Shitstorm: Diese Promis "verkaufen ihren Namen" für Saudi-Arabien

Antonia Wallner
Freie Autorin

Saudi-Arabien hat ein Imageproblem. Um wieder mehr Touristen in das Land zu locken, verfolgen die Behörden eine Online-Strategie, die nicht überall für Begeisterung sorgt. Jüngster Fall: Im Rahmen einer bezahlten Influencer-Kampagne luden sie viele bekannte Models, Schauspieler und andere Prominenz auf das MDL Beast Musikfestival ein – und bezahlten sie für positive Posts über ein Land, das sich bei Menschenrechten noch keinen Millimeter nach vorne bewegt hat.

Das MDL Beast Festival in Riad. (Bild: Getty Images)

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gibt sich gerne als der große Revolutionär, der wichtige neue Reformen ins Rollen bringt. So dürfen Frauen unterdessen ohne Begleitung Autofahren und ohne die Erlaubnis eines männlichen Familienmitglieds reisen, was vorher strikt verboten war.

Die Lage im Land hat sich nicht wirklich verbessert

Doch spätestens seit dem – noch immer offenen – Fall Khashoggi vor rund einem Jahr war für den Westen klar, dass Saudi Arabien noch weit von einer signifikanten Verbesserung der Situation im Land entfernt ist. Der brutale Krieg im Jemen, den Saudi-Arabien seit 2015 gegen die Huthi-Milizen führt, wird von den Vereinten Nationen als “größte humanitäre Katastrophe weltweit“ bezeichnet. Tausende versuchen aus dem Land zu flüchten, es grassieren Hunger, Durst und Krankheiten. Laut der Welthungerhilfe sind rund zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt.

Die Promotion des MDL Beast Festivals in Riad, das als “das größte Musikfestival der Region“ gepriesen wird, soll dazu beitragen, das angekratzte Image aufzupolieren. Prominente Influencer sollen mit Sponsored Posts begeistert für eine Reise in das Land werben. Darunter berühmte Models, wie Joan Smalls oder Alessandra Ambrosio sowie bekannte Schauspieler wie Ed Westwick. Auch queere Influencer wurden für ihre positive Ansicht über das Land bezahlt – was umso grotesker ist, angesichts der Haltung, die dort gegenüber LGBTQ herrscht.

Homosexualität ist noch immer eine Straftat

Homosexualität ist in Saudi-Arabien eine schwere Straftat, die mit Gefängnis und sogar der Todesstrafe geahndet werden kann. LGBTQ’s sind daher gezwungen, ihre Sexualität zu verstecken oder zu maskieren. Erst im Oktober sorgte der Fall des schwulen Influencers Suhail al-Jameel für Aufsehen, der wegen eines Bildes, das ihn in Badehose zeigte, angeklagt wurde. In einem Tweet schrieb der 23-Jährigen seinen Frust in die Online-Welt hinaus: "Es ist eine Schande, dass LGBTQ in Saudi-Arabien nicht willkommen sind, man im Geheimen leben muss und keinen Frieden findet. Ihr wollt Tourismus, aber ihr gebt uns keine Freiheit."

Für welche Summe verkauft man seine Moral?

Darauf aufmerksam machte der Instagram-Account “Diet Prada“, der für seine kritischen Enthüllungen in der Fashion- und Netz-Welt bekannt ist. Da stellt sich einem natürlich die Frage: Für welche Summe verkaufst du deine Moral? Die MDL Beast-Kampagne erntete massive Kritik, die Promis seien “schamlos“ und würden sich “an den Höchstbietenden verkaufen“, schrieb etwa das Transgender-Model Teddy Quinlivan.

Laut “Diet Prada” sollen die berühmten Gäste mit bis zu sechsstelligen Summen für ihren Besuch und die Werbung  bezahlt worden sein. Heraus kamen dabei dann Posts, wie der von Schauspieler Armie Hammer:

“Ich durfte gerade etwas sehr Besonderes erleben. Saudische Männer und Frauen, die sich ekstatisch über ein Event in ihrem Land freuen, von dem sie niemals gedacht hätten, dass sie es erleben durften. Es ist wie Woodstock in den 60er-Jahren. Soziale Evolution braucht seine Zeit, aber was ich heute gesehen habe, ist schon mal ein riesiger erster Schritt!“

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Oder auch der Post von Halima Aden, die als eines der ersten Models mit Hijab von einer großen Agentur unter Vertrag genommen wurde:

“Ich kann es kaum erwarten, das Königreich erneut zu besuchen! Vielen Dank an MDL Beast und die Bürger von Saudi Arabien.“

Doch es gibt auch Influencer mit moralischem Rückhalt, wie etwa US-Model Emily Ratajkowski, von der “Diet Prada” ein Statement veröffentlichte:

“Ich möchte meine Unterstützung für Frauenrechte, die Rechte der LGBTQ Community, die Presse- und Redefreiheit klarstellen. Das ist alles sehr wichtig für mich. Ich hoffe, dass ich durch mein Statement mehr Aufmerksamkeit auf die Ungerechtigkeiten in diesem Land lenke.“

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Die dunkle Seite: Belästigungen und Übergriffe an der Tagesordnung

Und anscheinend war auf dem MDL Beast auch nicht alles so schön wie der Schein, den die Influencer vorgaukelten. Besucherinnen berichten im Instagram-Feed des Festivals von Übergriffen, Belästigungen und mangelnden Sicherheitskräften. Auch das postete “Diet Prada“ in einer Instagram-Story:

In Pink markierte “Diet Prada“ die Beschwerden der Besucherinnen des Festivals.


“Das größte Event der Belästigungen in Riad“, heißt es von Besucherinnen.

Zwar ist Werbung mit Influencern heute die Regel für viele Brands, doch seinen Namen für ein Land herzugeben, das – trotz kleiner Zugeständnisse – noch immer massiv gegen die Menschenrechte verstößt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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