Prozent erwartet.

Der Boom der US-Wirtschaft birgt das Risiko, dass die Inflation wieder Fahrt aufnehmen könnte. Die Frage für die Zukunft ist nun, ob die Fed später weitere Zinsanhebungen für notwendig hält. Noch im September hatte sie für dieses Jahr eine weitere Erhöhung angepeilt, jetzt ließ Powell das offen.

Zuletzt stiegen wieder die Ausfälle bei der Bedienung von Krediten und in Umfragen sprachen mehr Verbraucher von enger werdenden Finanzen. Das könnte darauf hinweisen, dass die Konsumenten-Ausgaben sich möglicherweise auch ohne weitere Zinserhöhungen abkühlen.