17-Jährige findet Bild ihrer toten Schwester in Instagram-Werbung

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Eine junge Frau stieß auf Instagram auf das Bild ihrer Schwester. So weit so normal. Nur war ihre Schwester schon seit vier Monaten tot. Dennoch benutzte ein Internetunternehmen ein Foto der Toten, um Werbung für seine Dienste zu machen.

Bild: Getty Images

Amanda Gumban staunte nicht schlecht, als sie eines Tages auf Instagram surfte. Beim Scrollen durch die Seiten stieß die 17-Jährige auf das Foto ihrer Schwester. Das Pikante: Obwohl sich Lindsey Renee vier Monate zuvor mit 21 Jahren das Leben genommen hatte, war ihr Bild Teil einer Werbekampagne eines US-amerikanischen Therapie-Dienstleisters, der sein Angebot auch über Instagram vermarktet.

Die Werbung hatte Talkspace auf Instagram geschaltet, ein Dienstleister, der über Webseite und App Therapeuten mit Menschen mit psychischen Problemen vermittelt. Die Anzeige zeigt Lindsey Renee in einer Chat-Situation mit einer Online-Therapeutin. "Unser Familienessen war wirklich großartig", heißt es in einer Sprechblase neben dem Bild der jungen Frau. "Ich fühle, dass ich in den Ferien nicht wirklich ich selbst sein kann." Daraufhin antwortet die Therapeutin mit dem Profilnamen Holli: "Bleiben wir bei deiner Erfahrung mit dem Abendessen. Was genau fandest du großartig?"

Amanda ist sich sicher, dass dies nicht die Worte ihre Schwester sein können. Außerdem hätte Lindsey Renee sich nie damit einverstanden erklärt, Teil einer Werbekampagne von Talkspace zu werden und dafür auch noch ihr Bild zur Verfügung zu stellen. Die Krönung des Ganzen: Lindsey Renee war zu Lebzeiten nicht einmal Kundin von Therapie-Dienstleisters, auf dessen Plattform sie demnach auch kein Profil hatte. Wie kommen ihr Bild und ihre Lebensgeschichte also auf die Anzeige eines Online-Therapie-Vermittlers?

Woher stammt das Bild?

Nach einer langen Recherche haben Amanda und ihre Familie herausgefunden, dass Talkspace das Bild von Lindsey Renee von der Plattform eines anderen Dienstleisters erhalten – und zwar auf legale Weise. Jahre vor ihrem Tod ließ sich Lindsey Renee von einem Fotographen ablichten, der die Bilder auf der Foto-Webseite Unsplash publizierte. Da die hier angebotenen Bilder für die Online-Community kostenlos zur Verfügung stehen, konnte auch Talkspace sich daraus bedienen. So gelang das Bild von Lindsey Renee erst in den Besitz des Unternehmens, dann auf die Werbeanzeige.

Mittlerweile hat Talkspace die Anzeige von Instagram entfernt, wie das Magazin Mashable berichtet. Darüber sind Amanda und ihre Familie froh, die lange darum gekämpft haben. Unter dem Eindruck der ganzen Angelegenheit stehen sie aber offenbar nach wie vor. "Ich bin noch immer verstört darüber, wie sorglos ihr Foto in einer Therapie-App benutzt wurde, weil sie Opfer eines Selbstmordes wurde", erklärt Amanda.