Supermodel-Fotograf Peter Lindbergh ist gestorben

Anne Borchardt
Editor in Chief Yahoo Style & Entertainment

Der international bekannte deutsche Mode- und Starfotograf Peter Lindbergh ist tot: Er starb mit 74 Jahren, wie seine Familie am Mittwoch in Frankreich mitteilte. Lindbergh arbeitete für berühmte Modeschöpfer wie Jean-Paul Gaultier und Giorgio Armani sowie für internationale Magazine wie "Vogue" und "Vanity Fair" sowie den deutschen "Stern". Er prägte die Modefotografie vor allem mit seinen markanten Schwarzweißbildern.

Der Fotograf Peter Lindbergh ist tot. Viele Models wären ohne ihn nicht zu "Supermodels" geworden. (Bild: Getty Images)


Berühmt sind seine Bilder der Models Naomi Campbell, Linda Evangelista, Tatjana Patitz, Christy Turlington und Cindy Crawford. Lindbergh gilt als "Vater" von Supermodels. Zu seinen bedeutendsten Cover-Shootings zählt das Titelblatt der britischen Vogue vom Januar 1990, auf dem Linda Evangelista, Naomi Campbell, Cindy Crawford, Christy Turlington und Tatjana Patitz, damals junge Models, zum ersten Mal gemeinsam von Lindbergh fotografiert wurden.

Kürzlich fotografierte Peter Lindbergh alle starken Frauen, die das Cover der besonderen September Issue, die in Zusammenarbeit mit Herzogin Meghan Markle, in Großbritannien erschien. Für dieses Shooting standen Hollywoodstars wie Salma Hayek und Jane Fonda, die Klimaschutzkämpferin Greta Thunberg und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Arden vor seiner Kamera.

Bei seinen Werken ging es ihm stets darum, Klischees zu vermeiden. Peter Lindbergh legte Wert darauf, Frauen in ihrer natürlichen Schönheit abzulichten - meist ohne oder mit wenig Make-Up. “Selbst Modefotografen - auch wenn man es nicht annehmen sollte - haben eine Form von Verantwortung.” Die heutige Darstellung von Frauen in Medien prangerte er darum an: “Es ist heute so vor den Hund gegangen, wie Frauen in Magazinen aussehen”, sagte er. Das liege an Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop, die alle Hinweise auf ein gelebtes Leben auslöschen könnten.

So wurde beispielsweise auch sein besonderes Cover von Helene Fischer für die deutsche Ausgabe der Vogue hochgelobt. Eben weil es sich von den zahlreichen bearbeiteten Titelblättern unterscheidet. Die Schwarz-Weiß-Fotos erinnerten stark an die 90er Jahre. In einem Video sagte Fischer beim Angucken der Bilder: “Oh Gott, ist das ehrlich, Wahnsinn” und “Ich habe noch nicht mal meine Wimpern getuscht!” Lindbergh sagte über das Shooting, er sei ganz beseelt nach Hause gegangen.

Auch waren es seine Natürlichkeit, Offenheit und Fröhlichkeit, die ihn zum Lieblingsfotografen vieler Models machte. Die Deutsche Nadja Auermann mutmaßte einmal, er habe wohl “als Kind die Sonne verschluckt”. Und Charlize Theron, die südafrikanisch-amerikanische Schauspielerin, würdigte ihn nach seinem Tod auf Twitter nicht nur als Genie, als einen absoluten Meister, der sein Handwerk beherrschte, sondern als einen Mann voller Wärme und Freundlichkeit. Einer der besten Menschen, dem sie je begegnet sei, schrieb die 44-Jährige.

Er wurde 1944 unter dem Namen Peter Brodbeck in Polen geboren, von wo seine Familie nach Deutschland vertrieben wurde. Zunächst machte er eine Lehre als Schaufensterdekorateur, belegte später einen Abendkurs in Zeichnen an der Kunsthochschule in Berlin und studierte freie Malerei in Krefeld. Zum Fotografieren kam er erst relativ spät: Mit 27 begann er eine zweijährige Ausbildung beim deutschen Fotografen Hans Lux, anschließend machte er sich selbstständig. Er arbeitete zunächst als Werbefotograf, hatte seinen Durchbruch dann aber 1978 mit einer Modefoto-Strecke für den "Stern". Später arbeitete er mit allen namhaften Designern zusammen.


Ans Aufhören hat er nie gedacht. “Vielleicht falle ich in vielen Jahren mitten in der Wüste mit der Kamera in der Hand tot um”, sagte Lindbergh. Er stelle es sich aber schön vor, mit 65 oder 70 einfach aufzuhören. “Dann könnte ich mal darüber nachdenken, was mir alles so passiert ist im Leben und warum. Das wäre eigentlich mein Traum.”

Peter Lindbergh hinterlässt seine Frau Petra, seine erste Frau Astrid, seine vier Söhne Benjamin, Jérémy, Simon, Joseph und sieben Enkelkinder. Zur Todesursache wurden keine Informationen veröffentlicht.

Text: Anne Borchardt/AFP/dpa