Smartphone und Co.: So werden Frauen im Alltag noch immer benachteiligt

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Im Gegensatz zu Männern können nicht alle Frauen ihr Handy so einfach einhändig bedienen. (Bild: Getty Images)


Diverse Feminismus-Bewegungen haben in den vergangenen Jahren ein starkes Zeichen gesetzt. Doch leben wir trotzdem immer noch in einer Welt, die für Männer gemacht ist?

Mit genau dieser Frage beschäftigte sich Journalistin und Feministin Caroline Criado Perez für die britische Zeitung “Daily Mail” und hob hervor, in welchen Alltagssituationen Frauen auch heute noch benachteiligt werden – vielleicht sogar ohne es selbst zu bemerken.

Größe des Smartphones

Man nehme zum Beispiel ein handelsübliches Smartphone. Der Screen eines solchen sei im Allgemeinen rund 14 Zentimeter groß und passe somit bestens in die Hand eines Durschnittsmannes. Einer Durchschnittsfrau fällt es hingegen gar nicht so leicht, das Handy mit nur einer Hand zu bedienen. Manchen ist es gar nicht möglich. Dass es sich hierbei nicht nur um eine Annahme handelt, macht ein Beispiel aus Perez’ Freundeskreis deutlich. Während ein Bekannter seine Zoom-Funktion ganz einfach bedienen konnte, hatte eine Freundin einige Probleme damit – obwohl sie das gleiche Handy besitzen.

Auch in Sachen Emojis spiegelte sich zu Beginn ein Patriarchat wider. Bevor aus den Symbolbildern für die virtuelle Kommunikation verschiedene Motive wurden, soll es zunächst nur ein Gender-Neutrales gegeben haben. Doch diverse Telefonunternehmen weltweit stellten dieses einfach als männlich dar. Die Macher hinter den Emojis mussten reagieren und machten aus ihrem Produkt Mann und Frau.

Benachteiligung fängt schon im Kindesalter an: Es fehlen oft weibliche Vorbilder, die Mädchen zeigen, dass auch sie alles schaffen können. (Bild: Getty Images)

Ursprung in der Schule

Bildung fängt bekanntlich in der Schule an. Doch ausgerechnet dort sollen Bezüge zu weiblichen Persönlichkeiten fehlen. Laut einer Analyse aus dem Jahr 2017 lagen die Referenzen auf Frauen in Lehrbüchern gerade mal bei 10,8 Prozent. Diese Unterrepräsentation kann große Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern haben.

Studien zufolge schätzen sich Mädchen, die mit etwa fünf Jahren eingeschult werden, so ein, dass sie genau wie Jungs “wirklich schlau” werden können. Innerhalb eines Jahres soll sich das aber ändern. Bei Spielen für “wirklich schlaue Kinder” fühle sich der Großteil der mittlerweile sechsjährigen Mädchen nicht mehr angesprochen.

Sicherheitslücken im Auto

Auch in der Autoindustrie macht sich die von Männern dominierte Welt deutlich. Laut Perez seien die durchschnittlichen Test-Dummies nämlich rund 177 Zentimeter groß und wiegen rund 76 Kilo – zudem haben sie männliche Muskelmaße und eine männliche Wirbelsäule, obwohl sich die von Männern und Frauen klar unterscheidet.

Diese Testweise führt zu Sicherheitslücken. Das Risiko, bei einem Unfall schwere Verletzungen davonzutragen, sei bei Frauen 47 Prozent höher, dabei zu sterben 17 Prozent höher. Da Frauen nämlich durchschnittlich kleiner als Männer sind, sitzen sie im Auto gewöhnlich weiter vorne. Laut Autobauern sei dies aber nicht die “Standardsitzposition” und dementsprechend gefährlicher.

Frauen beschweren sich oft, dass ihnen kalt ist – so das Vorurteil. Das könnte mitunter aber auch daran liegen, dass Raumtemperaturen bisweilen speziell auf Männer ausgerichtet sind. (Bild: Getty Images)

Frieren im Büro

Im Büro hat die eine oder andere Frau sicherlich schon mal gefroren, während sich die männlichen Kollegen pudelwohl fühlten. Dieser Zustand ist auf die Standardtemperatur zurückzuführen, die laut Perez in den 1960ern Jahren um den 40-jährigen, 70 Kilo schweren Durchschnittsmann entwickelt wurde. Doch Studien zufolge sei die Stoffwechselrate einer jungen Frau, die leichte Büroarbeit leistet, um einiges niedriger als die der Männer. Und somit sind Büros für weibliche Mitarbeiter grundsätzlich fünf Grad zu kalt.

Am Arbeitsplatz stellen sich für Frauen auch andere Herausforderungen – zum Beispiel schwere Türen, die für die Durchschnittsfrau nicht leicht zu öffnen sind. Wie Perez hervorhebt, finden sich in anderen Bereichen unseres Alltags noch viel mehr Unstimmigkeiten. Es ist also nach wie vor ein weiter Weg bis zur Gleichberechtigung.