So trainiert du deinen Körper, besser mit kalten Temperaturen umzugehen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Wir alle kennen diese Typen, die bei Eiseskälte nur im T-Shirt nach draußen gehen, während wir uns eine Schicht nach der anderen um den Körper schlingen und am Ende trotzdem noch frieren. Die gute Nachricht: Was der Körper aber als zu kalt empfindet, hat man zumindest ein Stück weit selbst in der Hand.

Wenn dir immer kalt ist, ist es gut zu wissen, dass du deinen Körper trainieren kannst, um der Kälte viel besser zu widerstehen. (Bild: Getty Images)

Christopher Minson ist Professor für menschliche Physiologie an der University of Oregon und hat eine Botschaft an alle menschlichen Frostbeulen, die sich über die Wintermonate am liebsten ausschließlich in gut beheizten Räumen aufhalten: Wer will, kann sich selbst so trainieren, dass er Kälte viel besser aushalten kann.

Wer sich nie extremeren Temperaturen aussetzt, hält sie immer schlechter aus

Gegenüber dem britischen ”The Guardian“ erklärte er, warum sich Menschen gerade heute so schwer mit Kälte tun: Sie bewegten sich von ihrem perfekt temperierten Zuhause in ihr Auto, das entweder heizt oder kühlt und genauso sei es auch mit den Räumlichkeiten bei der Arbeit. Gesund sei das nicht, und vor allem verkümmerten darüber die Mechanismen des Körpers, sich an die jeweiligen Temperaturen anzupassen. Die Folge: Die Bandbreite der Temperaturen, die wir als angenehm oder auch nur akzeptabel befinden, wird immer kleiner.

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Frauen und ältere Menschen frieren leichter

Wie warm einem Menschen sei, hänge vor allem von seinem Stoffwechsel ab und damit von der Frage, wie viel Energie wir produzieren. Wer mehr Muskelmasse habe, gewinne auch mehr Energie aus der Nahrung, weshalb Männer in diesem Punkt im Vorteil seien. Weil der Stoffwechsel von älteren Menschen langsamer sei, frieren auch sie schneller. Und doch gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen, die jeder selbst ergreifen könne, um sein Kälteempfinden zu steuern.

Kälte signalisiert dem Gehirn Gefahr

In der Haut, den Muskeln, den Organen und dem Gewebe befinden sich Thermorezeptoren, die Informationen an den Hypothalamus weiterleiten, in dem der Körper seine Temperatur reguliert. Bekommt der Körper die Information, dass die Temperatur unter einen bestimmten Punkt gesunken ist, versetzt ihn das in Alarmbereitschaft und die Gefäße verengen sich, um die Wärme besser zu halten.

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Jacke weg, kaltes Wasser an

In einem Selbstversuch begann Minson damit, im Winter die warme Jacke wegzulassen, wenn er mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr. Innerhalb von nur einer Woche sei es leichter geworden, sagte er, und nach ein paar Wochen hätte sich sein Kälteempfinden maßgeblich verändert. Auch in der Dusche setzte er sich zunächst 15 Sekunden lang dem kalten Wasserstrahl aus, bevor er die Zeitspanne nach und nach bis auf eine Minute steigerte. ”Am Anfang ist es furchtbar“, gab er gegenüber ”The Guardian“ zu, ”aber man gewöhnt sich daran“. Und weiter: ”Nach einem oder zwei Monaten habe ich bemerkt, dass ich weniger friere als vorher.“

Das Gehirn muss lernen, Kälte nicht automatisch als Bedrohung zu deuten

Die Erklärung: Gewöhnt an die Kälte melden die Thermorezeptoren dem Gehirn nicht mehr, dass man sich in Gefahr befindet. Der Körper hat gelernt, dass er mit der Kälte klarkommt. Ein anderer positiver Effekt könnte darin bestehen, dass der durch Kälte trainierte Körper effektiver Wärme produziert. ”Vielleicht durch einen verbesserten Stoffwechsel, vielleicht durch eine bessere Gefäßverengung“, sagt der Professor. Hierzu seien weitere Forschungen nötig. Was noch dabei hilft, um warm zu bleiben: Wer zum Beispiel bei der Arbeit lange sitzt, sollte vorher Sport machen. Und natürlich ist Sport immer gut, weil dadurch Muskelmasse aufgebaut wird, die den Stoffwechsel verbessert.

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