Sharing in der City: Diese Mobility-Services gibt es für E-Scooter, Autos und Co.

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

Ob auf dem Zwei- oder Vier-Rad unterwegs: Wer auch ohne eigenes Gefährt in deutschen Großstädten mobil bleiben will, sollte diese Anbieter für Car-, Bike- und Roller-Sharing kennen.

Schnell mit dem E-Tretroller nach Hause flitzen? Auch hierfür gibt es jetzt Sharing-Anbieter (Bild: Getty Images)

Man liebt sie oder man hasst sie, praktisch sind sie allemal: E-Tretroller, auch E-Scooter genannt, die in immer mehr Großstädten auf den Straßen unterwegs sind. Ob die wendigen kleinen Tretroller bald Autos, Motorrollern und Fahrrädern den Rang ablaufen? Wer sich noch keinen kaufen möchte, kann via Sharing-Anbieter losflitzen – genau so, wie es bereits mit Autos, Fahrrädern und Rollern geht. Hier die wichtigsten Anbieter für jedes Gefährt im Überblick.

E-Tretroller

In den deutschen Großstädten von München bis Hamburg, von Berlin bis Köln haben vor allem drei Anbieter das Sagen: Circ, Tier (beides deutsche Startups) und der US-amerikanische Share-Service Lime. Der schwedische Anbieter Voi verleiht seine E-Scooter zusätzlich zu Berlin, Hamburg und München auch in kleineren Städten wie Lübeck, Erfurt, Augsburg oder Bottrop.

Alle vier Anbieter haben eine Aktivierungsgebühr von jeweils 1 Euro, die Minutenpreise liegen tarifabhängig zwischen 15 und 20 Cents pro Minute, wobei Lime mit einem Pauschalpreis von 20 Cents pro Minute die Preisliste anführt, während Voi mit 15 Cents das untere Limit fixiert.

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Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass keiner der Roller schneller als 20 km/h fährt – doch der Vorteil, Staus zu vermeiden und den Scooter einfach am Zielort stehen lassen zu können, sticht für viele den Preis. Gezahlt wird mit Kreditkarte, die bei der fürs Mieten notwendigen App-Registrierung hinterlegt wird. Lime bietet zusätzlich noch eine Zahlung per Paypal an. Hier ist es auch möglich, ein Guthaben anzulegen.

E-Tretroller stehen in vielen größeren Städten bereit (Symbolbild: Getty Images)

Gut zu wissen für alle, die trotz Online-Map den nächsten Scooter einfach nicht entdecken können: Per App kann man sowohl bei Lime als auch bei Tier das avisierte Modell klingeln lassen, um es besser zu finden.

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Fahrräder

Die bekanntesten Privatanbieter in deutschen Großstädten sind Nextbike und das mittlerweile von der Deutschen Bahn betriebene Call-a-Bike, doch auch die orangenen Modelle von Donkey Republic aus Dänemark erobern die deutschen Stadt-Radwege. Der Basistarif bei Nextbike beträgt 1 Euro pro 30 Minuten, auch ein Monatstarif zu 10 Euro mit einigen Inklusivminuten pro Ausleihe ist möglich (je nach Stadt variieren die Tarife).

Call-a-bike wirbt mit verschiedenen Tarifen je nach Nutzungsbedarf: Gelegenheitsfahrer nutzen den Basistarif für 3 Euro pro Jahr plus 1 Euro je 30 Minuten, regelmäßige Mieter fahren mit dem Komfort-Tarif zu 9 Euro pro Monat plus 30 kostenfreien Minuten pro Nutzung billiger. Touristen greifen zum Tagespass für 15 Euro – Bahncard-Inhaber erhalten Ermäßigungen. Bei Donkey Republic wird die Miete günstiger, je länger man das Fahrrad für sich in Anspruch nimmt: Unter 15 Minuten wird ein durchschnittlicher Preis von 1,50 Euro fällig, für einen Gebrauch bis zu 12 Stunden zahlt der Donkey-Mieter 10 Euro. Den genauen Fahrpreis für die jeweilige Stadt und die gewünschte Dauer erfährt man in der App.

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Wer eine Zeitfahrkarte des öffentlichen Nahverkehrs abonniert hat, kann übrigens auch von den Leih-Fahrrädern der städtischen Verkehrsbetriebe profitieren: Die Minutenpreise für Abonnenten sind bis zu drei Cent pro Minute billiger (Basispreis zum Beispiel 8 Cent pro Minute in München beziehungsweise Paketpreis 36 Euro pro Jahr), auch mit Freiminuten werben die Verkehrsbetriebe bei ihren Kunden.

Achtung: Nicht alle Anbieter bieten das “Freefloating“-Prinzip an, bei dem man das Fahrrad einfach irgendwo im Stadtgebiet abstellen kann, oder sie verlangen für diese Extraleistung einen Aufpreis.

Roller

Orange und türkisgrün leuchten die mietbaren E-Roller von Emmy und Coup. Emmy verleiht seine kleinen Flitzer in Hamburg, München, Berlin, Stuttgart und Düsseldorf zu Preisen ab 19 Cent pro Minute beziehungsweise 29 Euro pro Tag. Das Bosch-Venture Coup ist neben Madrid und Paris in Deutschland bislang nur in Berlin und Tübingen vertreten und berechnet seinen Minutenpreis je nach Größe des erworbenen Zeitpakets: Bei einem Zeitpaket von 100 Minuten kostet jede gefahrene Minute 20 Cents, wer gleich 500 Minuten kauft, zahlt pro Minute nur noch 18 Cents.

Ohne Paket kostet jede Minute auf dem Roller 20 Cents bei einer Mindestmietzeit von 10 Minuten. Immerhin fast 50 grüne Roller namens „Frank-e“ hat der Frankfurter Energieversorger Süwag kürzlich in der Mainmetropole auf den Mietmarkt gebracht: Nach einer Anmeldegebühr von 9,95 Euro kostet jede gefahrene Minute 22 Cents. Klingt teuer? Vielleicht – doch schließlich haben auf einem Roller bis zu zwei Personen Platz, wer zu zweit unterwegs ohne viel Gepäck unterwegs ist, für den rechnet sich ein Roller allemal. Aufgeladen werden sämtliche Roller übrigens vom Betreiber.

Vorteil Roller: Man passt locker zu zweit drauf, was den Preis für viele relativiert (Symbolbild: Getty Images)

Autos

Ein Miet-Auto ist ein Miet-Auto ist ein Miet-Auto? Richtig, aber besonders beim Carsharing kommt es aufs Kleingedruckte an. Heißt: Neben den Kilometerpreisen ist entscheidend, ob der Anbieter auch Versicherung, Parktickets, Benzin, Strom und dergleichen übernimmt. Und auch der Verwendungszweck, die Dauer und die zurückgelegte Entfernung sind wichtig bei der Frage, ob sich der zunächst teuer wirkende Kilometerpreis vielleicht doch rentiert.

Im Anbieter ShareNow haben sich die bisherigen Wettbewerber DriveNow und Car2Go zusammengetan: Nach einer Anmeldegebühr von 29 Euro (auf Aktionen achten: Oft kostet die Registrierung kurzfristig nur 9,90 Euro) kann das Auto der Wahl ab 25 Cents pro Minute, 9 Euro pro Stunde oder 80 Euro pro Tag gemietet werden, am Ziel kann das Gefährt einfach abgestellt werden. Angeboten wird der Service in Berlin, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf.

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Sixt Share kombiniert das dynamische Freefloating-System des Carsharings in der City mit dem klassischen Autoverleih: Abgerechnet wird bei kurzen Fahrten minutenbasiert (ab 19 Cent). Der Switch zum Tagespreis (ab 59 Euro) folgt automatisch, wenn man mal länger unterwegs ist. Praktischer Service bei Spontantrips: Wer sich aus dem Geschäftsgebiet entfernt und seine Fahrt an einem anderen Ort beenden will, kann dies gegen eine Extragebühr tun, sofern es dort eine Sixt-Dependance gibt.

Carsharing, Rollersharing, Fahrrad-Sharing... der Mobilität sind in der Stadt fast keine Grenzen gesetzt - mit der richtigen App und dem nötigen Kleingeld (Symbolbild: Getty Images)

Die aktuellen Geschäftsgebiete von Sixt Share sind Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig, Bochum, Dortmund, Nürnberg und München. Übrigens: Die App von Sixt Share vereint unter dem Motto „Rent. Share. Ride“ alle Funktionen von Mietwagen, Carsharing und Fahrerservice – und auch E-Tretroller des Anbieters Tier lassen sich per Sixt-App buchen.

Fazit

Welches Angebot ist das Günstigste? Das entscheidet sich je nach Bedarf und Anlass des Fahrers. Habe ich viel oder großes Gepäck und eine relativ lange Strecke zurückzulegen? Dann muss es das Auto sein (aber bitte mit Versicherung und Benzin inklusive). Um innerhalb des Stadtgebiets mal eben bequem vom Büro nach Hause zu kommen, lohnt sich in der Rush Hour der vergleichsweise hohe Minutenpreis der E-Tretroller, während sich Miet-Fahrräder für entspannte Mittelstrecken vom See zum Restaurant eignen. Wer zu zweit unterwegs ist, kann sich innerhalb des Stadtgebiets kostengünstig auf den Roller schwingen. In jedem Fall unbezahlbar ist das Gefühl, das Sharing-Gefährt im Freefloating-System auf jedem Parkplatz abstellen zu können, ohne nach stundenlanger Suche noch ein Ticket lösen zu müssen.

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