Segen oder Plage? Warum gerade so viele Marienkäfer unterwegs sind

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Auf Mauern und Hauswänden, in Laubansammlungen und Fensterritzen treffen wir sie gerade gehäuft: Marienkäfer. Warum das besonders ist, wie man mit den kleinen gepunkteten Käfern umgehen sollte – und warum sie uns eigentlich Glück bringen sollen.

Warum sehen wir jetzt Mitte Oktober so viele Marienkäfer? (Symbolbild: Getty Images)

Im Frühling und Sommer, klar, da sind Marienkäfer zuhauf unterwegs: Die kleinen “Coccinellidae“, so der Fachbegriff für die gepunkteten Käfer, fliegen besonders bei warmem Wetter in Gärten und Parks, Wäldern und auf Gelände mit großem Wiesenvorkommen. Doch warum sehen wir jetzt, Mitte Oktober, so viele von ihnen - wenn der Winter quasi schon vor der Tür steht?

Viele Marienkäfer - aber keine Plage

Das gehäufte Vorkommen der Marienkäfer ist nach Angaben des Naturschutzbunds (NABU) grundsätzlich gar nicht so unnatürlich: Die Käfer versammeln sich jeden Herbst in Scharen, um ein geeignetes Winterquartier zu suchen. Gemeinsam, versteht sich, denn Marienkäfer verbringen die Zeit ihrer Winterstarre nur zwangsweise alleine und viel lieber in einer großen Gruppe, der so genannten Aggregation. Als Nützling, der sich vor allem von Schild- und Blattläusen ernährt, wird der Marienkäfer für die biologische Schädlingsbekämpfung gezüchtet – dass er in diesem Jahr auf natürliche Weise so vermehrt auftritt, ist also ein Grund zur Freude. Doch warum gibt es denn dieses Jahr überhaupt so viele?

Neben dem aktuell noch warmen Wetter, das es den Käfern möglich macht, sich bei der Quartiersuche Zeit zu lassen, ist es vor allem das nahrungsreiche Jahr, das besonders Marienkäfern einen schönen Sommer beschert hat: Viele Blattläuse als Futter im Sommer sorgten so indirekt auch für ausgiebigen Marienkäfernachwuchs.

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Welche Arten sind besonders viel unterwegs?

Neben den einheimischen Arten, die mit sieben Punkten auf rotem Körper, sind Insektenexperten zufolge vor allem die asiatischen Arten auf dem Vormarsch: Die Käfer mit bis zu 19 oder auch gar keinen Punkten auf gelbem oder schwarzem Körper kommen seit etwa 15 Jahren vermehrt auch hierzulande vor – zu viel, wie manche finden: Mittlerweile sollen die asiatischen Käfer mehr als die Hälfte der Marienkäferpopulation in Mitteleuropa ausmachen.

Am liebsten machen es sich Marienkäfer demnach in Hohlräumen gemütlich, etwa in Mauerritzen oder Dachsparren (Symbolbild: Getty Images)

Was tun mit den Marienkäfern?

Marienkäfer, die sich an Hauswänden in Gruppen versammeln, machen meist nur eine Pause auf ihrer Wanderung ins Winterquartier: “Krabbeln sie dabei durch offene Fenster in unsere Wohnungen, so geschieht dies eher zufällig“, heißt es dazu in einer Mitteilung des Nabu. Am liebsten machen es sich Marienkäfer demnach in Hohlräumen gemütlich, etwa in Mauerritzen oder Dachsparren, aber auch Laubhaufen in Gärten sind ein Unterschlupf für die Aggregationen. Wer im Garten oder auf dem Balkon derzeit auf Marienkäfer trifft, braucht also nicht zu reagieren – nach einer kurzen Verschnaufpause machen sie sich sowieso bald wieder auf den Weg.

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Warum bringen Marienkäfer eigentlich Glück?

Marienkäfer tragen ihren Namen nach der Heiligen Maria. Der Käfer gilt als Himmelsbote der Mutter Gottes, der besonders Kinder beschützen und Kranke heilen soll. Auch die Nützlichkeit der Coccinellidae für die Landwirtschaft hat zum Glauben beigetragen, dass die Käfer ein Geschenk der Heiligen Maria seien. Der Siebenpunkt-Marienkäfer wird in Schweden “Marias Schlüsselmagd“ genannt – die sieben Punkte stehen dabei für die sieben Tugenden der Maria.

Übrigens: Wer Marienkäfer von seinem Körper abschüttelt oder vertreibt, dem wird der Überlieferung nach Unglück erfahren. Und wem das noch nicht als Grund ausreicht, um die vielen Marienkäfer im eigenen Garten willkommen zu heißen, kann ja einfach schon mal an den kommenden Frühling denken – wenn die kleinen Glücksbringer wieder aus der Winterstarre hervorkommen und Blattläuse in rauen Mengen vertilgen.

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