Scheidungsrate in China sinkt um 70 Prozent: Das ist der Grund

·Freie Journalistin
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Um die drastisch steigenden Scheidungszahlen zu drosseln, beschloss die chinesische Regierung eine zwingende Bedenkfrist für trennungswillige Paare. Die jüngsten Zahlen beweisen deren Wirksamkeit. Doch in der Bevölkerung regt sich Kritik.

Was tun, wenn immer mehr Paare sich scheiden lassen? China ergreift umstrittene Maßnahmen (Symbolbild: Getty Images)
Was tun, wenn immer mehr Paare sich scheiden lassen? China ergreift umstrittene Maßnahmen (Symbolbild: Getty Images)

Verglichen mit den Zahlen des ersten Quartals 2020 ist die Zahl der Scheidungen in China in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Laut "CNN" stehen 1,06 Millionen Scheidungen nurmehr 296.000 gegenüber, das ist ein Rückgang um 72 Prozent. Doch der kommt nicht von ungefähr: Um die nötige "Sicherung der Familienstabilität und der sozialen Ordnung" zu gewähren, hatte die chinesische Staatsführung Anfang 2021 ein neues Gesetz erlassen.

Eine "Bedenkzeit" soll Scheidungen verhindern

Demnach tritt nach der Einreichung der Scheidungspapiere eine 30-tägige "Bedenkzeit" in Kraft, während der beide Partner ihr Veto gegen die Scheidung einreichen können. Wenn keiner von beiden diesen Schritt wählt, müssen beide einen zweiten Antrag stellen, um ihre Ehe tatsächlich scheiden zu lassen.

Frauen werden in unglücklichen oder gewalttätigen Ehen gehalten

In den sozialen Medien regte sich sofort Kritik am Trick der Regierung, der doch vor allem Frauen in gefährliche Situationen bringen könne. In 70 Prozent der Fälle sind es nämlich sie, die sich von ihrem Partner trennen möchten und aktiv werden. 

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Am größten ist die Gruppe der zuletzt stetig gewachsenen Gruppe an Scheidungswilligen bei den 36-45-Jährigen. Deren persönliche Freiheit werde durch das Gesetz beschnitten, meinen Kritiker. Mit der bitteren Konsequenz, dass die Frauen zwangsweise in unglücklichen oder sogar gewalttätigen Partnerschaften gehalten würden.

Klagen vor Gericht sind teuer und langwierig

Die chinesische Regierung versucht dieses Argument folgendermaßen zu entkräften: Opfern von häuslicher Gewalt steht es offen, eine Scheidung vor Gericht einzuklagen. Allerdings dauert dieser komplizierte und langwierige Prozess nicht nur deutlich länger als der bei der Regierung gestellte Antrag auf Auflösung der Ehe – er ist auch um einiges teurer und genau deswegen auch nicht für alle eine Option.

Keine Ehe, keine Kinder

Mit der Erschwerung der Scheidungen verfolgt die chinesische Regierung ein bestimmtes Ziel: Die Paare sollen vor allem deswegen zusammenblieben, um in der Ehe Kinder zu zeugen, die der Staat angesichts des demografischen Wandels mit einer immer älter werdenden Bevölkerung dringend braucht. Dabei ist das Problem durchaus selbstgemacht. 

Bis 2016 galt in China die sogenannte Einkindpolitik, seitdem eine Zweikindpolitik. Laut Nachrichtenagentur "Reuters" plant die Regierung jetzt, die Geburtenbeschränkung in den kommenden Jahren abzuschaffen.

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