Rührender Abschied: Krankenschwester weigert sich, in Rente zu gehen und stirbt an Corona

Hannah Klaiber
·Freie Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

50 Jahre lang arbeitete Betty Grier Gallaher in der Notaufnahme. Einen Tag vor ihrem 79. Geburtstag starb die Krankenschwester am 10. Januar an den Folgen der Corona-Erkrankung. Ihrer Familie und ihren Kollegen wird die hilfsbereite Frau, die ihr Leben riskierte, um anderen zu helfen, für immer in Erinnerung bleiben.

50 Jahre lang arbeitete Betty Grier Gallaher in der Notaufnahme. (Symbolbild: Getty Images)
50 Jahre lang arbeitete Betty Grier Gallaher in der Notaufnahme. (Symbolbild: Getty Images)

Über 50 Jahre lang hat Betty Grier Gallaher als Krankenschwester in der Notaufnahme im Coosa Valley Medical Center in Alabama gearbeitet. Als die Corona-Pandemie ausbrach, legten ihr ihre besorgten Familienmitglieder und Kollegen nahe, in Rente zu gehen. Doch die 78-jährige Frau wollte davon nichts wissen: Denn sie wollte helfen – den Patienten genauso wie ihren Kollegen. Im Krankenhaus trug sie den Spitznahmen "Miss Betty" und übernahm in den Nachtschichten die Verantwortung für ihre jungen Kollegen. "Sie war bei den Jungen bekannt als persönlicher Therapeut und 'Work Mom'", erzählt ihr Sohn Carson Grier Jr. gegenüber CNN. Sie sorgte dafür, dass ihre Kollegen auch nachts daran dachten, genug zu essen und kümmerte sich um ihre Patienten genauso liebevoll wie um ihre Familie – zu der sie auch alle Mitarbeiter des Medical Centers zählte.

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Kein Wunder, dass die beliebte und geschätzte Frau zum Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 von allen Seiten zu hören bekam, sie solle Zuhause bleiben. Zu groß war die Angst, dass sich die 78-Jährige infizieren könnte. Doch sich genau in den Zeiten zurückzulehnen, in denen die Not am größten war, das kam für "Miss Betty" überhaupt nicht in Frage. Sie arbeitet härter als zuvor, bis sie sich im Dezember mit dem Coronavirus infizierte. "Sie arbeitete nicht weiter, um irgendetwas zu beweisen. Sie tat es, weil sie so war", so ihr Sohn. Das bestätigt auch Chuck Terrell, mit dem die Krankenschwester über 30 Jahre lang zusammengearbeitet hatte – und die zudem eine tiefe Freundschaft verband: "Ich konnte ihr nie klarmachen, wie sehr sie von allen hier geliebt wurde."

Wie tief der Schmerz über den Verlust von "Miss Betty" sitzt, lässt sich an den Abschiedsworten erahnen, die das Team auf Facebook postete. "Die ganze CVMC-Familie ist zutiefst traurig über den Verlust unserer Krankenschwester Betty Grier Gallaher an die Covid-19-Pandemie. Mrs. Betty hat über 43 Jahre lang im CVMC gearbeitet – und uns damit über die Hälfte der gesamten Unternehmensgeschichte begleitet."

Gegenüber CNN sagte Amy Price, CNO/COO des Coosa Valley Medical Centers: "Mrs. Betty hatte stets ein Lächeln auf den Lippen und hat alle ermutigt. Sie war eine Krankenschwester für alle Krankenschwestern. Sie verkörperte unsere Aufgabe, sich um Patienten zu kümmern – und zwar um den Geist, den Körper und die Seele. Wir trauern um sie und wir feiern ihr Leben."

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Kurz vor ihrem Tod hatten sich viele Kollegen in dem Zimmer von Miss Betty versammelt. "Ihre größte Angst war es, allein zu sterben", so Nikki Jo Hatten, die als Krankenschwester in der Notaufnahme arbeitet. "An dem Tag, als sie starb, versammelten sich alle Kollegen aus der Notaufnahme in ihrem Zimmer. Niemand wollte sie so sterben sehen, aber wir waren alle dankbar, dass wir bei ihr sein konnten."

Auf TikTok postete Nikki Jo Hatten ein Video, das viele schöne Erinnerungen an Betty Grier Gallaher zeigt. "Jedes Krankenhaus verdient eine Betty und wir wollten unsere damit teilen."

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