Schreckt Mülltrennung Männer ab, weil sie glauben, dass es schwul wirken könnte?

Männer schrecken möglicherweise aufgrund geschlechtsspezifischer Wahrnehmungen davor zurück, den Müll zu trennen. [Foto: Getty]

Es dauert zu lange, es ist umständlich, der Nutzen ist nicht unmittelbar sichtbar – das sind nur ein paar der Gründe, weshalb die Leute nicht recyceln.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, der zur langen Liste an Ausreden hinzugefügt werden muss, weshalb einem der Planet egal sein kann: Man könnte dadurch schwul wirken.

Ja, richtig gehört.

Laut einer neuen Studie zeigen Männer, die heterosexuell erscheinen wollen, möglicherweise weniger umweltfreundliche Verhaltensweisen („pro-environmental behaviours“, PEBs), da diese sie „feminin“ erscheinen lassen würden. Und das wiederum würde bedeuten, dass sie als homosexuell angesehen werden.

Recycling gehört scheinbar in diese Kategorie – genauso wie das Benützen von Stofftaschen anstelle von Plastiktüten. Völlig albern, oder?

Studie mit 960 Teilnehmern

Die Studie umfasste 960 Teilnehmer und untersuchte die unterschiedlichen Auffassungen von Männern und Frauen gegenüber „weiblichen“ und „männlichen“ Aktivitäten.

Auch PEBs wie die Verwendung von Mehrwertbechern oder das Abschalten der Klimaanlage wurden als „feminin“ angesehen, da dies zur Wahrnehmung passt, dass Frauen fürsorgliche Kümmerer seien.

Die Teilnehmer bewerteten anhand einer 10-Punkte-Skala, ob jemand typisch maskulinen oder femininen Tendenzen entsprach.

Darauf basierend wurden sie anschließend gebeten, die sexuelle Identität der Person einzuschätzen.

Diejenigen, deren Verhalten ihrem Geschlecht entsprach, galten eher als heterosexuell. Menschen hingegen, deren Verhalten als nicht-geschlechtsspezifisch wahrgenommen wurde (wie zum Beispiel umweltbewusste Männer), wurden eher für schwul gehalten.

Das sagt die Professorin der Studie dazu

„In Anbetracht der Tendenz, den Umweltschutz als weiblich zu betrachten, wurden alle Leute eher weiblich als männlich eingeschätzt – unabhängig von ihren Verhaltensweisen“, sagte Professorin Janet K. Swim, Autorin der Studie.

„Wenn es einer Person wichtig ist, als heterosexuell angesehen zu werden, dann zieht sie genderkonformes Verhalten einem nicht-geschlechtsspezifischen, umweltfreundlichen Verhalten vor. Sie stellt sich vor, wie sie von anderen gesehen wird.“

Die Studie schlussfolgerte, dass manche Männer, die als heterosexuell angesehen werden wollen, eher dazu neigen, PEBs vermeiden – damit ihre Sexualität nicht infrage gestellt wird.

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“Menschen vermeiden gewisse Verhaltensweisen vielleicht, weil sie damit dem geschlechtsspezifischen Eindruck entsprechen, den andere – wie sie glauben – von ihnen haben. Oder sie werden vielleicht gemieden, wenn die von ihnen gewählten Verhaltensweisen nicht zu ihrem Geschlecht passen.“

Die Forschung mag damit zwar einen neuen häufigen Grund aufgedeckt haben, weshalb manche Menschen nicht recyceln, aber wir kommen trotzdem nicht darum herum, dass jeder seinen Beitrag zu leisten hat.

Von Geschäften mit Recycling-Initiativen bis hin zu ZeroWaste-Flügen – die Bemühungen in Sachen Umweltschutz sind in den letzten Jahren weltweit verstärkt worden.

Francesca Specter