Sozialismus statt Kapitalismus: Neue Variante von Monopoly ist für viele gewöhnungsbedürftig

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Beim klassischen Monopoly gewinnt immer der, der es geschafft hat, einen Haufen teurer Immobilien anzuhäufen und seine Mitspieler bis zur Insolvenz zu ruinieren. Dass der Spielwarenhersteller Hasbro nun eine Sozialismus-Edition des Spieleklassikers auf den Markt gebracht hat, ist trotzdem alles andere als Kritik am Kapitalismus.

Den Brettspielklassiker Monopoly gibt es in vielen Varianten. Die neueste Version findet aber nicht nur Fans. (Bild: Hasbro)

Es dauert ewig, kann ungemein frustrierend sein und die Kasse sollte nur in die Hände des Spielers kommen, der moralisch zutiefst integer ist. Monopoly gehört seit Jahrzehnten zur Spielausstattung vieler Haushalte weltweit und präsentiert sich immer wieder in neuem Gewand. Mit Spezial-Editionen aus Metropolen wie Berlin, Frankfurt oder Mannheim sollen die Spieler ebenso bei Laune gehalten werden wie mit Monopoly im “Herr der Ringe“-, “Game of Thrones“-, oder “Fortnite“-Style. Mehr als 150 Varianten gibt es bisher, doch die neueste ist besonders umstritten.

Schon die Werbung strotzt vor Klischees

In den USA gibt es mit “Monopoly Socialism“ jetzt den scheinbar ultimativen Antagonismus zu dem Spiel, das für den Kapitalismus steht wie kein zweites. In der Spielbeschreibung heißt es laut des Magazins “Time“, die Spieler müssten “zusammenarbeiten und eine bessere Gemeinschaft schaffen, indem Projekte wie ein veganes Restaurant, eine Walldorf-Schule oder ein Museum der gemeinsamen Schöpfung verwaltet und finanziert werden. Aber niemand hat gesagt, dass kooperieren einfach ist!“

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Und weiter: “Sie werden Probleme mit Ihren Nachbarn bekommen, Ihre DIY-Gemeinschaftsprojekte werden schief gehen und Sie stimmen ständig dafür, dass alles wieder durchgerüttelt wird. Und dazu gibt es immer einen Notfall, der mit Gemeinschaftsmitteln finanziert werden muss.“

“Kleingeistig und jämmerlich“

Wer jetzt denkt, Hasbro hätte damit eine linke Alternative zum klassischen Monopoly entwickelt, irrt. So stellte zum Beispiel der Historiker Nick Kapur von der Rutgers University in mehreren Twitter-Posts dar, warum das Spiel aus seiner Sicht “kleingeistig“, “jämmerlich“ und “wenig sachkundig“ sei.

Dass als Spielfiguren zum Beispiel eine Schreibmaschine, eine Taschenuhr und ein Grammophon verwendet würden, solle wohl darstellen, dass Sozialismus ein total veraltetes System sei.

Zudem mache sich das Spiel zum Beispiel über Umweltschutz und demokratische Wahlen lustig, Steuern flössen unsinnigerweise in eine Privatbank und überhaupt hätten die Entwickler offensichtlich nicht verstanden, was Sozialismus eigentlich bedeutet und wie er funktioniert. Als Zielgruppe kommen für den Wissenschaftler vor allem “hasserfüllte Babyboomer“ in Frage, “die während des Kalten Krieges aufgewachsen sind und von allem getriggered werden, was Menschen unter 40 tun.“

Unter dem Hashtag #monopolySocialism kommentierte eine andere Twitter-Userin das Spiel als Verkörperung des Sozialismus, wie ihn u.a. der US-Präsident Donald Trump sehe: Alles sei grau und es gebe kein Essen.

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Für die Befürworter ist das Spiel eine Mahnung

Eine andere Userin behauptete dagegen, das Spiel verdeutliche mit lustigen Beispielen, zu welchen Horrorszenarien Sozialismus führen könne. Vor allem die Generation der Millennials sollte daraus lernen:

In dieselbe Richtung zielen auch die zahlreichen Kommentare, die der republikanische US-Senator Ted Cruz abgab. Er nahm die Kritik des Historikers Kapur an dem Spiel auf und stellte dazu folgende Frage: “Warum fürchten sich linke Akademiker so davor, wenn man die offensichtlichen Fehler des Sozialismus aufzeigt?“

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Zynisch schlug er weitere Editionen zu Venezuela, Kuba, der Sowjetunion und der DDR vor, bei der man eine Mauer durch das Wohnzimmer bauen und jeden erschießen müsse, der versuche, in den Westen zu kommen.

In der Universitäts-Variante wüchse das Geld auf den Bäumen, alles wäre umsonst, niemand würde arbeiten und jeder bekäme eine eins:

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Auch der Konservative bekam Gegenwind

Klar, dass der konservative Sozialismuskritiker wiederum kritisiert wurde. User wiesen u.a. auf die desaströs ungerechte Verteilung des Vermögens in den USA hin und schlugen ein Monopoly-Spiel vor, in dem Steuern dafür benutzt würden, um die Gesundheitsversorgung und Kinderbetreuung zu finanzieren, Schulen mit Büchern auszustatten, die aus diesem Jahrundert stammten und Straßen und Brücken zu bauen, die nicht einfach einstürzten. Wie diese Edition heiße, wäre dann zweitrangig:

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