Schönheits-OPs boomen dank Corona

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.
Einmal alles, bitte. Der Bedarf an Schönheits-OPs steigt in der Corona-Zeit vielerorts an. (Symbolbild: Getty)
Einmal alles, bitte. Der Bedarf an Schönheits-OPs steigt in der Corona-Zeit vielerorts an. (Symbolbild: Getty)

Während viele Kliniken überfordert von der Masse der Corona-Patienten sind, scheint eine andere medizinische Branche zu florieren. Ausgerechnet der Bedarf an Schönheits-OPs wächst vielerorts.

In einer weltweiten Pandemie würde man nicht unbedingt damit rechnen, dass die Menschen ihre kleinen Makel als größte Sorge haben. Anscheinend scheint das aber bei zahlreichen Menschen der Fall zu sein. In vielen Krankenhäusern wurden nicht dringende Operationen verschoben, um Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten.

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Doch eine medizinische Sparte hat trotz der Pandemie anscheinend einen überraschenden Zuwachs zu verzeichnen. Wie der britische Nachrichtensender BBC heraus fand, sind die Zahlen der Schönheits-OPs in vielen Ländern rapide angestiegen. Klinken in den USA, Australien und auch Südkorea und Japan meldeten einen spürbaren Anstieg an Patienten. Besonders beliebt scheinen dabei Operationen im Gesicht zu sein. Aus allen Ländern wurden laut BBC steigende Zahlen von Botox-Behandlungen, aufgespritzten Lippen, Nasen-OPs und Facelifts verzeichnet.

Verheilen hinter der Maske

Auch die Schönheitskliniken müssen sich an strikte hygienische Vorgaben halten. Sie führen regelmäßige Covid-19-Tests durch und haben ihre Reinigungsmaßnahmen verschärft. Dennoch strömen die veränderungswilligen Patienten in diesen Ländern in die Kliniken. Die Begründungen, die sie dafür haben, sind einleuchtend. In der Corona-Zeit könne man zum Beispiel die heilende OP-Wunde im Gesicht gut hinter einer Maske verstecken, sagte ein Frischoperierter der BBC. Ein weiteres schwerwiegendes Argument für eine OP zur aktuellen Zeit scheint die Möglichkeit zu sein, die Heilungsphase ungestört zuhause verbringen zu können. Ein Schönheitschirurg aus Texas erzählte dem Sender, dass es sogar mehr Patienten seien, als vor der Corona-Zeit. “Wir könnten sechs Tage die Woche operieren, wenn wir wollten,” sagte er im Interview.

Anstieg auch in Südkorea und Japan

Auch aus Südkorea, das ohnehin bekannt ist für seine Optimierungskultur, wird dieser Trend bestätigt. Zwar kommen wegen der Reisebeschränkungen deutlich weniger ausländische OP-Touristen. Dafür ist aber die Zahl der einheimischen Patienten angestiegen. Zu Beginn der Pandemie seien die Koreaner noch zögerlich gewesen, berichtet zum Beispiel das BK Hospital in Seoul. Doch dann hätten Kliniken in vielen Städten Rabatte für Einheimische angeboten und seitdem steige die Nachfrage sichtlich.

Laut BBC sagte ein Sprecher der Klinik in Seoul, die Zahl der Schönheits-OPs habe sich im Vergleich zum letzten Jahr um die Hälfte erhöht. Südkorea hat mit Japan gemeinsam, dass es keinen offiziellen Lockdown gab aber die Pandemie mit anderen Maßnahmen erfolgreich im Zaum gehalten werden konnte. Und so gibt es auch von den japanischen Inseln einen Anstieg an Beauty-OPs zu vermelden. Dort wollten sogar so viele Menschen behandelt werden, dass die japanische “Association of Aesthetic Medicine” eine Warnung heraus gab, in der sie darauf hin wies, dass Schönheits-OPs in den meisten Fällen nicht essenziell seien.

In dem Statement bat der Verband sogar darum, die Menschen mögen von OPs absehen, um eine weitere Verbreitung des Virus zu vermeiden. In eine ähnliche Richtung geht die Äußerung des sogenannten deutschen Schönheitspapstes Werner Mang, der die Bodenseeklinik in Lindau leitet. Mang hält nichts von Schönheits-OPs während der Corona-Pandemie. In einem Interview mit dem BR sagte er: “Die Gesellschaft kann in dieser Zeit auch mal auf Botox und aufgespritzte Lippen verzichten.” Es sei schön, auch mal etwas anderes zu tun. Ob die Zahlen auch in Deutschland trotz dieser Mahnung angestiegen sind, ist nicht bekannt.

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