Ryanair plant für die neue Flugwelt: Masken, Hygiene und Toilettengang auf Anfrage

Bereit zum Wiederabheben: Ryanair plant ab Juli wieder vermehrt zu fliegen, jetzt veröffentlichte das Unternehmen die internen Maßnahmen. (Bild: Getty)

Bald sollen auch internationale Flüge wieder möglich sein. Welche Bedingungen dann auf die Passagiere zukommen, zeigt sich jetzt bei Ryanair.

Mit den zunehmenden Lockerungen in vielen europäischen Ländern hoffen auch die Fluglinien auf baldige Wiederaufnahme des touristischen Reisens. Klar ist aber auch, so unbedarft wie zuvor wird es zumindest zunächst nicht zugehen. Zu groß ist das Risiko, dass möglicherweise unwissentlich infizierte Patienten das Covid-19 Virus über Ländergrenzen hinweg verbreiten und so neue Wellen auslösen in Ländern, die zuvor nicht so heftig betroffen waren.

Besonders gilt das in Europa für Griechenland, Portugal und Kroatien, drei beliebte Reiseziele auch für Deutsche Touristen. Alle drei Länder haben die Pandemie bisher überraschend gut gemeistert, die Opferzahlen sind so niedrig wie in kaum einem anderen Land. Gleichzeitig ist der Tourismus aber ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so dass auch dort die Hoffnung wächst, doch noch einen Reisesommer zu erleben. Dafür bedarf es allerdings genauer, abgestimmter Pläne und Regularien. Und diese beginnen schon vor der Anreise.

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Die irische Billigfluglinie Ryanair veröffentlichte jetzt eine Reihe von Maßnahmen mit denen sie hofft, die Erlaubnis für eine Wiederaufnahme des Passagierverkehrs zu bekommen. Voraussetzung Nummer Eins ist das verpflichtende Tragen von Mundschutzmasken an Bord für Passagiere und Crew. Doch es gibt weitere Vorsichtsmaßnahmen, die sicheres Fliegen möglich machen sollen. So dürfen Fluggäste zwar die Bordtoiletten benutzen, das aber nur auf Anfrage an das Flugpersonal.

Auf der Website des Unternehmens teilte Ryanair mit, dass "viele der Abläufe über die von den Behörden geforderten Vorschriften hinaus angesprochen" worden seien. So ist geplant, jedes Flugzeug von innen mit einem Desinfektionsmittel in Krankenhausqualität zu reinigen und das zusätzlich zur normalen nächtlichen Reinigung. Die viel diskutierte Luftqualität sei gesichert durch effiziente HEPA-Luftfilter (High Efficiency Particulate Arrestors), mit denen jeder Ryanair-Flieger ausgestattet sei. Mit einer einer Effizienz von “mehr als 99,99 Prozent” werden so alle Partikel bis hin zu mikroskopisch kleinen Bakterien- und Virusclustern entfernt.

Am Juli 1000 Flüge täglich

Momentan befindet sich fast die gesamte Ryanair-Flotte am Boden, doch das Unternehmen plant, sein Angebot ab dem 1. Juli wieder deutlich zu erweitern. Dann sollen wieder fast 1000 Flüge am Tag stattfinden. Das wäre zwar immer noch nur etwa 40 Prozent des regulären Flugplans, würde aber ausreichen, um fast 90 Prozent des Flugnetzes wieder regelmäßig in geringerer Frequenz zu verbinden. Doch ob Ryanair und andere Fluganbieter wirklich im Sommer wieder abheben werden, liegt auch an externen Faktoren.

So müssten zunächst die in einigen Ländern nach wie vor geltenden Reiseeinschränkungen aufgehoben werden. Dazu müssen auch die Flughäfen an die Corona-Zeit angepasst werden. An vielen Standorten hat man zum Beispiel bereits damit begonnen, nach asiatischem Vorbild Fiebermessstationen aufzubauen, die möglicherweise kranke Passagiere schon vor dem Einstieg in ein Flugzeug herausfiltern könnten. Auch Konzepte zum Abstandhalten in Flughäfen und Fliegern werden diskutiert, die bei den Airlines sehr skeptisch betrachtet werden. Möglich wäre auch eine Art Gesundheitscheck als Flugvoraussetzung, wie sie von griechischer Seite vorgeschlagen wurde.

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Ryanair-Geschäftsführer Eddie Wilson zeigt sich überzeugt, dass eine Wiederaufnahme des Flugverkehrs bald möglich sein wird: "Nach vier Monaten ist es an der Zeit, Europa wieder zum Fliegen zu bringen, sodass wir Freunde und Familien wieder vereinen können, den Menschen eine Rückkehr zur Arbeit ermöglichen und Europas Tourismusindustrie neustarten."

Wilson stellte aber auch klar, dass sein Unternehmen eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen arbeiten wolle. Der Wille, bei den Fluggesellschaften, möglichst bald wieder durchzustarten, wird um so größer, je mehr der wirtschaftliche Druck wächst. Air France hat bereits an Bedingungen geknüpfte Staatshilfe erhalten, auch für die Lufthansa in Deutschland wird ein ähnliches Modell diskutiert. Die belgische Brussels Airline kündigte jüngst den Abbau von 1000 Stellen wegen den Folgen der Pandemie an und hofft auf Hilfe der Regierung.

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