Stadionverbot: Iranische Frauen verkleiden sich, um Fußball schauen zu dürfen

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ist bereits in vollem Gange und die ganze Welt erfreut sich an dem sportlichen Großereignis. Ob beim Public Viewing im Park, im Café nebenan oder aber im Stadion– besonders viel Spaß macht Fußballgucken doch gemeinsam in der Gruppe. Doch iranischen Frauen bleibt der Zutritt ins Fußballstadion im Iran verwehrt. Über dieses Verbot setzten sich kürzlich aber fünf Frauen hinweg.


„5 Mädchen schleichen sich in Verkleidung ins Azadi-Stadion, um Persepolis’ Meisterschaft in Persiens Gulf Pro League zu feiern.“

Weltweit erfreut sich auch der Frauenfußball wachsender Beliebtheit. In den Stadien bereichern weibliche Fußballliebhaberinnen die Fan-Kultur ungemein. Doch im Iran, einem Teilnehmerland der Fußball-WM 2018, gehört sich ein Besuch für Frauen im Sportstadion nicht. Seit fast 40 Jahren gibt es ein inoffizielles Stadionverbot für Frauen. Der Grund: Der einflussreiche iranische Klerus findet, islamische Frauen haben insbesondere in Fußballstadien mit frenetischen Männern und möglicherweise vulgären Slogans nichts zu suchen. Das Sportministerium hatte als Kompromiss bereits eine Familientribüne vorgeschlagen, dies wurde vom Klerus allerdings abgelehnt. Obwohl es kein geschriebenes Gesetz gibt, das Frauen einen Stadionbesuch offiziell verbietet, müssen sie mit empfindlichen Strafen rechnen. Berichten des Senders BBC zufolge wurden allein im März dieses Jahres 35 Frauen festgenommen, als sie versuchten, ein Fußballspiel zu besuchen.

Fünf Frauen wollten sich jedoch nicht abhalten zu lassen und schafften es mit aufwendiger Verkleidung tatsächlich ins Teheraner Azadi-Stadion. Kurzhaar-Perücken, aufgeklebte Bärte und Herrenbekleidung erlaubten es den Iranerinnen, ein Spiel der Mannschaft Persepolis Teheran zu sehen.

Eine der Frauen sagte später  der BBC, sie habe die Verkleidung und das Make-up mit Hilfe von Internet-Tutorials hinbekommen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Frauen sehen wirklich aus wie junge Männer. Auf Nachfrage des britischen Senders, ob sie denn keine Angst vor Entdeckung habe, gab sie an, dass sie sich davor nicht fürchte. Es gäbe ja schließlich kein offizielles Gesetz, das den Zutritt für Frauen verbiete und von vielen männlichen Fans im Stadion hätten sie auch unterstützende Kommentare erhalten – diese hatten sie nämlich doch erkannt.


„Iranische Mädchen, die sich verkleidet ins Azadi-Stadion schlichen, jubeln ihrem Team zu.“

Um andere Frauen zu ermutigen, sich ebenfalls mit diesem Trick die Möglichkeit zu verschaffen, ins Fußballstadion zu kommen, veröffentlichten die fünf Frauen mehrere Fotos und Videos auf Twitter.

Am 15. Juni beim Spiel des Iran gegen Marokko in St. Petersburg wurde dieses Plakat hochgehalten. (Bild: Getty Images)

Doch eine Dauerlösung kann auch das nicht sein, und so gibt es mehr und mehr – wenn auch verhaltene – Proteste, um auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen: Beim ersten Gruppenspiel der Fußball-WM des Iran gegen das Team von Marokko war im Publikum das Plakat mit dem Hashtag #NoBan4Women (deutsch.: kein Verbot für Frauen) mit der Forderung zu sehen, iranische Frauen dabei zu unterstützen, ins Stadion zu dürfen.

Denn das Problem betrifft nicht nur den Fußball, auch bei Basketballspielen oder ähnlichen Stadion-Events sind Frauen nicht gern gesehen. Bei Spielen der Frauenmannschaften sind generell überhaupt keine Zuschauer erlaubt, darüber hinaus müssen die Spielerinnen selbst Kopftücher tragen.

Während in Russland die Spannung um den Sieg bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft steigt, ist der Iran in Sachen Gleichberechtigung von Frauen und Männern immer noch viele Schritte zurück. Denn noch vor der Islamischen Revolution 1979 konnten Frauen ohne Kopftücher in der Öffentlichkeit sein und jegliche Sportveranstaltung besuchen.