So viele Tage dauert es, um "schlechte" Angewohnheiten loszulassen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Weniger Zeit am Smartphone, mehr Sport, eine aufgeräumtere Wohnung oder gesünderes Essen: Vorsätze wie diese haben wir alle, und doch ist es oft schwer, sie endlich anzugehen und dann auch durchzuhalten. Tatsächlich braucht das Gehirn viel kürzer als man meinen könnte, um sich von alten Verhaltensweisen zu lösen und sich an neue zu gewöhnen.

Die Chips durch Obst ersetzen? Wer damit anfängt, seine Routine zu ändern, muss nicht lange auf das Erfolgserlebnis warten! (Bild: Getty Images)

Mit einer Tüte Chips auf der Couch zu lümmeln und seine Lieblings-Serie zu gucken, kann das beste und gemütlichste auf der ganzen Welt sein. Sich mit dem Smartphone auf dem Laufenden zu halten oder schnell den Weg zum nächsten Termin abchecken, ist unbestritten praktisch. Die Wohnung vergammelt nicht gleich, wenn du mal ein paar Tage nicht aufräumst. Deine Freunde vergessen dich nicht, wenn du eine Weile nichts mit ihnen unternimmst. Und die Welt geht nicht unter, wenn du dir im Supermarkt einen Salat in Plastikfolie kaufst.

Abseits von Gewicht und Kleidergröße: Diese Trainingsziele motivieren dich wirklich!

Jeder hat andere Ziele

Trotzdem sind genau das die Situationen, die einem auf Dauer auf die Nerven gehen können. Endlich mal anfangen mit dem Sport, nicht ständig aufs Smartphone gucken, zuhause klar Schiff machen, um sich wieder wohl zu fühlen und im Alltag mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen sind Ziele, wie sie jeder von uns hat. Und doch kann es schwerfallen, sie langfristig in den Alltag zu integrieren.

Das Gehirn strebt nach Routinisierung

Das Problem ist folgendes: Das Gehirn nutzt Gewohnheiten und Routinen, um sich zu entspannen und so Energie für wichtige Entscheidungen und Überlegungen zu sparen. Dazu laufen Automatismen wie der abendliche Griff in die Chipstüte in den Basalganglien als evolutionsgeschichtlich alten Hirnstrukturen ab, ohne dass wir über sie nachdenken.

Die Vorgänge für bewusstes Handeln laufen dagegen im Frontalkortex ab und erfordern Zeit. Genau dort müssen wir ansetzen, um Gewohnheiten aus den wesentlich schneller anlaufenden Basalganglien zu ändern.

Sich die ersten Male zum Joggen aufzuraffen, wird eine Herausforderung. Doch nach einiger Zeit willst du nicht mehr darauf verzichten. Versprochen! (Bild: Getty Images)

Neue Routinen: So hält man gute Vorsätze garantiert ein

Umgewöhnung braucht nur 66 Tage

Im Rahmen einer Studie des University Colleges in London sollten 96 Studenten, im Schnitt 27 Jahre alt, eine neue, gesunde Routine in ihr Leben bringen. 84 Tage lang machten sie morgens zum Beispiel 50 Sit-ups oder ersetzen ihr ungesundes Mittagessen durch eine Obstration. Dazu protokollierten sie täglich, wie schwer ihnen die jeweilige, neu zu etablierende Routine fiel. Das Ergebnis kann wirklich allen Mut machen.

Laut der Wissenschaftlerin Philippa Lally dauerte es nur 66 Tage, bis die Teilnehmer sich nicht mehr überwinden mussten. In dieser Zeit hatte sich das Gehirn an die neue Übung gewöhnt, die Probanden empfanden sie nicht mehr als lästig, anstrengend oder Verzicht, sondern als Selbstverständlichkeit, die sogar als angenehm empfunden wurde. Wer also morgen die erste Runde joggen geht, statt ewig auf die Snooze-Taste zu drücken, wird also schon Mitte Juli nicht mehr auf den Frühsport verzichten wollen!

VIDEO: Spiel mit dem Feuer: Britney Spears fackelt Fitnessstudio ab