Sind alternde Heldinnen in Hollywood unerwünscht?

Im Interview erzählte Charlize Theron von einem "tollen Beispiel dafür, wie dir Hollywood eine ins Gesicht verpasst." (Bild: Evan Agostini/Invision/AP)

Hollywood-Star Charlize Theron verriet kürzlich in einem Interview, dass sie beim einstigen "Wonder Woman"-Casting ein unerwartetes Angebot erhielt. Sie dachte zunächst, dass sie die titelgebende Superheldin spielen sollte. Das Ganze lief jedoch etwas anders ab - und verdeutlicht ein Problem in Hollywood, wenn es um die Besetzung von Frauenrollen geht.

Eine Kolumne von Carlos Corbelle

Auf die Frage, ob sie die Rolle der Wonder Woman im erfolgreichen Blockbuster aus dem Jahre 2017 abgelehnt hätte, erwiderte Theron bei "Watch What Happens Live with Andy Cohen", dass das nicht der Fall gewesen wäre: "Man sagte mir: 'Bei "Wonder Woman" geht es auch um Action, das solltest du wissen.' Und ich so: 'Ich kenne mich mit der Figur nicht aus, was macht Wonder Woman eigentlich?' Daraufhin stellte man klar: 'Nicht doch, es geht um Wonder Womans Mutter.'"

Theron konnte es nicht fassen: "Das ist ein tolles Beispiel dafür, wie dir Hollywood eine ins Gesicht verpasst, sobald du älter wirst."

Die Rolle der Wonder Woman ging schließlich an Gal Gadot. (Bild: Warner Bros.)

Gal Gadot, an die die Rolle der Wonder Woman stattdessen ging, ist mit 34 gerade mal neun Jahre jünger als die 43-jährige Theron. Connie Nielsen, die schließlich die Mutter von Wonder Woman spielte, ist mit 53 knapp 20 Jahre älter als Gadot - immerhin. Nun hätte eine Mutter-Tochter-Besetzung mit relativ kleinem Altersunterschied bei diesem Film durchaus Sinn ergeben, da mythische Amazonen wie Wonder Woman und deren Mutter Hippolyta wesentlich langsamer altern als Normalsterbliche. Und auch unabhängig von der Rolle der Mutter ist die Besetzung von Gadot total legitim. Die Frage ist nur: Hätte man Gadot auch zehn Jahre später noch als Titelheldin besetzt? Oder hätte man nicht doch auf eine jüngere Schauspielerin gesetzt, obwohl eigentlich nix dagegen sprechen würde, dass Wonder Woman von einer Frau in den 40ern gespielt wird?

Connie Nielsen übernahm die Rolle von Wonder Womans Mutter. (Bild: Warner Bros.)

Was Theron hier anspricht, trifft einen Nerv, ihre Empörung ist durchaus berechtigt. Ab einem gewissen Alter haben es Frauen in Hollywood wesentlich schwerer, Hauptrollen zu ergattern als Männer. Das war schon immer so. Zur Verdeutlichung der berühmte Vergleich zweier Filme von Sally Field und Tom Hanks. In der 1988er Komödie "Punchline" spielen die beiden die Hauptrollen, sind als potentielle Liebespartner zu sehen. Gerade mal sechs Jahre später - Sally Field ist zu dem Zeitpunkt 48, Tom Hanks 38 - spielt er die Titelrolle, sie eine Nebenrolle, er ist Forrest Gump und sie: Forrest Gumps Mutter.

Ein anderes, aktuelleres Beispiel: die "Terminator"-Reihe. Als Action-Heldin Sarah Connor ging Linda Hamilton in die Filmgeschichte ein. 1991, als sie im zweiten "Terminator"-Teil zu sehen war, war sie 35. 2015 besetzte man Sarah Connor in der - übrigens sehr schlechten - Fortsetzung "Terminator Genisys" nicht mehr mit der inzwischen 59 Jahre alten Linda Hamilton, sondern mit "Game of Thrones"-Star Emilia Clarke, die zu dem Zeitpunkt wesentlich erfolgreicher, aber auch: wesentlich jünger (29) war. Das i-Tüpfelchen: Arnold Schwarzenegger durfte die männliche Hauptrolle des Killer-Cyborg dagegen nach wie vor verkörpern - im stolzen Alter von 68 Jahren. Dabei sollte man meinen, dass Cyborgs das Alter gar nicht anzusehen ist...

Linda Hamilton kehrt als Sarah Connor zurück - in "Terminator: Dark Fate". (Bild: Twentieth Century Fox)

Dass es auch anders geht, zeigt aber ausgerechnet ebenfalls die "Terminator"-Reihe. So erscheint mit "Dark Fate" in diesem Jahr ein erneutes Sequel, das scheinbar einiges wieder gut machen will und daher endlich wieder Linda Hamilton in der Rolle der Action-Ikone Sarah Connor zeigt. Der Film könnte maßgeblich dazu beitragen, dass die Ungleichheit bei der Besetzung cooler, großer Action-Rollen abnimmt. Bei entsprechendem, kommerziellem Erfolg natürlich. Denn letztlich entscheidet im Filmbusiness immer dasselbe Argument: das Geld.

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