Sicher bei Gewitter: hüpfen, wenn es blitzt

Da braut sich was zusammen: Wenn ein Gewitter weniger als zehn Kilometer entfernt ist, können Blitze bereits lebensgefährlich sein. Foto: Symbolbild / gettyimages / tonisvisuals

Wenn es blitzt und donnert, schnell den Kopf einziehen und ab ins Auto? Oder besser Schutz suchen unter dem nächsten Baum? Und sind alle Bäume eigentlich gleich gut oder schlecht? Was ist mit Duschen während eines Gewitters? So verhalten Sie sich richtig, wenn draußen die Welt untergeht.

Mai bis September sind die Gewittermonate. So finden zur Zeit über 95 Prozent aller Blitze des gesamten Jahres statt. Das schreibt der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. „VDE“ in einer Broschüre über Blitzschutz. Schön anzusehen ist das Naturspektakel ja, aber auch gefährlich. Deshalb: Wie verhält man sich sicher bei Gewitter? Dunkel echot es da noch aus Schulzeiten:

Vor den Eichen sollst du weichen
und die Weiden sollst du meiden.
Zu den Fichten flieh mitnichten,
Linden sollst du finden,
doch die Buchen musst du suchen!

Aber stimmt das alte Wissen noch mit aktuellen Empfehlungen der Forschung überein? Eine Übersicht zum richtigen Verhalten im Gewitter.

Die Gefahren

Doch zunächst die Gründe dafür, wieso man die Gefahren, vom Blitz getroffen zu werden, minimieren sollte. Denn die Kraft dieses Naturspektakels ist zwar beeindruckend, aber mindestens genauso vermeidenswert: So schreibt „Planet-Wissen“, dass bei einem Blitz – das ist die elektrische Ladung, die den Spannungsunterschied zwischen einer Gewitterwolke und der Erde darunter ausgleicht – „100 Millionen Volt“ entstehen können und beim Einschlag für den „Bruchteil einer Sekunde ein Strom von rund 30.000 Ampere“ entsteht. Dabei wird die Luft um die Entladung auf etwa „30.000 Grad Celsius“ erwärmt. Durch die rapide Erhitzung dehnt sich diese „explosionsartig“ aus, was es donnern lässt.

Wer vom Blitz getroffen wird, was etwas weniger wahrscheinlich ist, als der berühmte Sechser plus Zusatzzahl im Lotto, dem drohen schlimme Verletzungen. Art und Schwere hängen dabei von der getroffenen Körperstelle ab und wie der Strom durch den Körper fließt und ihn verlässt. Meist entstehen aber Verbrennungen ersten bis dritten Grades, schreibt der VDE. Metallene Gegenstände, wie Uhren, Smartphones, Schmuck oder Schlüssel erhitzen sich dabei sehr schnell und können sogenannte „Strommarken“ in die Haut brennen.

Zudem kann es zu vorübergehenden Nerven- und Muskellähmungen kommen, Bewusstlosigkeit, Schädigung des Nervensystems, Knochenbrüchen, aber auch Herzschädigung sowie Atemstillstand kommen vor. Dann ist eine sofortige Reanimation notwendig und ein Notarzt muss gerufen werden.

Unter freiem Himmel

Also Unwetter besser meiden. Denn bei aktiven Gewittern treffen gut und gern über 100.000 Blitze die Erde. Besonders gefährdet ist, wer sich allein auf freier Fläche, einer Wiese etwa oder im Wasser aufhält. Denn Blitze suchen sich in der Regel den einfachsten Weg. Jörg Honerla, Physiker an der Universität Duisburg-Essen, rät im Saarländischen Rundfunk: „Man sollte versuchen, sich immer einen Graben oder eine Kuhle zu suchen, sich dort hinein zu hocken, die Füße aneinander zu halten, sich nicht mit den Händen abzustützen und so hingekauert hocken zu bleiben.“ Auf keinen Fall solle man sich auf den Boden legen, denn ansonsten könne der Strom durch den gesamten Körper fließen.

Schlägt ein Blitz in der Nähe auf dem Boden ein, breitet er sich kreisrund aus. Je weiter dann die Füße auseinander stehen, desto größer ist der Spannungsunterschied. Die sogenannte „Schrittspannung“ kann tödlich sein. Mit langen Schritten vor einem Gewitter wegrennen, birgt also Lebensgefahr. Experten raten laut Planet-Wissen, dass man sich hüpfend, mit geschlossen Beinen, aus dem Zentrum des Gewitters entfern soll – sofern es unbedingt sein muss.

Allein oder zusammen stehen?

Was auch wichtig ist: Nicht in Gruppen beieinander stehen und schon gar nicht an den Händen halten. Ansonsten wird die Fläche für den Blitzeinschlag vergrößert und der Strom fließt, im Falle eines Treffers, durch alle hindurch. Also Abstand halten, mindestens einen Meter.

Nicht in Gruppen, nicht auf freiem Feld – dann vielleicht tatsächlich Buchen suchen? Nein. Denn schlägt der Blitz in einen Baum ein, besteht Gefahr durch herumfliegende Holzsplitter, zudem kann der Blitz auf den Menschen daneben überspringen. Auch alle anderen Erhöhungen, die leicht vom Blitz getroffen werden können, sollten aus diesen Gründen gemieden werden – wie Masten, Metallzäune, Deiche oder Bergspitzen.

In einem Wald empfiehlt der VDE mindestens einen Abstand von zehn Metern zu umliegenden Bäumen, der Sicherheitsabstand zu Gebäuden oder Wänden beträgt drei Meter.

Auf felsigem Untergrund kann sich Blitzstrom über große Distanzen ausbreiten. Daher keine Felswände berühren, auch wenn das Gewitter weit entfernt erscheint. Sicher ist man, schreibt der VDE, in Höhlen und unter Felsvorsprüngen.

Besonders gefährlich ist während eines Gewitters übrigens das Golfspielen. Weil die Plätze sehr flach und frei sind und die Metallschläger hervorragende „Blitzableiter“, kommt es oft zu Verletzungen und auch Todesfällen auf Golfplätzen.

Blitze schlagen nie zweimal an derselben Stelle ein

Diese Regel ist keine. Im Gegenteil, hat ein Blitz schon einmal in ein hohes Gebäude eingeschlagen, dann vermutlich, weil es der höchste Punkt in der Umgebung ist. Somit besteht bei einem erneuten Gewitter durchaus die Chance, dass ein Blitz wieder dieselbe Stelle trifft. „T-online“ schreibt, dass das Empire State Building regelmäßig vom Blitz getroffen werde. Orte, die für Einschläge bekannt sind, sollten besser gemieden werden, wenn sich am Himmel was zusammenbraut.

Im Fahrzeug

Ja, der sogenannte „Faradaysche Käfig“ ist ein sicherer Ort. Blitze werden über die Karosserie abgeleitet und gehen über die Reifen in den Boden. Das gilt auch für Flugzeuge, schreibt der „MDR“. Nicht jedoch bei Motor- und Fahrrädern. Davon bitte absteigen und Abstand einnehmen.

Der Alltag zuhause

Nicht duschen, nicht abspülen, nicht waschen und Finger weg von sämtlichen Leitungen. Das gilt vor allem für Gebäude ohne Blitzschutzsystem. Es empfiehlt sich dann auch, alle Elektrogeräte, Antennen und Telefonanlagen vom Netz zu nehmen. Aber im Voraus, nicht während des Gewitters. Idealerweise sind die Geräte an einen Überspannungsschutz angeschlossen, dann muss im Falle nicht mehr daran herumgefingert werden.

Auch in neueren Gebäuden gibt es aus Expertensicht keinen absoluten Schutz, schreibt der Saarländische Rundfunk. So sagt Marc Klemm von der HTW Saar: „Kupferrohre und Eisenrohre leiten den Strom, wenn er mal im Haus ist, sehr gut.“ Er verteile sich dann wellenförmig im ganzen Haus und fließe möglicherweise schon durch die Leitungen, bevor er in die Erde abgeleitet werde. Also bei Gewitter einfach mal die Füße hochlegen und das Naturspektakel genießen.