Sexuelle Gewalt in Nordkoreas Diktatur: Ein offenes Geheimnis

Frauen müssen sich in der nordkoreanischen Diktatur fügen. (Bild: Reuters/Danish Siddiqui)

Menschenrechtsverletzungen stehen in Nordkorea an der Tagesordnung. Das ist nichts Neues. Doch die Ausmaße sexueller Gewalt, die nun die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in einem aktuellen Bericht offen legt, machen sprachlos.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

“Du schreist in der Nacht, aber weißt nicht, warum” lautet der Titel der 86-seitigen Studie, die die tägliche sexuelle Gewalt gegen Frauen in Nordkorea durch Staatsbeamte und Parteifunktionäre offen legt. Der systematische Missbrauch sei inzwischen so selbstverständlich geworden, dass er als Teil des täglichen Lebens wahrgenommen werde. Sucht sich ein Mann in einer Machtposition – darunter Parteimitglieder, Gefängniswärter, Polizeibeamte, Geheimdienstler, Staatsanwälte und Soldaten – eine Frau aus, habe diese keine andere Wahl, als sich seinen sexuellen Wünschen zu beugen.

In Kim Jong-uns Diktatur sind Menschenrechte nicht viel wert. (Bild: dpa)

Zum Schweigen gebracht

“Sexuelle Gewalt in Nordkorea ist ein offenes, unausgesprochenes und weitgehend toleriertes Geheimnis”, erklärt Kenneth Roth, Executive Director bei Human Rights Watch. “Nordkoreas Frauen würden vermutlich ‘MeToo’ sagen, wenn sie glauben könnten, dass es irgendeinen Weg gäbe, Gerechtigkeit zu erfahren, doch ihre Stimmen werden in Kim Jong-uns Diktatur zum Schweigen gebracht.”

Es wird Zeit, dass diese Frauen endlich eine Stimme kriegen. Mit ihrem Bericht hat Human Rights Watch den ersten Schritt getan, um das Problem in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit zu rücken. Zudem rief sie die Regierung in Pjöngjang auf, die Verbrechen auch als solche anzuerkennen und dementsprechend zu verfolgen. Nun muss auch die Weltgemeinschaft ihren politischen und wirtschaftlichen Druck dazu nutzen, um die Menschenrechtslage innerhalb Nordkoreas zu verbessern – auch für die Opfer sexueller Gewalt.