Coachella: Warum redet niemand über die homophoben Ansichten des Veranstalters?

Katja Schweitzberger

Das Coachella ist nicht einfach irgendein Festival unter all den Festivals, die sonst so stattfinden. So nahmen vergangenes Jahr immerhin 250.000 Gäste teil. Gerade begeisterten Weltstars wie Beyoncé und The Weeknd am ersten Wochenende das Publikum und kaum eine andere Veranstaltung wird auf Instagram so gern gehassliebt wie das Open-Air in Palm Springs. Doch während man in Anbetracht des Unmuts gegenüber Blumenkränzen und Fransenjacken vielleicht noch von Ticket-Neid sprechen könnte, darf man dem Gründer mehr als skeptisch gegenüberstehen. Philip Anschutz, Inhaber des Entertainmentunternehmens AEG, ist mit einem Vermögen von ungefähr 12.9 Milliarden Dollar einer der reichsten Amerikaner – und unterstützt unter anderem fragwürdige Organisationen wie die Alliance Defending Freedom, die National Christian Foundation (NCF) und das Family Research Council (FRC). Das geht aus einem Bericht der Washington Post von 2016 hervor.

Die NCF protegiert zum Beispiel Gruppen, die aggressiv gegen die Gleichberechtigung von LGBT vorgehen. Das FRC lässt auf seiner Homepage an, dass „homosexuelles Verhalten für die Beteiligten selbst und für die gesamte Gesellschaft gefährlich ist“. Das Southern Poverty Law Center hat die Vereinigung sogar als extremistische Gruppe eingestuft.

Außerdem gibt Anschutz vielen zweifelhaften Politikern mit Spenden finanzielle Schützenhilfe. 2017 machte er insgesamt 200.000 Dollar locker. Senator Cory Gardner, ein Verfechter der Waffenrechte, wurde mit 5.400 Dollar bedacht. Der Abgeordnete Mike Coffman, der sich gegen Abtreibungen stark macht und in der Vergangenheit Obama unterstellt hat, nicht in den USA geboren zu sein, erhielt ebenfalls 5.400 Dollar von dem Unternehmer.

Anschutz' Unterstützung gilt außerdem Anti-LGBT-Gruppen wie Gordon Klingenschmitts ‚Pray in Jesus' Name’. Afro Punk veröffentlichte 2017 einen Post, der auf die Problematik hinweist. Laut Greenpeace gelten viele der Organisationen, denen der Unternehmer hilft, obendrein als bekennende Bezweifler des Klimawandels, was natürlich im Kontrast zu den Nachhaltigkeitsbemühungen auf dem Coachella-Festival steht, ganz abgesehen davon, dass etliche der gebuchten Künstler lebende Beispiele zu Anschutz' Haltung in Sachen LGBT sind. Nachdem der Druck durch #BoycottCoachella im vergangenen Jahr immer größer wurde, hat Anschutz ein offizielles Statement herausgegeben, dass alle Anschuldigungen gegen ihn Fake News wären, was im Kern der Sache letztlich eine Fake-Verteidigung ist. Jezebel und Daily Beast wissen es sowieso besser.

Wenige Künstler wie die Punkband Downtown Boys haben sich zur Problematik geäußert, während die Sängerin Mitski via Twitter zugegeben hat, dass es für sie schlimmer gewesen wäre, nicht beim Coachella zu spielen. Das denken sicher viele Künstler, immerhin ist das Festival eine der größten Musikveranstaltungen auf der Welt. Mehr Integrität würde man sich dennoch gerade von politisch aktiven Künstlern wünschen – und vom Publikum natürlich auch. Vielleicht braucht es dafür nur noch ein paar prominentere Beispiele, die nicht nur die Blumenkränze und das Riesenrad auf Instagram nervig finden.

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